14:34 26 September 2018
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    Entladung eines US-Transportflugzeugs in Pakistan (Archivbild)

    Wichtigster antiamerikanischer Verbündeter

    © Foto: U.S. Air Force/ Staff Sgt. Andy M. Kin
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    Pakistan verzichtet auf militärtechnisches Zusammenwirken mit Washington, seinem wichtigsten Verbündeten, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Der pakistanische Verteidigungsminister Khurram Dastgir Khan teilte dies jüngst mit, ohne allerdings über die Einzelheiten zu sprechen. Dieser beispiellose Affront Islamabads stimmte zeitlich mit einer anderen Geste überein, die man in Washington unmöglich übersehen wird: Der pakistanische Oberste Gerichtshof beschloss kürzlich, Sufi Mohammad, den Anführer der radikalen Gruppierung Scharia-e-Mohammadi, die seit 2001 gegen die US- bzw. Nato-Truppen in Afghanistan kämpft, „aus gesundheitlichen Gründen“ freizulassen.

    Verbrennen von Plakaten mit US-Symbolen und Donald Trumps Porträt in Peschawar, Pakistan
    © REUTERS / Fayaz Aziz
    Diese Schritte waren Pakistans Antwort auf die jüngsten Aktivitäten der US-Administration. Präsident Donald Trump hatte am 1. Januar auf Twitter geschrieben: „Die USA waren äußerst dumm, als sie Pakistan in den letzten 15 Jahren mehr als 33 Milliarden Dollar bereitstellten, während es uns anlog und unsere Führungspolitiker für Dummköpfe hielt.“ Trump warf Islamabad vor, Terroristen zu verstecken, „die wir in Afghanistan jagen. So etwas wird es nicht mehr geben“, betonte der US-Staatschef.

    Der Sprecher der Verwaltung für internationale Kooperation im US-Verteidigungsministerium, Patrick Evans, präzisierte seinerseits, dass Pakistan vorerst mit keinen Hilfen in Höhe von 900 Millionen Dollar rechnen dürfe. Das wäre eine beträchtliche Summe, wenn man bedenkt, dass Pakistans Militäretat bei etwa acht Milliarden Dollar pro Jahr liegt.

    Der pakistanische Verteidigungsminister Shahid Khaqan Abbasi behauptete jedoch in einem Interview, Washingtons Hilfen seien in letzter Zeit „sehr, sehr unwesentlich“ gewesen, obwohl sich Pakistan „an der Frontlinie des Kriegs gegen den Terror“ befinde. „Ich verstehe nicht, um welche Hilfen es sich handelt. In den letzten fünf Jahren betrugen diese weniger als zehn Millionen Dollar jährlich.“

    Trotz dieser demonstrativen Bestrafung seines wichtigsten Verbündeten in Zentralasien behauptet Washington, der „Point of no return“ sei noch nicht erreicht. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, sagte, die Hilfen seien eingestellt worden, „solange die pakistanische Regierung keine entschlossenen Schritte gegen die Taliban unternimmt“.

    Pentagon-Chef James Mattis erklärte ebenfalls, eine totale Einstellung der Kooperation komme „keineswegs“ infrage. In Washington erwartet man nach seinen Worten Islamabads „entschlossenes Vorgehen“ gegen die Terroristen.

    Die Anspannung der Beziehungen zwischen Washington und Islamabad hatte noch unter Donald Trumps Vorgänger Barack Obama begonnen, der Pakistan 2016 Hilfen in Höhe von 300 Millionen Dollar im Rahmen des Programms „Foreign Military Financing“ verweigert hatte.

    Dass Trump durch seine harten Aussagen und Taten gegenüber Islamabad den Gegeneffekt erreichen könnte, bestätigte quasi auch der pakistanische Außenminister Khawaja Asif, der die USA jüngst „einen Freund, der immer verraten kann“, nannte und ergänzte: „Pakistan hat Freunde: China, den Iran, Russland und die Türkei.“

    Der Leiter des russischen Zentrums für Südostasien-Studien, Dmitri Mosjakow, vermutete, dass die Spannungen zwischen Washington und Islamabad dazu führen könnten, dass sich Pakistan China und Russland annähert, was eine Veränderung der Kräftebalance in der asiatischen Region zur Folge hätte. „Da Islamabad Hilfe von außen braucht, versucht es, diese von Moskau und Peking zu bekommen, die ebenfalls Probleme mit Washington haben“, so der Experte.

    Der pakistanische Politologe Ahsan Chaudhary äußerte jedoch Zweifel am Annäherungspotenzial zwischen Islamabad einerseits und Peking und Moskau andererseits: „Die Familien der meisten Führungspolitiker Pakistans leben in den USA. Sie halten auch ihre Kapitale dort.“ Nach seiner Auffassung geht es „eher um einen Handel und nicht um eine fundamentale Veränderung der Positionen“.

    Der Hauptgrund, warum es zwischen Washington und Islamabad keinen totalen Bruch geben wird, liegt aber darin, dass Pakistan das Land ist, durch das der größte Teil des Transits für den US- bzw. Nato-Einsatz in Afghanistan erfolgt. „Für diesen Transit gibt es keine Alternativen. Aus logistischen Gründen sind Entscheidungen nötig – unabhängig von den scharfen und kaum vorhersagbaren Aussagen Donald Trumps“, erläuterte der Direktor des russischen Zentrums für strategische Konjunktur, Iwan Konowalow.

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    Vorwürfe, Konflikt, Einstellung, Militärhilfe, Twitter, Pentagon, NATO, Hakan Abbasi, Donald Trump, James Mattis, Afghanistan, Russland, Iran, China, USA, Pakistan