15:24 12 Dezember 2017
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    Gaspipeline (Symbol)

    Polen will langfristigen Gasvertrag mit Russland kippen

    © Sputnik/ Ilja Pitalew
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    Polens Außenminister Witold Waszczykowski hat jüngst Warschaus Entschlossenheit bestätigt, den bis 2022 laufenden Vertrag über Gaslieferungen mit dem russischen Energiekonzern Gazprom nicht zu verlängern, schreibt die Zeitung "Rossijskaja Gaseta" am Dienstag. Zugleich rief er die EU-Länder auf, möglichst viele Depots für Flüssiggas (LNG) zu bauen.

    Etwa zwei Drittel seines Gasbedarfs deckt Polen durch den Import aus Russland. Darüber hinaus ging es 2015 vor das Stockholmer Schiedsgericht, um den russischen Gaspreis anzufechten. Eine Entscheidung wird für das kommende Jahr erwartet. Warschau besteht schon seit längerer Zeit darauf, dass langfristige Gasverträge außer Kraft gesetzt werden, und will den russischen Brennstoff auf dem Spotmarkt kaufen, falls der Preis dafür konkurrenzfähig ist.

    Also geht es nicht um den Verzicht auf das russische Gas, sondern um eine Umformatierung des europäischen Gasmarktes. Der Preis für das russische Erdgas ist schon seit dem Winter 2013/2014 mit dem Spotpreis konkurrenzfähig.

    Polen wird jedenfalls auf das russische Erdgas angewiesen bleiben: Es muss mindestens zwölf bis 15 Milliarden Kubikmeter jährlich importieren. Um seine Abhängigkeit von Russland zu reduzieren, wurde im Norden des Landes ein LNG-Terminal für etwa fünf Milliarden Kubikmeter gebaut.

    Im vorigen Jahr wurde es eröffnet; Warschau importierte etwa eine Milliarde Kubikmeter Flüssiggas aus Katar und will jetzt, dass sich seine Investitionen (in das LNG-Depot) rentieren. Aber es könne aus den Nachbarländern höchstens noch fünf Milliarden Kubikmeter Gas bekommen, vermutete Alexander Kurdin, Chefexperte des Analysezentrums in der russischen Regierung.

    Die Zweckmäßigkeit des LNG-Imports aus Katar ist rein finanziell sehr fragwürdig. Dennoch werden für Polen kurzfristige Verträge in den letzten Jahren immer attraktiver – angesichts des zu erwartenden Überangebots auf dem globalen Flüssiggasmarkt in absehbarer Zeit. Diese Option gestattet Warschau eine flexible Optimierung seiner Gasankäufe abhängig von der Konjunktur.

    Aber ausgerechnet Polen hat eine relativ schwache Verhandlungsposition und ist auf die Unterstützung anderer EU-Länder angewiesen, die gemeinsam Gazprom zum Übergang zu kurzfristigen Verträgen zwingen könnten.

    Dieser Trend lasse sich auf dem ganzen (und nicht nur) europäischen Gasmarkt beobachten – je nach der Entwicklung des LNG-Marktes, auf dem mit den USA und Australien neue Anbieter erscheinen, stellte der Experte fest.

    „Das bedeutet nicht unbedingt, dass die russischen Gaslieferungen geringer werden. Alles hängt von Gazproms Preispolitik ab. Schon jetzt sind seine Preise konkurrenzfähig, und es bestehen viele Möglichkeiten für deren Aufrechterhaltung. Deshalb kann Russland seine Nische auf dem Markt durchaus behalten – allerdings muss es sehr akkurat bei der Preisgestaltung vorgehen und seine eigenen Unkosten optimieren“, unterstrich Kurdin.

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    Tags:
    Gaslieferungen, LNG, Polen, Russland
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