00:31 16 August 2018
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die unlängst veröffentlichte „Übersicht der nuklearen Politik“ der USA, die demnächst gebilligt wird, sieht unter anderem die Entwicklung einer seegestützten ballistischen Rakete des Typs Trident II vor, die Atomsprengköpfe geringer Stärke tragen würde, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    „Trident II“ sind ballistische Interkontinentalraketen, mit denen aktuell 14 US-amerikanische Atom-U-Boote des Typs Ohio bewaffnet sind. Eine Rakete kann entweder acht Sprengköpfe W88 (475 Kilotonnen) oder 14 Sprengköpfe W76 (100 Kilotonnen) tragen. Es stellt sich allerdings die Frage: Warum sollte man die Schlagkraft der Sprengköpfe verringern? Aber dafür gibt es eine Antwort – und so etwas gab es bereits vor etwa 60 Jahren.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die USA der Sowjetunion ziemlich oft mit Atomschlägen gedroht. Immer wieder hoben Langstreckenbomber der Amerikaner ab: B-36 im Jahr 1948, B-47 1949, B-52 1955. Auch die Zerstörungskraft der Fliegerbomben wurde immer größer: von 15 Kilotonnen 1945 wuchs sie auf 20 Megatonnen 1954. Aber am 25. Mai 1953 wurde in einer Wüste im US-Bundesstaat Nevada eine riesige 280-Millimeter-Kanone T-131 getestet. Sie feuerte zum ersten Mal in der Geschichte ein nukleares Geschoss ab.

    Aber wozu hatte man denn eine Kanone für Atomgeschosse entwickelt, wo doch Flugzeuge Atomwaffen durchaus zuverlässig befördern konnten?

    Hier ist die Antwort: Ende der 1940er Jahre hatte die Sowjetunion noch keine eigenen Atomwaffen – im Unterschied zu den USA. Aber 1953 verfügte Moskau bereits nicht nur über nukleare, sondern auch über thermonukleare Rüstungen, und in Washington begriff man, dass ein totaler Atomkrieg sinnlos wäre. Deshalb wurde im Westen die Theorie des „beschränkten (lokalen) Atomkriegs“ entwickelt.

    Unter anderem erwog Washington zwei Varianten eines lokalen Atomkriegs: Krieg in einem einzelnen Entwicklungsland und Krieg in einer größeren Region (beispielsweise in West- bzw. Mitteleuropa oder in China samt Indochina und Korea). Und jetzt ist man quasi zu dieser alten Idee zurückgekehrt.

    Natürlich rufen die Pläne zur Entwicklung von „kleinen Atomwaffen“ zwecks Eindämmung Russlands einen großen Enthusiasmus bei Politikern und Ländern wie Polen, der Ukraine, Litauen, Lettland und Estland hervor. Das Problem ist nur, dass sie sich kaum dessen bewusst sind, worauf sie selbst sich im Falle eines lokalen Atomkriegs gefasst machen müssten. Sie sind wohl sicher, dass Atomschläge gegen entlegenere russische Regionen versetzt würden, die für ihre Länder ungefährlich wären.

    Viele von diesen Politikern hoffen offenbar zudem, dass Russland Angst vor dieser Erpressung haben würde, so dass sie ihre Ziele mit „friedlichen“ Mitteln erreichen könnten. Sie kommen wohl nicht auf die Idee, dass die nukleare Erpressung Russlands einen Gegeneffekt auslösen könnte. Und während taktische Atomwaffen in den 1950er bis 1980er Jahren auf dem Territorium des damaligen West- und Ost-Deutschlands sowie Polens eingesetzt hätten werden können, würden sie jetzt wiederum in Polen sowie in den baltischen Ländern und vermutlich auch in der Ukraine zum Einsatz kommen.

    Dass Politiker und Militärs in den USA über die Millionen Opfer in den Ländern, wo sie einen lokalen Atomkrieg führen würden, nicht sprechen wollen und nur von der „Eindämmung Russlands“ reden, ist klar. Unklar ist aber, warum russische Medien darüber schweigen, was mit der Bevölkerung der erwähnten Länder passieren würde, falls man sich in Übersee für die praktische „Eindämmung“ Russlands entscheiden sollte und Moskau darauf mit denselben Mitteln reagieren würde.

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    Tags:
    Nuklearwaffen, Strategie, Veröffentlichung, Entwicklung, Atom-U-Boote, Interkontinentalrakete, ballistische Rakete, Atomkrieg, Nuklearkrieg, Atomwaffen, Trident-II-Rakete, Pentagon, Westeuropa, Südostasien, Koreanische Halbinsel, Europa, Asien, USA, Russland, China
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