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    Kampfjets der US-Luftwaffe auf dem Militärflugplatz Nellis (Archivbild)

    Augen zu und durch – neue Pentagon-Doktrin richtet sich vor allem an Russland

    © Foto: U.S. Air Force/ Master Sgt. Benjamin Bloker
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    Laut USA ist die Ära des atomaren Wettrüstens zurück. Diese Einschätzung stammt aus einer neuen Übersicht zur amerikanischen Atompolitik, deren Entwurf am Freitag von „The Huffington Post” veröffentlicht wurde. Das Dokument soll die Doktrin von 2010 ablösen, die unter Barack Obama verabschiedet wurde, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Laut dem Entwurf dieser Strategie halten die USA Russland und China für ihre größten Rivalen. Um diesen Mächten Widerstand leisten zu können, ist Washington bereit, in neue Waffensysteme zu investieren, darunter in leistungsschwächere Atomgefechtsköpfe für ballistische seegestützte Raketen des Typs Trident D5 und in die Modernisierung alter Programme, unter anderem betreffs Marschflugkörper Tomahawk mit atomarer Bewaffnung. Laut den Verfassern der Strategie soll das Russland die Illusion nehmen, dass es als erstes einen Atomangriff gegen Europa versetzen kann.

    US-Präsident Donald Trump ordnete eine Woche nach seiner Amtseinführung die Ausarbeitung einer neuer Atomstrategie an. Das Dokument soll bis Ende dieses Monats veröffentlicht werden, doch bereits am Freitag wurde sein Entwurf in der Zeitung „The Huffington Post“ veröffentlicht. Während die unter Barack Obama gebilligte Doktrin die Rolle des atomaren Elements bei der Gewährleistung der nationalen Sicherheit verringerte, macht die Strategie Trumps die Atomwaffen erneut zu ihrem wichtigsten Teil.

    Dabei erweitert das Dokument die Liste der Szenarien, bei denen der Einsatz des amerikanischen Atomarsenals möglich ist. Solche extremen Umstände umfassen nun einen nichtnuklearen Angriff auf die USA bzw. ihre Verbündeten, der zu Massenopfern unter der Zivilbevölkerung bzw. Infrastruktur führen könnte. Zudem kann es sich um eine Antwort auf einen massiven Angriff auf strategische Infrastruktur-, Atomobjekte und Leitzentralen der USA und ihrer Verbündeten handeln.

    Wie es in der neuen Doktrin heißt, ist diese Änderung der Herangehensweise an Atomwaffen mit den gestiegenen Sicherheitsbedrohungen für die USA verbunden, wobei Russland im Mittelpunkt steht.

    „Ursprünglich folgte Russland dem Aufruf der USA und setzte einen ähnlichen Abbau seiner strategischen Atomwaffen um, doch es hat eine große Zahl nichtstrategischer Systeme behalten. Heute modernisiert Russland diese sowie strategische Waffen“, heißt es in der Doktrin. „Noch alarmierender ist die Tatsache, dass sich Russland bei seiner Militärplanung auf die militärische Eskalation zum Erreichen des Erfolgs stützt. Das alles – neben der Invasion Russlands auf der Krim und der Bedrohung der Anwendung von Atomwaffen gegen unsere Verbündeten – bedeutet, dass Moskau offen zur Ära des Rüstungswettlaufs der Supermächte zurückkehrt“, hieß es.

    Russland wird in der neuen Atomstrategie der USA öfter als andere Länder erwähnt (gefolgt von China, Nordkorea und dem Iran): „Zu einer effektiven Abschreckung eines nuklearen bzw. nichtnuklearen strategischen Angriffs Russlands muss Washington Moskau eindeutig zu verstehen geben, wie die Folgen einer eingeschränkten ersten Anwendung von Atomwaffen aussehen werden.“

    Allerdings ist in der russischen Militärdoktrin keine Rede von einer eingeschränkten Anwendung von Atomwaffen. Dort heißt es, dass Russland „sich das Recht vorbehält, Atomwaffen als Antwort auf die Anwendung von nuklearen bzw. anderen Massenvernichtungswaffen gegen Russland bzw. seine Verbündeten sowie bei einer Aggression gegen die Russische Föderation mit Anwendung von konventionellen Waffen einzusetzen, wenn die Existenz des Staates bedroht wird".

    Wie aus dem US-Dokument folgt, ist Washington der Meinung, Moskau sei bereit, in einer weniger kritischen Situation als erstes taktische Atomwaffen einzusetzen, weil die russischen Behörden angeblich meinen, dass sich die USA nicht zu einem starken Atomangriff entscheiden würden, wenn es zum Beispiel um einen Zusammenstoß in Europa gehen würde.

    Um Moskau „die Illusionen zu rauben“, dass ein solcher Angriff unbeantwortet bleiben würde, und ein zusätzliches Abschreckungsinstrument zu bekommen, wollen die USA in neue Waffensysteme investieren. In dem Dokument geht es vor allem um die Schaffung eines leichten Atomgefechtskopfs für die ballistische U-Boot-gestützte Rakete Trident D5 und die Entwicklung eines bordgestützten Marschflugkörpers in einer nuklearen Ausstattung auf Grundlage von Tomahawk.

    „Die US-Führung ließ erstmals seit langer Zeit zu, dass sie zum Kampf gegen internationale Bedrohungen mehr Atomwaffen brauchen wird, es geht um Gefechtsköpfe mit einer Kapazität von bis zu 20 Kilotonnen. Militärstrategen glauben daran, dass leistungsschwächere Atomwaffen den USA helfen werden, Russland und China effektiver abzuschrecken, und sie sich der Anwendung von taktischen Atomwaffen als erste gegen die USA bzw. deren Verbündeten enthalten werden. Allerdings beruhen diese Vorstellungen auf einer großen Täuschung – weder Russland noch China haben solche Pläne“, sagte Anton Margojew vom russischen PIR-Zentrum.

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    Tags:
    Anwendung, Strategie, Gefahr, Nuklearkrieg, Einsatz, Atomwaffen, Militärdoktrin, Weißes Haus, Huffington Post, Pentagon, Donald Trump, Barack Obama, Iran, Nordkorea, USA, Russland, China