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    Russlands Soldat in Syrien (Archiv)

    Welche Lehren die russische Armee aus dem Syrien-Krieg zieht

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    Kommersant
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    Trotz der Prognosen der Skeptiker, die im September 2015 sagten, Russland werde in Syrien die Fehler der Sowjetunion in Afghanistan wiederholen, hat es das russische Militär geschafft, einen langen Krieg zu vermeiden, und in kurzer Zeit eine vollwertige Operation gegen radikale Islamisten durchgeführt, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Zwei Jahre Krieg haben dem Generalstab der russischen Streitkräfte laut der Zeitung eine Menge an Informationen über den Einsatz von Waffen und Militärtechnik und die Planung des Truppeneinsatzes gegeben. Diese Kenntnisse werden wieder gefragt sein, wenn die russischen Truppen mit dem Kampf gegen Islamisten in jedem anderen Land beginnen werden.

    Russlands Präsident Wladimir Putin beschloss im Sommer 2015, das Assad-Regime militärisch zu unterstützen. Diese Entscheidung sah zunächst riskant aus – vor dem Hintergrund des Krim-Beitritts zu Russland und der Vorwürfe der Kriegstreiberei im Südosten der Ukraine war es schwierig, die Folgen zu kalkulieren. Einige Experten meinten, dass Russland bei einer ungünstigen Entwicklung des Geschehens ein zweites Afghanistan erleben werde. Doch Russland ging dieses Risiko ein, und nach zwei Jahren kann man sagen, dass es damals die richtige Entscheidung getroffen habe.

    Die Syrien-Kampagne war für das gesamte System der russischen Streitkräfte eine große Prüfung. Die Armee bereitete sich seit 2012 darauf vor. Damals ließ Verteidigungsminister Sergej Schoigu Großmanöver abhalten, bei denen die Verlegung von Militärtechnik und Soldaten in ferne Gebiete zur Einrichtung von operativen Einsatzstäben und Gruppierungen geübt wurde. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden in Syrien angewandt. Doch im Krieg wurden auch einige Mängel der Waffen aufgedeckt, von denen weder die Entwickler noch die Militärs zuvor etwas geahnt hatten. Ein Beispiel ist der erstmalige Einsatz des Marschflugkörpers Ch-101 in der Wüste. Erstmals wurden Hochpräzisions-Langstreckenraketen Kalibr, Ch-101, Iskander-M, Totschka-U und Ch-55 unter realen Gefechtsbedingungen eingesetzt. Insgesamt wurden in Syrien 215 Waffentypen eingesetzt, wobei insgesamt 702 Nachteile und Mängel festgestellt wurden.

    Die Syrien-Kampagne verlief nicht etwa reibungslos. Die Militärs gaben zu, dass der Zustand der syrischen Armee im September 2015 überaus kritisch gewesen sei, doch das habe sich erst nach Beginn der Kampagne herausgestellt. In vielerlei Hinsicht konnten die russischen Offiziere in Syrien viel Erfahrung in Sachen Einsatzführung sammeln. Zum ersten Mal wurden die russischen Spezialeinsatzkräfte so umfassend eingesetzt.

    Syrien erlaubte es dem Kreml, die Kampffähigkeit der Armee unter realen Bedingungen zu prüfen. Die Krim-Operation wurde in Russland zwar einer Sonderoperation gleichgestellt, aber das waren keine vollwertigen Kampfhandlungen. Das letzte Mal wurden die russischen Streitkräfte im größeren Umfang zuvor bei der „Operation zur Zwangsbefriedung Georgiens“ im August 2008 eingesetzt. Die danach erstellte Analyse hatte Anlass zur kardinalen Militärreform gegeben. Nach dem Krieg in Syrien kann man sagen, dass die aktuelle Kriegsmaschinerie keine starken Änderungen verlangen wird – es müssen nur einzelne Aspekte korrigiert werden.

    Die Lehren des Syrien-Einsatzes werden natürlich bei der Planung der nächsten Operationen berücksichtigt werden, falls Wladimir Putin beschließen sollte, die Erfahrung der Vernichtung von radikalen Islamisten, die die Militärs in Syrien gesammelt haben, in einem anderen Land zu nutzen.

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    Tags:
    Militäreinsatz, Erfahrung, Russlands Streitkräfte, Syrien, Russland
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