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11:05 21 August 2019
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    Verbrennen von Plakaten mit US-Symbolen und Donald Trumps Porträt in Peschawar, Pakistan

    Tweet der Zwietracht

    © REUTERS / Fayaz Aziz
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    Iswestija
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    US-Präsident Donald Trump riskiert wegen eines Tweets, dass die Nato-Gruppierung in Afghanistan ohne Versorgung verbleibt, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Dienstag.

    Donald Trump hat die Beziehungen zu einem der wichtigsten Nicht-Nato-Verbündeten verschlechtert. Am Tag nach der Silvesternacht verfasste er einen Tweet, der die gesamte Politik der USA in Südasien grundsätzlich verändern und die Operation in Afghanistan untergraben könnte.

    „Die USA sind nicht mehr Verbündete für uns. Wahre Verbündete gehen nicht so vor, deswegen haben wir keine Allianz mehr mit den Amerikanern. Washington versucht, uns in einen Prügelknaben zu verwandeln, um sich für seine Misserfolge in Afghanistan zu rechtfertigen. Gerade jetzt ist die Situation in Pakistan relativ ruhig, doch wenn wir eine Operation gegen afghanische Aufständische beginnen, die sich in unseren Bergen verstecken, wird der Krieg erneut auf unseren Boden kommen, was den Amerikanern wohl passt“, sagte der pakistanische Außenminister Khawaja Muhammad Asif im Interview mit „The Wall Street Journal”.

    Einige Stunden zuvor hatte das US-Außenministerium erklärt, dass Washington die Militärhilfe für Pakistan einstellt, das seit 2004 den Status eines Hauptverbündeten der USA außerhalb der Nato hat. Im Interview mit pakistanischen Medien äußerte sich Asif noch schärfer: „Die USA verhalten sich nicht wie ein Freund. Die USA sind ein ‚Freund’, der uns ständig verrät. Wir werden nicht allein bleiben – mit uns sind China, der Iran, Russland, die Türkei.“

    Asif kritisierte nicht nur die US-Führung, sondern auch den ehemaligen pakistanischen Präsidenten Perverz Musharraf, der 2001 die US-Intervention in Afghanistan unterstützt hatte. Der pakistanische Außenminister bezeichnete diesen Beschluss als „kolossalen Fehler“, nach dem Pakistan von einer Terrorwelle erfasst wurde. Er hat in gewisser Weise Recht.

    Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 bot Islamabad Washington Hilfe an und stellte sein Territorium für die Verlegung von Truppen nach Afghanistan und seine Stützpunkte für US-Angriffsflugzeuge bereit. Insgesamt verübten die Amerikaner von pakistanischem Territorium aus 57.800 Angriffe gegen Afghanistan. Die pakistanische Armee absolvierte Säuberungen in den Grenzgebieten und zeigte damit die Bereitschaft, gegen den Terrorismus in einheitlicher Front zu kämpfen. Die Gesamtverluste der pakistanischen Truppen beim Kampf gegen die Terroristen waren größer als die Verluste der Nato-Truppen in allen Jahren des Krieges in Afghanistan.

    Dabei bauten die Pakistaner zugleich die Kontakte mit den Anführern der Taliban aus. Gerade in Pakistan versteckte sich Osama bin Laden, dort fanden Extremisten, die von den Koalitionskräften vertrieben wurden, ebenfalls einen Zufluchtsort.

    Washington fasst dieses Doppelspiel natürlich mit wenig Begeisterung auf. Die Amerikaner warnten Islamabad mehrmals, allerdings stellten die Pakistaner die Verbindungen mit den Taliban nicht ein.

    „Die USA zahlten aus Dummheit in den letzten 15 Jahren mehr als 33 Milliarden Dollar Hilfe an Pakistan, sie gaben uns im Gegenzug aber nichts außer Lüge und Winkelzügen, wobei unsere Staatsführer für Dummköpfe gehalten wurden. Sie nahmen Terroristen auf, die wir in Afghanistan jagten, wobei uns fast keine Hilfe geleistet wurde. Das wird sich nicht mehr wiederholen“, schrieb Trump am 1. Januar auf Twitter.

    Innerhalb weniger als einer Woche erklärte das US-Außenministerium das Einfrieren einer weiteren Hilfe für Islamabad in Höhe von 255 Millionen US-Dollar. Laut dem Weißen Haus soll das Verbot für zwei Jahre gelten. Das heißt, dass die Pakistaner auf Hilfe im Gesamtwert von rund zwei Milliarden Dollar verzichten müssen.

    Laut Pentagon-Chef James Mattis erörterte die US-Administration alle Varianten und wählte die beste aus. Man solle sich keine Sorgen machen, dass die Pakistaner den einzigen Bodenkorridor sperren könnten, über den die gesamte US-Gruppierung versorgt wird. Zudem solle man sich nicht sorgen, dass China die Abschwächung des US-Einflusses nutzen könnte, so Mattis.

    Er gab zu verstehen, dass diese Entwicklung ein Teil der neuen US-Strategie gegenüber Südasien sei. Worin sie besteht, sagte er nicht. Doch das ist kein Geheimnis. Washington versucht, die Beziehungen mit Indien zu verbessern, um es in ein antichinesisches Aufmarschgebiet zu verwandeln. Parallel verlieren die US-Militärs nicht die Hoffnung, dass sie auch die relativ guten Beziehungen mit den pakistanischen Kollegen aufrechterhalten können.

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    Tags:
    Änderung, Einstellung, Strategie, Finanzierung, Militärhilfe, 9/11, The Wall Street Journal, Twitter, US-Außenministerium, Pentagon, James Mattis, Pervez Musharraf, Donald Trump, Südasien, Türkei, Pakistan, Iran, Afghanistan, USA, Russland, China