08:48 22 Juli 2018
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    Explosion in der syrischen Stadt Daraa (Archivbild)

    Erdogan teilt Schläge gegen Kurden aus, trifft aber Russland

    © AFP 2018 / Mohamad Abazeed
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    Nesawissimaja Gaseta
    Lage in Afrin: Türkei will Panzer gegen US-Truppen schicken (25)
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan scheint seinen angedrohten Militäreinsatz im syrischen Afrin in die Tat umzusetzen, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Laut arabischen und syrischen Medienberichten haben die türkischen Truppen gestern massive Artillerieschläge gegen die in dieser Enklave stationierten kurdischen Selbstverteidigungskräfte (YPG) versetzt. Dadurch soll eine Offensive der Syrischen Arabischen Armee und ihrer Verbündeten im Süden der Provinz Idlib verhindert worden sein.

    Dort kämpfen die Truppen von Präsident Baschar al-Assad um den strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt Abu-Duhur. Aber das könnte erst der Anfang eines großen Kriegs sein, den Ankara und dessen Verbündete gegen die YPG-Kräfte im Norden Syriens planen. Erdogan hatte jüngst im Parlament erklärt, an der umfassenden Offensive gegen die YPG-Kräfte, die in der Türkei als Terroristen gelten, könnten syrische Oppositionelle teilnehmen. Dabei wären Gefechte nicht nur in Afrin, sondern auch in Manbidsch möglich.

    Dabei hatte Russland noch im September 2017 mehrere Abteilungen seiner Militärpolizei nach Afrin gebracht, die dort die Einhaltung der Waffenruhe in der so genannten „Deeskalationszone“ überwachen. Russische Kräfte gibt es auch in Manbidsch.

    Erdogan verlangt von seinen Verbündeten direkt, „Ankara bei seinem Kampf gegen die Terroristen nicht im Weg zu stehen“. Sonst wären negative Folgen möglich. An wen diese Warnung gerichtet war, ist nicht ganz klar. Aber die früheren Drohungen gegen die Kurden und die von den USA angeführte Koalition ließen sich auch als Signal an Russland deuten, dessen Friedensstifter in Afrin und Manbidsch weilen.

    Die USA führen inzwischen ihr eigenes Doppelspiel weiter. Einige arabische Zeitungen berichten über Details eines geheimen Deals zwischen Washington und den Demokratischen Kräften Syriens (DKS), der unter anderem deren Versorgung mit mobilen Fla-Raketenkomplexen vorsehen soll. Dadurch könnten die DKS möglichen Luftschlägen sowohl der türkischen als auch der syrischen Luftstreitkräfte widerstehen.

    Die erste Partie dieser Waffen wurde angeblich bereits in der vorigen Woche nach Afrin gebracht. Wenn das so ist, dann stellt sich die Frage, wie sie dorthin befördert wurden, denn weder das Pentagon noch das russische Verteidigungsministerium gaben bislang offizielle Kommentare ab. Aber es ist ohnehin klar, dass die so genannten Grenzsicherheitskräfte auf Basis der DKS unter Mitwirkung der USA gebildet werden; dies hatte das Kommando der internationalen Koalition vor wenigen Tagen mitgeteilt.

    Die Türkei und Russland haben in der Nahost-Region unterschiedliche Interessen. Ankara geht es dabei nicht nur um den Kampf gegen die YPG-„Terroristen“: Es hat eigene geopolitische und wirtschaftliche Interessen in Syrien, die mit dessen territorialer Integrität nichts zu tun haben. Vielmehr will es die Gebiete behalten, die aktuell von den protürkischen Oppositionskräften (und den USA) in Idlib, Aleppo, Latakia und anderen Provinzen kontrolliert werden.

    Vorerst nimmt man in Moskau keine besondere Rücksicht auf diese Interessen Ankaras. Auffallend ist aber, dass mehrere proamerikanische und protürkische Oppositionsgruppierungen vor einigen Tagen erklärten, sie würden nicht zum Kongress des syrischen nationalen Dialogs nach Sotschi (Russland) reisen.

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    Tags:
    Zuspitzung, Konfrontation, Vorbereitungen, Einsatz, Offensive, Schutzschild Euphrat, kurdische Selbstverteidigungskräfte YPG, Demokratische Kräfte Syriens (SDF), Recep Tayyip Erdogan, Afrin, Idlib, Russland, Syrien, USA, Türkei
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