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18:36 20 Oktober 2019
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    Demonstrantin bei Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien

    Vorwurf aus Spanien: Befeuert Moskau katalonische Sezession, um Nato zu schwächen?

    © AP Photo / Emilio Morenatti
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    Moskau wird vorgeworfen, sich in die Spannungen um die katalanischen Separationsbestrebungen in Spanien einzumischen, um dieses Nato-Land zu destabilisieren, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Anlass für diesen Vorwurf war die „Analyse der geopolitischen Tendenzen im globalen Maßstab“, die das Spanische Institut für Strategische Forschungen veröffentlicht hat. In der „Analyse“ geht es darum, dass Russland „keine konkreten Interessen in Spanien hat, weil es sich zu weit weg von der Zone des russischen Einflusses befindet“ und nicht auf russisches Gas angewiesen ist wie das benachbarte Frankreich. Dennoch versuche der Kreml, „die in Katalonien existierenden Differenzen zu nutzen, um die Mitgliedsstaaten der Nato zu schwächen“. Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgt Russland laut dem Autor der Analyse, Josep Baqués, eine Politik, „die in den sozialen Netzwerken für Verwirrung sorgt, und das mit denselben Methoden, auf die auch für die Einflussnahme auf die letzten US-Wahlen zurückgegriffen wurde“.

    Der Analytiker ist der Ansicht, dass sich die russische Einmischung „in der Zukunft in anderen europäischen Ländern wiederholen kann“, „in Anbetracht des Beispiels Kataloniens“ auch in Spanien.

    Diese Vorwürfe gegen Russland sind seit etwa drei Monaten vermehrt zu hören. Sie alle betreffen das Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens, das am 1. Oktober 2017 stattfand. Zum ersten Mal äußerte Außenminister Alfonso Dastis am 10. November 2017 einen Vorwurf in diese Richtung. Der Diplomat sagte, dass er „ziemlich widersprüchliche Informationen" zur Verfügung hat, dass eine Gruppe russischer Hacker mit Hilfe von gefälschten Benutzerkonten in den sozialen Netzwerken an der „Destabilisierung“ der Lage in Spanien und insgesamt in der EU arbeitet.

    Zuvor analysierte der Forscher Javier Lesaka von der George Washington University (USA) mit Hilfe von Big Data mehr als fünf Millionen Posts auf Twitter, Facebook und einigen anderen sozialen Netzwerke und sagte, dass der Fernsehsender RT und die Agentur Sputnik Tausende Benutzerkonten verwendeten, um Spanien vor und nach dem Referendum negativ darzustellen. Zum Beispiel betraf fast die Hälfte der Nachrichten über die Autonomie in dieser Zeit das grausame Handeln der spanischen Polizei.

    Dabei gibt es keine offiziellen Beweise für die Einmischung Moskaus, und der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete die Vorwürfe seitens Spanien als „Hysterie“.

    „Diese Vorwürfe sind in keiner Weise gerechtfertigt“, meint Alexander Sogomonjan, Professor an der Fakultät für globale Prozesse an der Staatlichen Universität Moskau. Nach seiner Ansicht könnte sich die Einmischung in das katalanische Referendum negativ auf die Situation innerhalb Russlands auswirken:

    „Es ist für uns absolut unvorteilhaft, weil wir solche Probleme auch haben. In Spanien gibt es Probleme mit Galizien, dem Baskenland und Katalonien, und wir haben ein Problem mit Tschetschenien und überhaupt mit dem Nordkaukasus, ebenso ein Problem mit Tatarstan. Ich sage nicht, dass das identische Situationen sind, aber sie haben etwas Ähnliches.“

    In diesem Zusammenhang ist der Experte überzeugt, dass Russland den Ausgang des Referendums in Spanien nicht beeinflussen könne.

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    Tags:
    soziale Netze, Destabilisierung, Kritik, Vorwurf, Wahleinmischung, Facebook, Twitter, RT, Sputnik, Kreml, Katalonien, Spanien, Russland