19:52 11 Dezember 2017
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    IOC-Vorsitzender Thomas Bach (l.) und Chef der IOC-Disziplinarkommission Samuel Schmid bei Pressekonferenz in Lausanne

    Game Over: Warum wurde Russland von Olympia verbannt?

    © REUTERS/ Denis Balibouse
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    Das IOC hat das russische Olympia-Team von den kommenden Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen. Einige russische Athleten dürfen zwar in Pyeongchang antreten, aber nur unter neutraler Flagge – und nur wenn sie beweisen können, am angeblichen Dopingsystem nicht beteiligt gewesen zu sein. Das Portal „iz.ru“ berichtet.

    Die Entscheidung des IOC ist in der Geschichte des Sports beispiellos. Gefasst hat das Olympische Komitee seinen Beschluss laut dem Portal allein anhand der Aussagen von Grigori Rodtschenkow, dem ehemaligen Leiter des Moskauer Antidoping-Labors.

    Der Leiter der IOC-Kommission, Samuel Schmid, hat bei der „Urteilsverkündung“ erklärt, russische Athleten seien auch auf Grundlage eines Schriftwechsels und der Aussagen „unvoreingenommener Zeugen“ von Olympia ausgeschlossen worden. Doch hat Schmid laut dem Portal keinen einzigen dieser Unvoreingenommenen namentlich genannt.

    Theoretisch könnte Russland die IOC-Entscheidung jetzt beim Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne anfechten. Zeit dafür hat das Land jedoch keine, wie das Portal schreibt: Der Startschuss für die Spiele fällt ja schon am 9. Februar.

    Stichhaltige Beweise für die Existenz eines staatlichen Dopingsystems in Russland habe das IOC bislang indes nicht geliefert, betont der Chef der Unabhängigen Antidopingkommission, Vitali Smirnow.

    Mit dem Ausschluss Russland von den Winterspielen allein hat sich das IOC nicht zufriedengegeben: Russlands Olympia-Komitee ist suspendiert, einige russische Sportfunktionäre sind lebenslang für die Olympischen Spielen gesperrt – darunter auch Russlands ehemaliger Sportminister und amtierender Vize-Premier Vitali Mutko.

    Es hätten ja alle – Angeklagte wie Zeugen – das Recht gehabt, gehört zu werden, sagte der Chef der IOC-Kommission, Samuel Schmid – nicht ganz ohne Heuchelei, wie das Portal schreibt. Denn am Tag X habe sich kein einziges Mitglied der russischen Delegation aussprechen dürfen.

    Indes sei das Ende der Geschichte mit dem Ausschluss russischer Athleten von den Winterspielen keinesfalls erreicht: Jede Woche kämen zwei neue Fälle hinzu, die Proben würden immer noch ausgewertet, derzeit habe man 36 Fälle, so Schmid laut dem Portal. Seine Mitarbeiter ermitteln seit Juli 2016 in der Sache des angeblichen Dopingsystems in Russland.

    Das IOC sei noch nie mit einem solchen Ausmaß an Manipulation mit Doping-Proben konfrontiert gewesen, sagte der IOC-Funktionär Schmid. Der olympischen Bewegung sei beispielloser Schaden zugefügt worden. Nun müsse Russland auch die „Gerichtskosten“ übernehmen: jene 15 Millionen Dollar, die das IOC für die Ermittlungen aufgebracht habe.

    Die IOC-Entscheidung lasse jedoch ganz klar zu, dass saubere Sportler an den Mannschaftssportarten teilnehmen dürfen, betonte der IOC-Präsident Thomas Bach laut dem Portal. Und sollte Russland die Ermittlungskosten decken, könnten russische Athleten auf der Abschlussfeier sogar unter Nationalflagge auftreten.

    „Vorerst aber muss Russland seine wichtigste Entscheidung treffen: teilnehmen oder nicht teilnehmen an der Winterolympiade? In letzter Zeit werden die Rufe nach einem Boykott der Spiele immer lauter“ schreibt „iz.ru“.

    Die Entscheidung darüber werde auf der Olympia-Versammlung mit den Athleten, Trainern und Funktionären besprochen, teilte Alexander Schukow, der Präsident des russischen Olympischen Komitees, mit.

    „Wir sind im Exekutivkomitee aufgetreten, es ist uns gelungen, seinen Mitgliedern unseren Standpunkt zu vermitteln. Etwaige Bedingungen – außer der Kostenübernahme für die Ermittlungen und die Gründung eines neuen Antidopinggremiums innerhalb des IOC – gibt es nicht. Sie werden teilweise von uns getragen“, sagte Schukow laut dem Portal. Im Übrigen sei es „eine der positiven Entscheidungen für russische Sportler“, dass die anderthalbjährigen Ermittlungen endlich beendet seien.

    Es gibt laut dem Portal aber noch ein wichtiges Detail, das bei der ganzen Aufregung aus dem Blick geraten ist: Der IOC-Präsident Thomas Bach hat die FIFA darauf hingewiesen, sie könnte ja die Ermittlungen Samuel Schmids etwas aufmerksamer betrachten. Vielleicht gebe es Probleme mit Doping im Fußball, auf die die IOC-Kommission verweisen könne, sagte Bach gemäß dem Portal.

    Dies passt zu den jüngsten Medienberichten, wonach 34 russische Fußballer des Dopings bezichtigt würden. Zwar habe die FIFA die Gerüchte umgehend dementiert, so das Portal, doch bleibe dies eine offene Frage. Auf den Hinweis von Thomas Bach reagiert der Fußball-Verband jedenfalls verhalten: Man sei mit den Vorbereitungen auf die kommende WM beschäftigt, hieß es in einer FIFA-Erklärung.

    Den Eindruck, dass mit dem Doping-Skandal der olympische Gedanke bestimmten politischen Stimmungen geopfert wurde, werde man jedenfalls nicht los. Die Zeit werde die Wahrheit ans Licht bringen, sagte Dmitri Tschernyschenko, Chef des Organisationskomitees Sotschi-2014.

    Und zu guter Letzt ein Blick in die Geschichte: „Das letzte Mal, dass das russische Eishockey-Team beim Olympia Gold geholt hatte, war 1992… als die Mannschaft unter neutraler Flagge auftrat“, schreibt das Portal.

    Tags:
    Ausschluss, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, IOC, Thomas Bach, Russland
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