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    Proteste der Kurden gegen Offensive der Türkei (Archiv)

    US-Führung verliert Gleichgewicht in Syrien

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die USA suchen nach der richtigen Balance in der Situation um den türkischen Druck auf das von den syrischen Kurden kontrollierte Afrin, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Jüngst reiste eine US-Delegation nach Ankara, um die akuten Probleme in den Beziehungen zwischen den zwei Nato-Partnern zu besprechen, deren Positionen zu Syrien einst ähnlich waren, inzwischen aber sehr unterschiedlich sind.

    Vor den Gesprächen in Ankara hatte der Chef des US-Zentralkommandos (CENTCOM), Joseph Votel, Rakka, die frühere informelle IS-„Hauptstadt“, besucht, die von den „Demokratischen Kräften Syriens“ (DKS) befreit worden war, deren Kern kurdische Kämpfer bilden.

    Trotz solcher Gesten bleiben die USA auf Distanz zur Afrin-Offensive der Türken und erklären, dass deren Interessen der US-Strategie zur IS-Bekämpfung widersprechen. Dem früheren US-Vizeaußenminister Philip Crowley zufolge bleiben die Kurden nach wie vor Teil der US-Konzeption.

    „Die Administration Donald Trumps, wie auch die Administration Barack Obamas, bestimmte die Interessen der USA durch die Notwendigkeit der Vernichtung des IS-Kalifats“, betonte der Diplomat. „Großenteils wurde dieses Ziel erreicht. Die Wahl wurde aus meiner Sicht richtig getroffen: den DKS bei der Vereinigung der kurdischen Territorien zu helfen, die vom IS befreit wurden.“ Die allmähliche Stabilisierung der Situation in Syrien schaffe Voraussetzungen für politische Verhandlungen, ergänzte Crowley.

    „Die Niederlage des IS zwingt die Amerikaner, daran zu denken, wie es weitergeht“, meint der Ex-Chef des Syrischen Nationalen Rats (Gremium der syrischen äußeren Opposition), Burhan Ghalioun. „Eines der neuen Elemente der Politik Trumps ist die Absicht zur Festigung der US-Präsenz östlich des Euphrat – mit der Warnung, dass sie dort für lange bleiben wollen –, sowie zur Verstärkung der Oppositionskräfte auf den befreiten Territorien und zur Verpflichtung des Irans, diesen Raum zu verlassen. Man kann sagen, dass Washington seine Politik in der Region zum ersten Mal gleich mit zwei wichtigen Kriterien bestimmt: Erstens kann es in Syrien keine Lösung ohne den Rücktritt Assads und eine ‚Übergangspolitik‘ geben, und zweitens kommt Milde gegenüber Teheran nicht infrage.“

    Allerdings ist nicht zu übersehen, dass jeder Versuch der USA, der Türkei nachzugeben, das Vertrauen seitens der kurdischen Formationen zerstört, die so gut wie die einzige Stütze der Amerikaner auf syrischem Boden sind. Denn die Verbindungen mit der „gemäßigten“ Opposition sind offenbar zerstört worden. Damit sind Experten sowohl im Westen als auch in Russland einverstanden.

    „Die USA haben bereits fast vollständig die materielle Unterstützung für die Oppositionskräfte gestoppt und haben offenbar wenig Kontakt zu nichtkurdischen Gruppen“, sagte der Experte des Carnegie Middle East Center, Yezid Sayigh. „Ich glaube nicht, dass die USA eine reale politische Strategie in Bezug auf Syrien haben. Es ist deshalb unklar, wie sie ihre physische Präsenz im Osten nutzen können, um das Assad-Regime zu zwingen, die Bedingungen für eine konstruktive politische Regelung zu akzeptieren.“

    Anton Mardassow vom Russischen Rat für internationale Angelegenheiten verwies darauf, dass Donald Trumps Entscheidung zur Einstellung des CIA-Programms zur Unterstützung der syrischen Opposition ein Beweis dafür sei, dass die USA zu den Rebellen auf Distanz gehen wollen. „Die gesamte CIA-Unterstützung für die Opposition hatte das Ziel, das Assad-Regime unter Druck zu setzen. Angesichts dessen kann man sagen, dass die Amerikaner aktuell nicht die Opposition unterstützen, obwohl sie natürlich ihre Agenten und auch Instrumente haben, um auf dem von der Opposition kontrollierten Territorium zu handeln.“

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    Versuch, Strategie, Bekämpfung, Operation, Offensive, Position, Krieg, US-Administration, IS, Donald Trump, Türkei, USA, Russland