03:05 16 Dezember 2018
SNA Radio
    Kandidat von Pe a Corsica Jean-Guy Talamoni feiert seinen Wahlsieg zusammen mit Anhängern

    Korsika: Separatisten siegen, forcieren aber nicht die Unabhängigkeit – warum?

    © AFP 2018 / Pascal Pochard-Casabianca
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    1282

    Die zweite Runde der vorverlegten Regionalwahlen auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika haben die Nationalisten mit 56,5 Prozent der Stimmen überzeugend gewonnen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Im Grunde war ihr Erfolg schon nach der ersten Runde klar, als sie am 3. Dezember 45,3 Prozent der Stimmen bekommen hatten, wobei sich die Vertreter der stärksten Parteien in Frankreich aus dem Rennen verabschiedeten. Die „Front National“ von Marine Le Pen nahm an der korsischen Regionalwahl nicht einmal teil. Die Koalition „En Marche!“ des Präsidenten Emmanuel Macron musste sich mit 12,7 Prozent begnügen, die Oppositionspartei „Les Republicains“ bekam noch weniger Stimmen. 

    Die Frage war im Grunde nur, wie viele Prozente die Nationalisten bekommen und wie viele Wähler zu den Wahlurnen kommen würden. „Wir brauchen das allerbeste Ergebnis von allen möglichen, um bei den Verhandlungen mit Paris zuversichtlich zu sein“, erklärte einer der Führer des Blocks „Pe a Corsica“, Gilles Simeoni.

    „Pe a Corsica“ war im August 2007 entstanden, als sich die Anhänger einer umfassenden Autonomie um Simeoni und die Befürworter der Unabhängigkeit um Jean-Guy Talamoni vereinigten. Und nachdem die korsischen Nationalisten 2014 auf den bewaffneten Kampf verzichtet hatten, wurde der Block nicht nur für Radikale, sondern auch für gemäßigte Wähler attraktiv.

    Die Wahlsieger verlangen unter anderem die Befreiung aller „politischen Häftlinge“, die korsische Sprache zur zweiten Staatssprache auf der Insel zu machen und den Einwohnern der Insel gewisse Privilegien und zusätzliche Rechte beim Immobilienbesitz zu überlassen, um Spekulationen mit Immobilien auf Korsika zu stoppen.

    Auch sollten die Korsen ihnen zufolge Privilegien bei der Arbeitssuche genießen. Und schließlich verlangt „Pe a Corsica“ eine Intensivierung des Kampfes gegen den islamischen Fundamentalismus. Da diese Forderungen ziemlich „bunt“ sind, ist offensichtlich, dass die Bewegung verschiedene politische Kräfte vereinigt – in der Hoffnung auf eine umfassende Autonomie. Die Unabhängigkeit kommt für sie vorerst nicht infrage.

    Viele Experten stehen dem 50 Jahre alten Gilles Simeoni aber eher misstrauisch gegenüber. Er ist Rechtsanwalt von Beruf und vertritt eine sehr einflussreiche Familie. Seine politischen Gegner verweisen darauf, dass sein Vater ein Nationalist war, der in den 1970er Jahren für eine Revolte im Gefängnis gesessen hatte, während sein Großvater einst auf die Vereinigung Korsikas mit Italien unter Mussolini bestanden hatte. Und Gilles Simeoni selbst war der Anwalt des korsischen Nationalisten Yvan Colonna, der für den Mord an Präfekt Claude Erignac in Ajaccio im Jahr 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.

    „Die Zeit für unsere Unabhängigkeit ist noch nicht gekommen, in den nächsten zehn Jahren wird davon keine Rede sein. Die Situation in Korsika ist anders als in Katalonien, wo wir die Situation sehr aufmerksam verfolgen“, sagte Simeoni jüngst in einem Zeitungsinterview.

    Auch die Regierung in Paris hat aus der Situation um Katalonien gewisse Schlüsse gezogen und will die Fehler der spanischen Behörden nicht wiederholen, die am Ende zu einer Explosion in Form des Referendums in Katalonien geführt hatten. „Die Regierung wird mit den Kräften arbeiten, die auf Korsika gewählt werden“, hatte der französische Regierungssprecher Benjamin Griveaux noch vor der Abstimmung auf der Insel gesagt. Und nach der Wahl gratulierte Premier Edouard Philippe Simeoni zum Sieg und lud ihn nach Paris ein, um die Situation auf Korsika zu besprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Kataloniens Separatisten eröffnen Wahlkampf
    Neues Nest des Separatismus entwickelt sich in Europa – Bloomberg
    Kiew wirft Budapest Unterstützung des Separatismus in Transkarpatien vor
    Anführer von „kalifornischen Separatisten“ sucht neue Heimat in Russland
    Tags:
    Wahlsieger, Nationalisten, Separatismus, Korsika, Frankreich