10:06 13 Dezember 2017
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    Schweißarbeiten an einer Gas-Pipeline des russischen Gaskonzerns Gazprom

    Warum Gazprom keine Angst vor Stopp von Nord Stream 2 hat

    © Foto: Gazprom
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der russische Energiekonzern Gazprom hat im November in einem Vierteljahresbericht eingeräumt, dass die im Sommer verhängten neuen Russland-Sanktionen der USA doch Risiken für die Pipeline-Projekte Nord Stream 2 und Turkish Stream provozieren, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Es geht nämlich darum, dass dem US-Präsidenten das Recht auf Sanktionen gegen Personen bzw. Unternehmen vorbehalten ist, die mehr als fünf Millionen Dollar in den Bau von russischen Export-Pipelines investieren wollen.

    De facto haben die Sanktionen die Perspektiven des Nord-Stream-2-Projekts schon beeinträchtigt: Im Juli hatte sich die deutsche Bundesnetzagentur geweigert, fünf Objekte auf den Entwicklungsplan des Gastransportnetzes zu setzen, die aus Sicht der Infrastruktur mit der neuen Gasleitung aus Russland verbunden wären.

    Ein paar Tage zuvor hatte der US-Senat die neuen Russland-Sanktionen verabschiedet. Darüber hinaus mussten fünf europäische Energiekonzerne (Shell, Wintershall, OMV, Engie und E.On) auf den Kauf von Anteilen an der Nord Stream AG verzichten, so dass als einziger Besitzer Gazprom verbleibt, während seine europäischen Partner „nur“ als Kreditgeber agieren.

    Der Grund dafür war bzw. ist die Gegenwirkung einiger EU-Länder, insbesondere Polens, dessen Anti-Monopol-Dienst noch im vorigen Jahr gewarnt hatte, das neue russische Pipeline-Projekt würde die europäischen Gasverbraucher viel zu stark von Russland abhängig machen. Auch Dänemark lässt sich die neue Pipeline nicht gefallen: Sein Parlament verabschiedete erst vor wenigen Tagen ein Gesetz, dem zufolge die Regierung den Pipelinebau in dänischen Hoheitsgewässern aus Sicherheitsgründen untersagen darf.

    Die Umsetzung des Nord-Stream-2-Projekts könnte auch von der EU-Kommission behinder werden, die auf einer Novellierung der EU-Gesetze besteht, die das so genannte „Dritte Energiepaket“ auf Gasleitungen aus dritten Ländern erweitern würde. Sollten das EU-Parlament und der EU-Rat diese Novellen billigen, würde Gazprom die Möglichkeit zur Verwaltung seiner neuen Export-Pipelines teilweise verlieren, insbesondere des zweiten Strangs des Turkish-Stream-Rohrs.

    Dessen erster Strang soll den Gastransit durch die Ukraine in die Türkei (14 Milliarden Kubikmeter pro Jahr) ersetzen. Dieselbe Funktion soll auch Nord Stream erfüllen, deren Kapazität nach der Inbetriebnahme der zweiten Leitung 110 Milliarden Kubikmeter erreichen wird (diese Menge muss Gazprom im Sinne des 2019 auslaufenden Vertrags durch die Ukraine nach Europa pumpen).

    Aber eine vorläufige Unterbrechung des Baus von Nord Stream 2 wäre für Gazprom keine Katastrophe: Die aktuellen Pipelines (das ukrainische Gastransportnetz, Jamal-Europa und Blue Stream) decken seinen Exportbedarf völlig ab. Angesichts dessen ist eher die Zweckmäßigkeit der Ausgaben für den Bau der Leitungen Nord Stream 2 (9,5 Milliarden Euro) und Turkish Stream (sechs Milliarden Euro) fraglich, zumal der Konzern die enorm kostspielige Pipeline „Kraft Sibiriens“ (44,3 Milliarden Dollar nach Einschätzung der Gazprombank) baut, für die er vom chinesischen Staatskonzern CNPC wider Erwartungen nicht den Vorschuss von 25 Milliarden Dollar bekommen hat.

    Aber möglicherweise werden die neuen US-Sanktionen den russischen Energieriesen dazu bewegen, sein Investitionsprogramm zu korrigieren, und zwar zugunsten der Flüssiggasproduktion. Denn kein einziges der LNG-Projekte, die in den letzten acht Jahren angekündigt worden waren, wurde in die Tat umgesetzt. Und die Probleme um Nord Stream wären ein passender Anlass, wieder die LNG-Projekte zu erwägen.

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    Tags:
    Stopp, Angst, Sanktionen, Nord Stream 2, EU, Russland
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