23:13 17 Juli 2018
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    Washington schaltet von Syrien auf Iran um

    © AP Photo / Ebrahim Noroozi
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die USA nutzen das Protestpotential im Iran für ihre neue Nahost-Strategie, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Experten zufolge spielt der Widerstand gegen den iranischen Einfluss eine dominante Rolle in der neuen Nahost-Strategie der USA, die demnächst von Sicherheitsberater Herbert McMaster vorgelegt werden soll.

    „US-Soldaten werden längere Zeit in Ostsyrien bleiben, damit die USA einen Einflusshebel bei verschiedenen Verhandlungen über den künftigen Staatsaufbau bekommen, die Erweiterung des iranischen Einflusses eingeschränkt und den kurdischen Partnern Zeit für die Einnahme eines eigenen Platzes in Syrien gegeben wird“, sagte der Experte der Denkfabrik RAND, James Dobbins. Zudem sollen im Irak mehrere US-Einheiten für die weitere Ausbildung der lokalen Sicherheitskräfte, die Einschränkung des Einflusses des Irans und die Entwicklung der Beziehungen zwischen schiitischen, sunnitischen und kurdischen Gemeinden bleiben, so der Experte.

    McMaster soll das Konzept der US-Nahostpolitik bereits in diesem Monat vorlegen. Details werden nicht bekanntgegeben. Allerdings haben Experten keine Zweifel daran, dass sich die neue Nahost-Strategie der USA auf die Zähmung des Irans und seiner Satelliten konzentriert. „Ich bin mir sicher, dass der Iran der wichtigste Teil der Vision der US-Administration ist, weil sie ihre Präsenz und ihre Rolle in Syrien beibehalten will“, sagte Jeffrey Mankoff vom Zentrum für internationale und strategische Studien (CSIS) in Washington.

    Zu den Problemen, auf die die US-Führung stoßen wird, gehören laut dem Experten die Zusammensetzung der neuen syrischen Regierung und das Niveau der Beziehungen mit den syrischen Kurden. „Ich denke nicht, dass die USA zusätzliche Kräfte in Syrien stationieren wollen, die für Russland vielleicht der Hauptgrund zur Besorgnis sein würden“, so Mankoff.

    Ihm zufolge könnte das Protestpotential im Iran in der neuen US-Strategie ebenfalls einen wichtigen Platz einnehmen, doch das hänge davon ab, wie nachhaltig die Oppositionsbewegung im Iran sein werde.

    „Eine große Frage besteht darin, wie ernsthaft und langfristig die Proteste sind. Falls sie im Ergebnis eine Bedrohung für das Regime schaffen, die mit der ‚Grünen Bewegung‘ im Jahr 2009 vergleichbar ist, würden die USA wohl einen Weg zu ihrer Unterstützung bzw. andere Hebel zur Verstärkung des Drucks auf den Iran finden“, so der Experte.

    In der Denkfabrik Atlantic Council werden Zweifel geäußert, ob das Weiße Haus eine nachhaltige Strategie im Nahen Osten besitzt. „Ich denke, dass es sich bei den Protesten im Iran um einen zusätzlichen Druck auf die iranische Regierung bei der Suche nach einer politischen Lösung in Syrien handelt. Eine solche Lösung würde Teheran in die Lage versetzen, mehr Ressourcen für die inneren Bedürfnisse umzuverteilen“, sagte die Expertin Barbara Slavin.

    Mit der allmählichen Beendigung der Kampagne zur Bekämpfung des IS sprechen Experten davon, dass die Militärkräfte, die unter der US-Führung gegen die Terroristen gekämpft haben, auf den Kampf gegen proiranische Gruppierungen in Syrien und im Irak umgelenkt werden könnten. Dazu müsse das Pentagon die Stützpunkte in Syrien aufrechterhalten.

    Laut dem Nahostexperten Anton Mardassow verfügen die USA derzeit über fünf Luftwaffenstützpunkte in der Region. In den vergangenen Jahren wurde die Präsenz von Militärs und Spezialisten des CIA im Irak und Jordanien verstärkt. In Jordanien sei nahe der syrischen und irakischen Grenze Infrastruktur zum Einsatz von Hubschraubern und Drohnen errichtet worden, so der Experte.

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    Tags:
    Machtumsturz, Unterstützung, Vorbereitung, Protest, Terrormiliz Daesh, CIA, Nahost, Iran, Syrien, USA
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