08:18 10 Dezember 2018
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    Weltwirtschaftsforum in Davos (Archiv)

    Russen erzählen in Davos von ihrem amerikanischen Traum

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Geschäftsleute aus den USA investieren weiterhin in die russische Wirtschaft. Demnächst sollen diese Verbindungen noch stärker werden. Diese ungewöhnliche Vision skizzierte der Chef des Russischen Fonds für Direktinvestitionen, Kirill Dmitrijew, beim Weltwirtschaftsforum in Davos, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ in ihrer Mittwochsausgabe.

    Dmitrijew sprach hinter den Kulissen des Forums nicht einfach über einen baldigen Investitionsboom, sondern konkret über US-Investitionen. Ihm zufolge ist demnächst eine wahre Blütezeit in den bilateralen Beziehungen zu erwarten, deren Wendepunkt das Petersburger Internationale Wirtschaftsforum Ende Mai sein soll.

    „Amerikanische Investoren zieht es zunehmend in die russische Wirtschaft“, sagte Dmitrijew. „Einige Dinge waren nicht öffentlich, sie nahmen aktiv am IPO von ‚Detski Mir‘, IPO von EN+ teil. Die aktive Teilnahme der US-Investoren setzt sich fort. Wir denken, dass das Petersburger Internationale Wirtschaftsforum zum Wendepunkt werden kann, dorthin wird eine große Geschäftsdelegation der USA reisen“, sagte Dmitrijew.

    Er berichtete außerdem von seinen anderen Erwartungen. So rechnet er damit, dass sich das Wachstum der russischen Wirtschaft in diesem Jahr auf mehr als drei Prozent belaufen wird. Anlass für diesen Optimismus lieferte die verbesserte Prognose von Goldman Sachs, der zufolge 2018 ein dreiprozentiges Wachstum der russischen Wirtschaft zu erwarten ist.

    VEB-Chef Sergej Gorjkow sprach in Davos ebenfalls von ambitionierten Plänen. „Am Rande der vierten Industrierevolution hat Russland einmalige Chancen, die Führungsrolle in drei vorrangigen Richtungen zu spielen – Blockchain, Quantum- und konvergente Technologien“, sagte Gorjkow.

    Das Motto des Forums in Davos lautet „Gemeinsame Zukunft in einer gespaltenen Welt“. Von einer Spaltung kann man nicht nur auf Grundlage der politischen Nachrichten, sondern auch nach dem Bericht der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung sprechen, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Investoren interessieren sich immer weniger für Projekte außerhalb der nationalen Wirtschaft. Die globalen ausländischen Direktinvestitionen gingen 2016 um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Solch ein Rückgang ist bereits seit zwei Jahren in Folge zu erkennen. Er ist vor allem mit dem Rückgang der Finanzströme in die Entwicklungsländer verbunden – gleich um 27 Prozent in der Jahresbilanz.

    Ein weiteres Beispiel für die Spaltung, die das enge Zusammenwirken mit US-Geschäftsleuten infrage stellt, ist die Situation um Microsoft. Nach Reuters-Angaben führten offizielle Microsoft-Distributoren nach der weiteren Runde antirussischer US-Sanktionen neue Einschränkungen für den Verkauf der Software für mehr als 200 Firmen in Russland ein.

    In Russland müssen Lieferanten oft mehrere Wochen bzw. Monate von der Absendung einer Rechnung bis zum Eingang der Zahlung warten. Das amerikanische Finanzministerium könnte die Verzögerungen bei der Zahlung als Schuldenfinanzierung und Verstoß gegen die Sanktionen bezeichnen, weshalb US-Unternehmen Geldstrafen und sogar Haftstrafen drohen.

    Wie der russische Kommunikationsminister Nikolai Nikiforow am Dienstag in Davos sagte, könnte die ganze Angelegenheit damit enden, dass Microsoft fast völlig den Markt in Höhe von mehreren Milliarden Dollar in Form von korporativen staatlichen Kunden in Russland verlieren wird.

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