15:12 20 November 2018
SNA Radio
    Als Santa Claus gekleideter palästinensischer Protestler

    Das verlorene Palästina – was stand auf dem Spiel?

    © REUTERS / Mohammed Salem
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Kommersant
    42210

    Das Jahr 2018 hat erst begonnen, aber in diesen wenigen Wochen hat eine ganze Epoche ein Ende gefunden, die mehrere Generationen von Politikern, Diplomaten und Experten als „Nahost-Friedensprozess“ bezeichnet hatten, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Das ist ganz spontan passiert und dürfte vor dem Hintergrund des Sanktionskrieges und der Ereignisse um Syrien, Nordkorea, den Iran usw. unbemerkt geblieben sein.

    Den Schlusspunkt im Friedensprozess setzte Palästinenser-Chef Mahmud Abbas, der erklärte, dass es den „Osloer Prozess“ nach dem Beschluss von US-Präsident Donald Trump, die Botschaft der Vereinigten Staaten nach Jerusalem zu verlegen, nicht mehr gebe.

    Die bei geheimen Verhandlungen in der norwegischen Hauptstadt getroffenen Vereinbarungen hatten die Basis eines Vertrags gebildet, der am 13. September 1993 in Washington vom damaligen israelischen Außenminister Schimon Peres und PNA-Chef Jassir Arafat unterzeichnet wurde. Der damalige US-Staatschef Bill Clinton sprach mit Genugtuung von der baldigen Friedensära, die nach der Umsetzung der in Oslo getroffenen Vereinbarungen beginnen würde. Und internationale Medien zitierten euphorisch den israelischen Premier Jitzchak Rabin, der die israelischen Gegner des Abkommens mit den Palästinensern als „Menschen der Vergangenheit“ bezeichnete.

    Ein Vierteljahrhundert später stellte sich aber plötzlich heraus, dass die Geschichte in Bezug auf den Nahen Osten zurückläuft. Die „Vergangenheit“, von der Rabin sprach, wird jetzt Zukunft, und die Gegenwart gibt es gar nicht. Der Revanche der israelischen „Falken“, die die Idee des palästinensischen Staates als „Fehlgeburt“ betrachteten, gingen der Mord an Jitzchak Rabin und der geheimnisvolle Tod Jassir Arafats voraus.

    Und nun geht ihr Traum in Erfüllung: Der aktuelle Palästinenser-Führer Mahmud Abbas bestätigte angesichts der jüngsten Aussagen Trumps quasi offiziell: Der „Osloer Prozess“ ist tot.

    Es wird erzählt, Bill Clinton wäre von der Idee, als „Nahost-Friedensstifter“ in die Geschichte einzugehen, dermaßen besessen gewesen, dass er sich in allen möglichen Details der Gespräche in Oslo bestens auskannte und sogar angeblich imstande gewesen wäre, den Stadtplan von Ost-Jerusalem mit geschlossenen Augen aufzuzeichnen.

    Es ist unwahrscheinlich, dass der jetzige US-Staatschef Trump imstande ist, Ost-Jerusalems Stadtplan selbst mit offenen Augen zu zeichnen, aber das störte ihn ganz und gar nicht daran, alles zu begraben, worum sich die US-Diplomatie im Nahen Osten jahrelang bemüht hatte, ohne sich in jegliche Details zu vertiefen. Ab jetzt gibt es nicht nur keine Voraussetzungen für die Fortsetzung des palästinensisch-israelischen Dialogs, sondern auch keine Bedingungen für die amerikanische Vermittlung zwischen den Konfliktseiten.

    Und am Ende ist Bill Clinton als US-Präsident in die Geschichte eingegangen, der sein Palästina nicht finden konnte (obwohl das zum Greifen nah war), und Donald Trump – als Präsident, der Palästina für immer und ewig verloren hat.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Nach Jerusalem-Entscheidung der USA: Palästinenser bitten Islam-Staaten um Hilfe
    Jerusalem-Entscheidung: Wer kommt nach den USA und Guatemala?
    Jerusalem-Abstimmung: Trumps Vorwand, um Geldhahn zuzudrehen – türkische Politikerin
    Uno nimmt Resolution an: USA sollen Jerusalem-Entscheidung zurücknehmen
    Tags:
    Friedensprozess, Hauptstadt, Abbruch, Anerkennung, Diplomatie, PNA, Schimon Peres, Donald Trump, Jassir Arafat, Jitzchak Rabin, Bill Clinton, Mahmud Abbas, Nahost, Jerusalem, Israel, Palästina, Oslo, USA