14:58 22 Juli 2018
SNA Radio
    Außenminister Chinas, Russlands und Indiens (v.l.n.r.): Wang Yi, Sergej Lawrow und Sushma Swaraj (Archivbild)

    Lawrow will Konflikte zwischen Indien und China mindern

    © Sputnik / Ramil Sitdikow
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Nesawissimaja Gaseta
    0 464

    In Delhi hat ein dreiseitiges Treffen der Außenminister Russlands, Indiens und Chinas stattgefunden, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Basis für die dreiseitigen Beratungen bilden die Kontakte zwischen den Ländern in den Jahren 2003 bis 2005. Damals hatte Moskau damit gerechnet, dass die dreiseitige Kooperation zur Festigung einer multipolaren Weltordnung beitragen und das Diktat seitens der USA in der internationalen Arena beeinträchtigen könnte.

    Regierungschef von Indien Narendra Modi (L) und Präsident von China Xi Jinping (Archivbild)
    © REUTERS / Danish Siddiqui
    Aber schon bald darauf kam es zu Streitigkeiten zwischen Peking und Delhi in Grenzfragen, und die Idee wurde bisher nie umgesetzt. Hinzu kam die wirtschaftliche Expansion der Volksrepublik in Südasien, die sich viele Länder, insbesondere Indien, nicht gefallen lassen wollen.

    Lawrow sagte bei den Gesprächen mit seinen Amtskollegen Wang Yi (China) und Sushma Swaraj (Indien), dass Moskau an der Intensivierung der dreiseitigen „außenpolitischen Koordinierung“ interessiert sei. Die Spitzendiplomaten stimmten ihm zu. In Wahrheit könnten sie aber auch anderer Meinung sein. Jedenfalls gaben das die Medien in beiden Ländern deutlich zu verstehen.

    Die Zeitung „Indian Times“ erinnerte beispielsweise an die Auseinandersetzungen zwischen indischen und chinesischen Grenzschutztruppen im Himalaya, unweit des indischen Bundesstaates Sikkim. Die Chinesen wollten in diesem Gebiet die Doklam-Straße bauen, während Indien und Bhutan Peking eine Verletzung der Grenzen von drei Staaten vorwarfen. Die Volksrepublik behauptete aber, dies wäre ihr Territorium. Allerdings einigten sich Delhi und Peking im August auf den Abzug ihrer Truppen.

    Die Vernunft schien die Oberhand gewonnen zu haben. Aber die Zeitung „Economic Times“ behauptete unter Berufung auf eigene Quellen, China stehe weiterhin für seine Expansionspolitik. Seine Initiative „Ein Gürtel – ein Weg“ nimmt nämlich keine Rücksicht auf die Interessen Indiens und beeinträchtigt sogar dessen Sicherheit. Beunruhigend sind auch die Aktivitäten der Chinesen im Südchinesischen Meer sowie ihre Militärstrategie im Indischen Ozean.

    Die chinesische Zeitung „Global Times“ brachte aber kürzlich die Hoffnung zum Ausdruck, dass das dreiseitige Ministertreffen Peking und China helfen würde, einen Ausweg aus dem Grenzstreit zu finden: „Denn China und Indien haben gemeinsame strategische Interessen, die viel wichtiger als ihre Kontroversen sind.“

    Allerdings verwies Wang Dehua vom Shanghaier Zentrum für internationale Studien darauf, dass die beiden Länder Widersprüche im Kontext der Terrorbekämpfung haben. Delhi werfe nämlich den pakistanischen Geheimdiensten die Unterstützung von islamistischen Gruppierungen vor, die Indien angreifen. Da aber Peking Pakistan für seinen strategischen Partner in Südasien halte, werde es wohl keine Schritte auf Delhi zu machen, vermutete der Politologe.

    Eine weitere Streitfrage ist mit der Mitgliedschaft Indiens in der Gruppe der Kernmaterial-Lieferländer (NSG) verbunden, der 48 Staaten angehören. Das Ziel dieses Bündnisses ist, das Risiko der Weiterverbreitung von Atomwaffen zu minimieren. China tritt aber gegen Indiens Aufnahme in die NSG auf, weil Delhi den Vertrag über Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen nicht unterzeichnet hat.

    In diesem Aspekt hat China Kontroversen nicht nur mit Indien, sondern auch mit Russland: Laut der „Hindustan Times“ erklärte der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow kürzlich, Moskau würde Indiens NSG-Beitritt befürworten.

    Die Leiterin des Zentrums für Indien-Studien beim russischen Institut für Orientalistik, Tatjana Schaumjan, sagte dazu: „Russland und Indien pflegen im nuklearen Bereich enge Kontakte. Indien ist vorhersagbarer als Pakistan. Wir haben gewisse Zweifel bezüglich Pakistans: Wie ist es zu seinen Kerntechnologien gekommen? Da spielte unter anderem China eine Rolle. Also vertrauen wir in dieser Frage eher Indien als Pakistan. Leider gibt es in der Welt immer mehr Länder, deren Positionen im nuklearen Bereich viele Fragen hervorrufen“, so die Expertin.

    Zum Thema:

    Indische Drohne dringt in chinesischen Luftraum ein – Konfliktprovokation?
    Konkurrenz zwischen Indien und China entzweit BRICS
    „Hühnerhals” treibt Indien und China zu No-Return-Point
    „Schwer, aber nicht fantastisch“: Dreieck Russland-Indien-China – Chancen und Hürden
    Tags:
    Außenminister, Grenzschutz, Vermittlung, Treffen, Diplomatie, Zusammenarbeit, Sushma Swaraj, Wang Yi, Sergej Lawrow, Indien, Russland, China
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren