09:14 10 Dezember 2019
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    Donald Trump (Archiv)

    Willkommen im Klub, Mr. Trump

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    Mit einer neuen Fassung der Nationalen Sicherheitsstrategie will US-Präsident Donald Trump das Land in das Goldene Jahrhundert von Ronald Reagan, in die Epoche der „Star Wars“, des Falls der Berliner Mauer und einer völligen Kapitulation aller Feinde der USA zurückbringen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Die Einstellungen der Zeitmaschine sind aber kaputt – dem Dokument zufolge kehren die USA nicht in die 1980er-, sondern wohl in die 90er-Jahre zurück. Damals machte die Wirtschaft der USA rund 20 Prozent der Weltwirtschaft aus (jetzt sind es 22 Prozent), doch niemandem fiel ein, sie als einzige Supermacht zu bezeichnen – das war zwar ein sehr reicher, jedoch ein ziemlich provinzieller Staat, der sich vorwiegend mit inneren Problemen befasste, dessen Interessen sich nicht weiter als auf die Philippinen und Kuba ausdehnten.

    Seit jener Zeit hat sich vieles geändert. Washington kam aus zwei Weltkriegen als Stütze der internationalen Ordnung, auf der sich die ganze Welt hält, hervor. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Dominanz der USA absolut. „Wenn unser tragisches Jahrhundert uns eine Lehre bringen kann, dann ist es, dass die Zukunft unvorhersehbar ist und die Welt einen Anführer braucht, der nur die USA sein können“, schrieb George Bush in der Nationalen Sicherheitsstrategie 1993.

    Im Jahr 2017 verzichten die USA wohl auf die globale Führungsrolle in der Form, in der sie von der früheren Präsidentenadministration beansprucht wurde. In der neuen Strategie — wie auch in der früheren — geht es um die Wichtigkeit der Förderung des Einflusses der USA im Ausland, um die notwendige Festigung der militärischen  Stärke des Landes, damit es keines ihresgleichen im Militärbereich gibt.

    Zugleich heißt es im neuen Dokument, die USA würden nicht mehr versuchen, anderen Ländern ihre Ideologie und Lebensweise aufzudrängen, jedoch die Außenpolitik gestützt auf die eigenen pragmatischen Interessen betreiben. Die früheren Präsidenten der USA hatten den Protektionismus und Isolationismus einen Weg der Angst genannt, den man vermeiden sollte. Donald Trump betrachtet diesen Weg jedoch als den einzigen, der den Respekt zu den USA im Ausland wiederherstellen kann.

    Die Interessen der USA werden in seiner Deutung von revisionistischen Mächten (Russland und China), Außenseiterstaaten (Nordkorea und Iran), Terroristen, kriminellen Organisationen und undankbaren Verbündeten, die den Schutz Washingtons zu eigenen Zwecken genutzt haben, untergraben. Trump versprach, die Meinung der Letzteren zu berücksichtigen, jedoch nur in dem Maße, wie sie den Interessen der USA entsprechen. Dabei werden in der Strategie die Verbündeten und Partner der USA dazu aufgerufen, die Last der globalen Führungsrolle, vor allem die finanzielle, neben den USA zu tragen.

    Einige Ideen der neuen US-Strategie sehen bekannt aus – Russland und China meinen auch, dass das moderne Weltsystem ihnen gegenüber ungerecht sei, und zählen die Beleidigungen des Westens auf. In diesem Zusammenhang will man sagen – „Willkommen im Klub“. Das Paradoxon besteht darin, dass Trump mit der Welt unzufrieden ist, deren Schaffung sein Land in den letzten Jahrzehnten geleitet hatte.

    Die Spuren der vergangenen Epochen, die im Dokument zu finden sind, heben lediglich die Zweifelhaftigkeit des Geschehens hervor. So wurde der Einfluss der USA als „positiv für die Welt“ und „wohlstandbringend für die Menschheit“ bezeichnet. Allerdings bedeutet der restliche Text der Strategie, dass die Handlungen Washingtons vor allem für Washington selbst nützlich sein werden.

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    Strategie, Einfluss, Führung, Rolle, Donald Trump, China, Russland, USA