09:44 21 Oktober 2018
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    Flaggen von der USA und Kosovo in Pristina (Archiv)

    USA schließen Bündnis mit dem Balkan

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    In den USA ist ein Entwurf der neuen Balkan-Strategie veröffentlicht worden, deren drei Hauptelemente die ständige US-Militärpräsenz in der Region, Versöhnung mit Serbien und aktive Vermittlung bei der Lösung regionaler Streitigkeiten sind, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Der Entwurf der neuen Balkan-Strategie wurde vom Atlantischen Rat vorbereitet und in der vergangenen Woche in Washington präsentiert. Das Dokument „Vorwärts Balkan – neue US-Strategie für die Region“ ist zwar nicht offiziell, kann aber wohl zu einer Plattform für die Balkan-Politik Washingtons werden. Der Atlantische Rat gilt als eine dem Außenministerium und US-Administration nahe stehende Struktur. Seine Vertreter, die für die Balkan-Region zuständig sind, nahmen aktiv an der Erstellung der neuen Strategie teil. Zur Präsentation wurden die Außenamtschefs Serbiens, Montenegros, Mazedoniens, Bosnien und Herzegowinas, Albaniens und des Kosovo eingeladen, die sich anschließend separat mit dem Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Herbert McMaster, trafen.

    Zu den drei wichtigsten Elementen der neuen Balkan-Strategie gehört unter anderem die ständige Militärpräsenz der USA in Südosteuropa. Laut Verfassern des Dokuments eignet sich für dieses Ziel der Militärstützpunkt Camp Bondsteel im Kosovo, der derzeit für die Bedürfnisse der sich dort befindlichen KFOR-Kräfte genutzt wird. Ein weiteres Element der Strategie – die historische Versöhnung mit Serbien, das ein „enger Partner und Verbündeter der USA in der Region sein soll – unter Bedingung der Distanzierung zu Russland“. Der dritte Bestandteil der Strategie ist eine aktive Vermittlung Washingtons bei der Regelung regionaler Streitigkeiten.

    Die Balkan-Region reagierte ziemlich ernsthaft und interessiert auf das von Washington veröffentlichte Dokument. „Der Sinn der neuen US-Strategie besteht in einer aktiveren Teilnahme an Balkan-Angelegenheiten. Es geht de facto um die Rückkehr auf den Balkan nach einem Jahrzehnt einer episodischen Präsenz – die Region wurde der EU übergeben, die sich selbst in einer Krise erwies“, sagte eine Quelle in der Regierung eines Balkan-Staates. Darüber hinaus sei es eine Antwort auf die Versuche anderer außerregionaler Staaten, vor allem Russlands, Chinas und der Türkei, ihren Einfluss auszubauen. Die Verabschiedung dieser Strategie soll die euroatlantische Integration der Region festigen, so die Quelle.

    Die neue US-Strategie löste großes Interesse vor allem in Serbien aus, dem im Dokument eine besondere Rolle zugesprochen wird. Serbiens Präsident Alexandar Vucic nannte die Vorstellung der Strategie ein „wichtiges Thema“. Eine nahe den serbischen Behörden stehende Quelle sagte, dass viele Punkte des Entwurfs ziemlich freundlich gegenüber Belgrad sind. Damit werde die Bedeutung Serbiens in der Region und das Streben seiner Führung nach Partnerschaftsbeziehungen zu den USA anerkannt.

    Auch die Berichtverfasser rechnen mit solchem Streben Belgrads. Sie berufen sich auf die Verkündigungen der serbischen Behörden, dass „die Nato als Marke zwar von der Bevölkerung des Landes vorwiegend negativ wahrgenommen wird und die Nato-Mitgliedschaft nicht auf der Tagesordnung in Serbien steht, die Erweiterung der Kooperation mit den USA wäre jedoch wünschenswert“.

    Laut diplomatischen Quellen aus der Balkan-Region ist ein potentieller Bereich der Umsetzung des dritten Elementes der US-Strategie – Vermittlung bei regionalen Streitigkeiten – die beschleunigte Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo sowie die Regelung des Konfliktes zwischen Griechenland und Mazedonien wegen der Bezeichnung Mazedoniens. „Die Amerikaner könnten Pristina zur Erfüllung der unter Vermittlung der EU erreichten Vereinbarungen mit Belgrad bewegen – vor allem bei der Schaffung einer Gemeinschaft serbischen Kommunen im Kosovo, was die Normalisierung ihrer Beziehungen beschleunigen würde“, sagte eine Quelle. Zudem sei auch der Einfluss der USA auf Griechenland bei der Kompromisssuche in Bezug auf den Namen Mazedoniens zu erwarten, was bereits in ein bzw. zwei Jahren seinen Nato-Beitritt ermöglichen wird.

    Die möglichen Absichten Washingtons, sich aktiver mit der „mazedonischen Frage“ zu befassen, werden auch durch die in der vergangenen Woche veröffentlichten Informationen bestätigt, dass zum neuen US-Botschafter in Skopje der jetzige US-Beauftragte für den Balkan, Hoyt Brian Yee, ernannt wurde.

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    Tags:
    Strategie, Stützpunkt, US-Streitkräfte, Balkan, USA