09:11 24 September 2018
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    Test einer Luftabwehrrakete SM-3 Block 1B auf dem US-Militärstützpunkt Kauai (Archivbild)

    Eine „leicht atomare“ Rakete für Russland

    © Foto: Department of Defense
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    Die USA wollen einen nuklearen Gefechtskopf mit geringer Kapazität für Trident-Raketen zur Eindämmung Russlands entwickeln. Das berichtete der ehemalige Berater des früheren US-Präsidenten Barack Obama, John Wolfsthal, der britischen Zeitung „The Guardian“. Die „Iswestija“ schreibt am Freitag, welche Probleme die neue Atomstrategie der USA hat.

    Für Wolfsthal ist die neue Atomstrategie der USA noch mit vielen offenen Fragen verbunden. Einerseits wird in dem Papier die Eindämmung Russlands, Chinas und Nordkoreas zur Verhinderung des Einsatzes von Atomwaffen unter Androhung von umfassenden Konsequenzen betont. Andererseits wird die Atomstrategie der USA deutlich mehr Elemente der „Falken“ enthalten, zudem werden mehrere umstrittene Punkte aufgenommen.

    Für größte Kritik sorgte der Punkt, laut dem die ballistischen bordgestützten Raketen Trident II D5 mit neuen Atomgefechtsköpfen geringer Kapazität ausgestattet werden sollen. Der Sinn dieses Schrittes besteht darin, dass ein neues Instrument zur Eindämmung Russlands her soll. Laut den Urhebern dieser Initiative würde ein Krieg zwischen Russland und der Nato Moskau unvermeidlich auf die Idee bringen, taktische Atomwaffen auf dem Kampffeld einzusetzen, um den Abstand bei der Militärstärke zu verringern.

    Diese Vorschläge stammen aus früheren Diskussionen. Im August des vergangenen Jahres sagte der stellvertretende Chef des Joint Chiefs of Staff, Paul Selva, dass leistungsschwache Hochpräzisions-Atomgeschosse die Grundlage der US-Abschreckungsstrategie sein müssen. Ihm zufolge sollte man die Möglichkeit bekommen, rationell, flexibel und mehrstufig auf mögliche Handlungen des Gegners zu reagieren.

    Alle Probleme, die mit Hochpräzisionswaffen zusammenhängen, wurden bereits früher beschrieben, als die USA ihre Pläne zum Aufbau des „Prompt Global Strike”-Systems veröffentlichten. Unter den vorgeschlagenen Mitteln waren nichtnukleare Gefechtsköpfe für Trident-Raketen mit erhöhter Präzision.

    Experten machten damals darauf aufmerksam, dass der Start einer ballistischen Rakete an sich schon ein Ereignis ist, das vom Warnsystem eines Raketenangriffs fixiert wird. Im Ergebnis könne eine gefährliche Situation entstehen, die einen einfachen Konflikt in einen Atomkrieg verwandeln kann.

    Bei der Idee der Eindämmung Russlands mit Hilfe kleiner Atomraketen vor dem Einsatz von taktischen Atomwaffen in Europa ist fast dasselbe Problem zu erkennen. Die Situation ist aus der Sicht einer möglichen Eskalation noch schlimmer, weil Moskau in diesem Szenario schon den Einsatz von Atomgeschossen erörtert, wenn auch nur im Kampfgebiet.

    Dabei ist absolut unklar, worin der operative Sinn dieses Vorschlags besteht. Die USA verfügen bereits über entsprechende leistungsschwache Geschosse, die sie in einem möglichen Konflikt in Osteuropa einsetzen können, ohne ballistische Raketen starten zu müssen, die einen Gegen-Atomangriff Moskaus provozieren können. Das sind unter anderem taktische Atom-Abwurfbomben und luftgestützte Marschflugkörper.

    Das Einzige, worin ein Gefechtskopf von Interkontinentalraketen mit hoher Geschwindigkeit solchen Mitteln überlegen sein kann, ist die Widerstandsfähigkeit gegenüber Raketenabwehrmitteln. Russland kann in Europa zum jetzigen Zeitpunkt nur die Systeme S-400 und S-300W4 stationieren. Sie können Ziele mit maximaler Geschwindigkeit von 4800 und 4500 m/s abfangen. Das Abfangen von Gefechtsköpfen von Trident-Raketen ist mit diesen Systemen unmöglich. Im nächsten Jahrzehnt wird aber das System S-500 in Dienst gestellt, das auch Geschosse von Interkontinentalraketen attackieren kann.

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    Tags:
    Prompt Global Strike, Atomwaffen, Interkontinental-Rakete Typ Trident II D5, Luftabwehr-Raketensystem S-500, S-400, S-300, NATO, Paul Selva, Nordkorea, USA, Russland, China