03:57 16 Oktober 2018
SNA Radio
    Laurent Wauquiez

    Weg aus der Krise? Französische Rechte wählt neuen Parteichef Wauquiez

    © AFP 2018 / Lionel Bonaventure
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    0 119

    Zum neuen Vorsitzenden der französischen rechtszentristischen Partei „Les Republicains“ ist Laurent Wauquiez gewählt worden, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Der 42-Jährige bekam 74,6 Prozent der Stimmen seiner Parteikollegen und muss sich jetzt darum bemühen, die stärkste Oppositionspartei aus der aktuellen Krise zu führen.

    Die Partei „Les Republicains“ ist im Mai 2015 auf Basis der „Union für eine Volksbewegung“ (UMP) des Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy entstanden. Die Umbenennung hatte das Ziel, die Wähler das Scheitern der Partei bei der Präsidentschafts- und Parlamentswahl vergessen zu lassen: Der frühere Staatschef hatte zunächst die Partei angeführt, dann seinen Posten verlassen, um an der Präsidentschaftswahl teilzunehmen, konnte aber nicht einmal die Vorwahl gewinnen. Am Ende verlor die Partei mit dem ehemaligen Premier Francois Fillon als Spitzenkandidat die Präsidentschaftswahl im Mai dieses Jahres.

    Wauquiez fungierte in dieser Zeit mehrmals als Parteichef, zunächst 2014 und 2015 (noch in der UMP), und löste später Sarkozy ab. Als die „Republikaner“ die miserablen Ergebnisse nach der Wahlkampagne zusammenfassten, räumte er den Platz für Bernard Accoyer. Und jetzt ist er zurück, und zwar in einer sehr schweren Zeit, nachdem viele Wähler die Bewegung „En Marche!“ des Präsidenten Emmanuel Macron bevorzugt hatten.

    Laurent Wauquiez ist ein erfahrener Politiker. Er war Minister und Staatssekretär unter Präsident Sarkozy, wo er für das Bildungswesen und die europäischen Angelegenheiten verantwortlich war, und während der Wahl 2016 leitete er den Rat der Region Auvergne‐Rhône‐Alpes. Er sprach sich öfter gegen soziales Schmarotzertum aus und verlangte öffentliche Arbeiten für Empfänger von Hilfsgeldern. Außerdem trat er gegen Schwulenehen und die Aufnahme von Zuwanderern auf und zeigte sich als entschlossener Anhänger des Säkularismus, so dass Zuwanderer Frankreich nicht diktieren dürften, was es zu tun hätte.

    Er muss aber vorsichtig vorgehen, damit man ihm nicht Sympathien für die „Front National“ (FN) von Marine Le Pen vorwerfen kann. Kurz vor der Präsidentschaftswahl hatte sie Wauquiez eine Kooperation angeboten, doch er wies ihr Angebot vehement zurück. Dennoch ist die FN-Führung überzeugt, dass er versuchen wird, ihre Wähler (35 Prozent bei der jüngsten Präsidentschaftswahl) auf seine Seite zu ziehen. So sagte der neue Chef der „Republikaner“:

    „Ich kann nicht akzeptieren, dass die FN 35 Prozent der Wählerstimmen hat, denn in Frankreich gibt es keine 35 Prozent der Wähler, die Faschisten oder Nationalisten wären.“

    Auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl 2022 könnte Wauquiez von der Situation profitieren, dass immer mehr Franzosen viele Ideen der „Front National“ teilen, aber nicht selbst für die Partei stimmen wollen. Also könnte seine wichtigste Aufgabe der Kampf nicht nur für seine Partei, sondern auch für die andere sein. Bei der künftigen Wahl könnte er einen beträchtlichen Teil der Wähler Marine Le Pens abwerben, wodurch sie selbst „im Abseits“ landen würde.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Francois Fillon: “Ich gehe”
    Frankreich: Diebe stehlen Laptop und USB-Stick von Francois Fillon
    „Erst schießen, dann sprechen“: Wie Trump den Weltfrieden gefährdet – Fillon
    Tags:
    Konservator, Rechte, Wahl, Parteivorsitz, Politik, Nicolas Sarkozy, François Fillon, Frankreich