17:25 18 Dezember 2017
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    Wladimir Putin (M) mit den Präsidenten der Türkei (R) und des Iran bei dem trilateralen Treffen in Sotschi am 22. November 2017

    Russland, Iran, Türkei: Sotschi-Koalition als Nachahmung der Jalta-Konferenz?

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    Das Treffen der Präsidenten Russlands, der Türkei und Irans in Sotschi, dem der Besuch des syrischen Präsidenten Baschar Assad in der Residenz Putins vorausging, wird ein Ereignis sein, das nicht nur Syriens Zukunft bestimmt, sondern auch die Teilung der Einflussbereiche im Nahen Osten festigen wird, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Der in Syrien de facto erreichte Sieg über das globale Übel in Gestalt des islamistischen Terrorismus lässt die Verbündeten der Anti-IS-Koalition als Sieger im wichtigsten Krieg des 21. Jahrhunderts dastehen, der sechs Jahre dauerte.

    Das Treffen der drei Präsidenten in Sotschi kann in diesem Sinne als eine Art Analogon zur Jalta-Konferenz von 1945 betrachtet werden, auf der die Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition die Konturen der Nachkriegsordnung skizzierten. Parallelen zwischen Jalta und Sotschi sind trotz des historischen Abstands von mehr als 70 Jahren aus einem weiteren Grund angebracht.

    Im Laufe der vergangenen Jahre erklärte Moskau mehrmals, dass der Krieg in Syrien nicht nur das Schicksal konkret dieses Staates und seines Anführers, sondern auch die internationalen Spielregeln betrifft, die nach der Jalta-Konferenz aufgestellt wurden und zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr den Richtlinien der Weltmächte entsprachen.

    Damit ging es in diesen Jahren in Syrien nicht nur darum, wer im Nahen Osten und in der Weltpolitik wer ist, sondern auch darum, ob die Begriffe Souveränität, territoriale Integrität und die Völkerrechtsprinzipien im Ganzen aufrechterhalten werden.

    Es ist kaum zu leugnen, dass Russland einen entscheidenden Beitrag zum Sieg der Anti-IS-Koalition geleistet hat. Als Damaskus einen Schritt von der Niederlage entfernt und der syrische Staat am Rande des Zusammenbruchs stand, war es Russland, das die Wende einleitete. Danach begann es zusammen mit Verbündeten und Partnern den Friedensprozess in Astana, dessen Ergebnis der für Ende Dezember vorgesehene Kongress des nationalen Dialogs in Syrien sein soll.

    Der Austragungsort des repräsentativsten Treffens von Opposition und Behörden, an dem erstmals ethnische und religiöse Gruppen teilnehmen sollen, die zuvor in keiner Verhandlungsrunde vertreten waren, wird Sotschi sein.

    Während in Jalta die USA und Großbritannien die Verbündeten Moskaus waren, wurde diesmal keine Koalition mit den führenden Mächten des Westens geschmiedet. Im Ergebnis mussten sich Washington und London mit der Rolle der Statisten begnügen, die vor die Tatsache eines nicht mit Moskau gemeinsam erkämpften, sondern für sie fremden Siegs gestellt wurden.

    Schließlich zeigte die neue Koalition in Syrien, dass das Zentrum der Entscheidungen sich vom Westen nach Osten verschiebt, von traditionellen zu neuen Machtzentren. Die einst allmächtige euroatlantische Gemeinschaft hat am Beispiel Syriens die Grenzen ihrer Möglichkeiten und ihrer Macht gesehen.

    Die Interessen Russlands, der Türkei und Irans in Syrien stimmen nicht vollständig überein. Ihre Wege in Syrien und im Nahen Osten werden wohl nach einem gemeinsamen Sieg, der den Zerfall des Staates verhinderte, auseinandergehen, wie die Wege der ehemaligen Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition nach der Jalta-Konferenz auseinandergingen, als sie in den Kalten Krieg eintraten.

    Doch das wird eine andere Geschichte sein.

    Wichtiger ist, dass Russland seinen wichtigsten Krieg in Syrien gewann. Hoffentlich wird es sich nicht in neue fremde Kriege hineinziehen lassen – ob in Syrien oder anderswo.

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    Tags:
    Koalition, Syrien-Regelung, Türkei, Iran, Syrien, Russland
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