03:10 10 Dezember 2019
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    Abrüstung in Rahmen des INF-Vertrags (Archiv)

    30 Jahre INF-Vertrag: Gorbatschow verdient Dank statt Kritik

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    Vor genau 30 Jahren, am 8. Dezember 1987, unterzeichneten der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan in Washington den Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme (INF-Vertrag), schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ in ihrer Freitagsausgabe.

    Am 1. Juni 1988 trat das Dokument in Kraft. Inzwischen ruft es aus verschiedenen Gründen viele, sogar noch schärfere Diskussionen als damals hervor. Manche halten Gorbatschows Vorgehen vor 30 Jahren nahezu für einen Verrat, und manche verlangen die sofortige Auflösung des Abkommens.

    Drei Jahre später erfüllten beide Seiten die Forderungen des INF-Vertrags. Moskau vernichtete insgesamt 1846 Raketenkomplexe, insbesondere mobile Startanlagen Pioner mit Raketen mit Mehrfach-Sprengköpfen, stationäre Raketen R-12 und R-14 sowie Marschflugkörper RK-55, operativ-taktische Komplexe Temp-S und Oka. Die Amerikaner liquidierten im Gegenzug 846 Raketenkomplexe mit Raketen Pershing-2, Marschflugkörpern Tomahawk und operativ-taktischen Raketen Pershing-1A.

    In Russland kritisiert man manchmal die Bedingungen des INF-Vertrags, weil die Sowjetunion fast dreimal so viele Raketen und mehr als drei Mal so viele Sprengköpfe entsorgen musste. Zudem verfügen aktuell gleich vier Atomwaffen besitzende Länder über Kurz- und Mittelstreckenraketen, die Russland nicht mehr besitzt.

    Allerdings sollten die Kritiker bedenken, dass die Pershing-2-Raketen der Amerikaner mit hochpräziseren Sprengköpfen bestückt waren und für die sowjetischen Luftabwehrkräfte kaum erreichbar waren. Darüber hinaus waren sie in Westeuropa stationiert und brauchten relativ wenig Zeit, um die Sowjetunion zu erreichen. Die sowjetischen Raketen konnten Amerika gar nicht erreichen.

    Deshalb war dieser Tauschhandel in Form von Quantität gegen Qualität unter den damaligen Bedingungen durchaus gerechtfertigt, und man sollte Michail Gorbatschow eigentlich dankbar sein anstatt ihn für die Unterzeichnung des INF-Vertrags zu beschimpfen.

    Die aktuellen Gefahren für das 30 Jahre alte Abkommen sind mit gegenseitigen Vorwürfen Washingtons und Moskaus verbunden. Die Amerikaner behaupten, Russland hätte 2014 einen bodengestützten Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern entwickelt und getestet. Russland lässt sich seinerseits nicht gefallen, dass US-amerikanische bodengestützte Raketenabwehrsysteme in Rumänien und Polen aufgestellt wurden.

    Aber eigentlich sind die gegenseitigen Vorwürfe vor allem technischen Charakters und können das Rüstungspotenzial Russlands und der USA kaum beeinflussen. Und falls die Seiten ihren guten Willen zeigen, könnten alle Streitfragen im Rahmen einer speziellen Kontrollkommission vom Tisch geräumt werden.

    Sollte der INF-Vertrag dennoch aufgelöst werden, würde zwischen Russland und dem Westen eine neue Konfrontation beginnen, die sogar noch schärfer als in den 1980er Jahren wäre.

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    Dank, Abkommen, Jubiläum, INF-Vertrag, Michail Gorbatschow, USA, Russland