10:38 27 November 2020
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    Laut einer Studie der Russisch-Deutschen Außenhandelskammer schätzen die meisten deutschen Unternehmen in Russland das Geschäftsklima in diesem Land im Allgemeinen positiv ein, schreibt die Zeitung „Kommersant“.

    Laut der Umfrage, an der sich Vertreter von etwa 800 Unternehmen beteiligten, halten 71 Prozent der Befragten die Situation in Russland für „stabil“. Je 12,7 Prozent schätzen sie „gut“ und „schlecht“ ein. Allerdings sagte niemand der Umfrageteilnehmer, er wolle den russischen Markt verlassen.

    64 Prozent der Umfrageteilnehmer hoffen auf eine Erweiterung ihres Russland-Geschäfts im kommenden Jahr. 35,4 Prozent wollen ihre Aktivitäten auf dem aktuellen Niveau aufrechterhalten.

    Zum Geschäftsklima sagten 10,1 Prozent, es habe sich im Vergleich zu 2016 positiv verändert. 48,1 Prozent sehen „etwas positive“ Veränderungen. 30,4 Prozent der Befragten sehen keine besonderen Veränderungen, und 11,4 Prozent sprachen von einem „negativen“ bzw. „etwas negativen“ Trend auf dem russischen Markt.

    53 Prozent der Unternehmer zeigten die Absicht zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. 40,5 Prozent  haben keine solchen Pläne. Nur 6,3 Prozent müssen voraussichtlich ihre Mitarbeiter entlassen.

    Investitionen in Russland planen 39,2 Prozent der Befragten. (60,8 Prozent haben keine solchen Absichten.) Infrage kämen nahezu 500 Millionen Euro. Unter den negativen Faktoren für ihre Aktivitäten in Russland erwähnten sie in erster Linie die enorme Bürokratie, den instabilen Wechselkurs des Rubels, die Protektionsmaßnahmen und die gegenseitigen Sanktionen zwischen dem Westen und Russland.

    In Berlin spricht man indes davon, dass für Russlands Image Fälle eine negative Rolle spielen, wenn die Rechte ausländischer Investoren verletzt werden. Zuvor hatte die deutsche Seite auch den „Fall Siemens“ kritisiert (nachdem mehrere in Russland gebaute Turbinen auf die Krim befördert worden waren). Und jetzt verweist sie auf die strafrechtliche Verfolgung der Top-Manager der russischen „Tochter“ der Hochtief AG (Hochtief Development Russland (HDR)) in St. Petersburg.

    HDR hatte zuvor am Bau bzw. Umbau von Terminals des Moskauer Flughafens Scheremetjewo teilgenommen, das zentrale Büro der Sberbank und das Haus der deutschen Botschaft in Moskau gebaut. In den letzten Jahren beteiligte sich die Firma an keinen großen Bauprojekten in Russland. Laut jüngsten Medienberichten will die Hochtief AG ihre russische Tochter insolvent machen und ihre Aktivitäten in Russland einstellen.

    Deutsche Offizielle ziehen diesen Rückzug unmittelbar auf die Probleme von HDR in Russland zurück. Diese Entscheidung der Konzernführung sei bedauernswert, aber angesichts der Verfolgung ihrer Mitarbeiter in St. Petersburg nachvollziehbar, sagte Botschafter Rüdiger von Fritsch. Dieser Fall zeigt nach seiner Auffassung, dass ausländische Unternehmen immer noch Zweifel an der Verteidigung ihrer Interessen in Russland haben.

    Der Vorstandschef der Russisch-Deutschen AHK, Matthias Schepp, zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass der „Fall Hochtief“ negative Folgen für das Geschäfts- bzw. Investitionsklima in Russland haben wird. Nach seinen Worten finden deutsche Unternehmen die russische Wirtschaft nach wie vor attraktiv, aber jetzt könnten potenzielle Investoren ihre Meinung ändern. Dabei sei es für Russland angesichts des Sanktionsdrucks seitens der USA äußerst wichtig, seine wirtschaftliche Attraktivität zu fördern, warnte er.

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    Tags:
    Unternehmen, Recht, Folgen, Investitionen, Sanktionen, Deutschland, Russland