08:20 20 Januar 2018
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    USA rücken mit Schieferöl an – Gefahr für Öl-Großmacht Russland?

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die USA können in der nächsten Zeit Russland und Saudi-Arabien von den Führungspositionen bei der Ölförderung verdrängen. Der Hauptfaktor des Anstiegs der US-Ölproduktion ist der Rückgang der Selbstkosten für die Förderung von Schieferöl, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Ein starkes Wachstum der Ölförderung ist selbst bei niedrigen Ölpreisen zu erwarten, die die Erschließung vieler russischer Vorkommen, besonders im Arktischen Schelf, nicht decken.

    Russland startete am Dienstag gleich fünf neue Öl- und Gasvorkommen. Die anfänglichen Vorräte des Clusters bei Chanty-Mansijsk machen 259 Millionen Tonnen aus, 90 Prozent davon sind sogenannte schwer zu erschließende Vorräte. Rosneft investierte knapp 400 Milliarden Rubel in die Erschließung von Vorkommen und plant nun die Förderung von neun Millionen Tonnen Öl pro Jahr.

    „Man muss die Dynamik der Entwicklung der Branche aufrechterhalten. In der Welt nimmt der Verbrauch von Ölprodukten ständig zu. Unser Land muss in diesem Segment der Weltwirtschaft seine Führungspositionen beibehalten“, sagte der russische Premier Dmitri Medwedew bei der Eröffnung des Clusters. Ihm zufolge ist eine der Aufgaben bei der Entwicklung der Branche die Schaffung von Anreizen für die kommerzielle Erschließung der Ölvorräte, deren Förderung bei der gültigen Besteuerung nicht rentabel ist.

    Am Donnerstag soll bei einer Regierungssitzung ein neuer Gesetzentwurf zu Steuern für zusätzliche Einnahmen erörtert werden, die die Erschließung schwieriger Vorkommen vorantreiben soll, wobei die Einzahlungen in den Haushalt nicht von der Menge des geförderten Öls, sondern von den Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf abhängen werden.

    Diese Herangehensweise soll eine Antwort auf die starke Veränderung der Selbstkostenpreise für die Förderung von Schieferöl in den USA sein. Während die Ölpreise von 85 US-Dollar vor einigen Jahren eine Katastrophe für Schieferöl-Spezialisten waren, sind diese nun bereit, bei einem deutlich niedrigeren Ölpreis zu arbeiten. Der Exekutivdirektor der Firma ConocoPhillips, Ryan Lance, sagte, dass er nur in jene neuen Projekte investieren werde, die bei Ölpreisen unter 50 Dollar rentabel sein werden. Die Firma will ihre Ausgaben auf rund 5,5 Milliarden Dollar für 2018-2020 erhöhen.

    Der Rückgang der Selbstkosten für die Schieferölförderung in den USA würde laut Einschätzung der Internationalen Energieagentur dazu führen, dass die USA in der nächsten Zeit ein dominierender Akteur auf dem globalen Öl- und Gasmarkt werden. 2025 werde das Wachstum der US-Ölförderung den Kennzahlen Saudi-Arabiens aus der Zeit seiner größten Expansion gleichen. Die Mengen von US-Gas würden höher als die Mengen der früheren Sowjetunion sein, berichtet Bloomberg.

    Der Schieferöl-Boom würde die USA, die früher der größte Importeur waren, in den weltweit größten Exporteur verwandeln. „Die USA werden im Laufe der nächsten Jahrzehnte unbestrittener Anführer auf dem globalen Öl- und Gasmarkt sein“, sagte der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol.

    Wie der Öl- und Gasexperte Rustam Tankajew erklärt, versuchen die USA, dank der eigenen Produktion den Import abzubauen. Die USA seien nach China der zweitgrößte Ölimporteur der Welt, die Senkung der Abhängigkeit vom Import sei für sie eine geopolitische Aufgabe, so der Experte.

    Laut Tankajew sanken die Ausgaben für die Förderung von Schieferöl in den USA um das 2,5-Fache – von 80 auf 35 Dollar. Allerdings habe Russland immer noch Trümpfe. Nach dem Rückgang des Rubel-Kurses fielen die russischen Ausgaben auf 2,3 Dollar pro Barrel, derzeit belaufen sie sich auf 3,2 Dollar, also zehn Mal weniger als bei den US-Herstellern. Damit sei das Schieferöl kein Konkurrent für Russland auf dem internationalen Markt.

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    Tags:
    Schieferöl, Erdöl, Saudi-Arabien, USA, Russland
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