04:51 18 Oktober 2018
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    Metallröhre für die Gaspipeline Nord Stream 2

    Explosion an OMV-Gasstation dürfte Position der EU zu Nord Stream 2 ändern – Experte

    © Foto: Gazprom
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    Das Unglück von Baumgarten macht deutlich, welch ein hohes Risiko der Gastransit über die Ukraine habe, sagte der russische Energieexperte Alexander Frolow dem Portal „rueconomics“. Das veraltete ukrainische Gasnetz sei vor weitaus schwereren Zwischenfällen keineswegs sicher.

    Baumgarten ist gewissermaßen die Endstation für russisches Erdgas – zumindest endet hier Russlands Zuständigkeit für den Brennstoff: „Dort übergibt Russland sein Gas und damit auch die weitere Verantwortung dafür an den Abnehmer“, erklärte der Experte.

    Insofern könne Russland keineswegs für das Unglück verantwortlich gemacht werden. Dass ein paar Verrückte in Kiew trotzdem versuchen könnten, die Explosion russischen Geheimdiensten in die Schuhe zu schieben, sei nicht ausgeschlossen, so der Analyst.

    Es gebe aber auch andere Interessengruppen, die versuchen könnten, das Unglück zu instrumentalisieren: „Polen etwa wird mit Sicherheit erklären, die EU solle Gelder für seine Flüssiggasprojekte bewilligen – und natürlich auch für die Verlegung von Pipelines, um das Gas dann von den Terminals in die Nachbarländer zu pumpen. Die Europäische Union weigert sich, diese Projekte zu finanzieren, und Warschau wird die Gunst der Stunde nutzen“, prognostiziert der Experte.

    Der Unfall am österreichischen Gas-Hub sei auch ein Signal für die Befürworter russischer Gaslieferungen: „Deutschland und andere Fürsprecher des Nord Stream 2 haben jetzt ein weiteres ernstes Argument in der Hand, das ihre Position stärkt. Denn das ukrainische Gasnetz ist derart verschlissen, dass ein Unfall jeder Zeit wahrscheinlich ist. Und was ist, wenn etwas bei Frost oder bei Nachfragespitzen passiert? Um den reibungslosen Gasfluss zu sichern, sind alternative Gasrouten notwendig“, so der Experte.

    Der Unfall in Baumgarten sei indes schwer, aber nicht kritisch. Zum einen könnten Gasströme umgeleitet werden, zum anderen habe der Gazprom-Konzern in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit seinen europäischen Partnern Untergrund-Gasspeicher eingerichtet. „Sie sollen gerade bei solchen Zwischenfällen als Puffer dienen“, erklärte der Fachmann.

    Der russische Gaskonzern Gazprom hat laut dem Portal indes bekanntgegeben, momentan an der Umleitung der Gasströme zu arbeiten, um die Abnehmer weiterhin ohne Unterbrechung mit Gas versorgen zu können.

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    Tags:
    Sicherheit, Gaslieferungen, Flüssiggas, Nord Stream 2, Gazprom, EU, Russland, Österreich