19:17 24 Juni 2019
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    Eintladen eines Transportschiffes im westrussischen Hafen Kaliningrad (Archivbild)

    Ausrüstung aus dem Ausland stürmt nach Russland – adieu Importersatz?

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    Der Import von Ausrüstung nach Russland hat im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent zugelegt, schreibt die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“ am Montag. Die am schnellsten wachsenden Segmente: Schiffstechnik, Verkehrsjets, Nutzfahrzeuge.

    Der Rubel erstarkt, die Konjunktur springt an, die Nachfrage nimmt zu – so erklärt das russische Industrie- und Handelsministerium laut der Zeitung den kräftigen Zuwachs beim Ausrüstungsimport. Gestiegen sind die Einfuhren im Jahr 2017 um insgesamt 29 Prozent, wie das Blatt anhand statistischer Daten der russischen Zollbehörde FTS errechnet hat.

    Am stärksten gestiegen ist demnach die Nachfrage nach Nutz-, Wasser- und Luftfahrzeugen sowie nach Elektrogeräten und Verarbeitungsmaschinen. Der Rubel werde stabiler, die Inflation schwächer, „die Binnennachfrage steigt nach dem schwierigen Jahr 2016“, erklärt das russische Industrie- und Handelsministerium. Es handelt sich um ein „regenerierendes Wachstum“ – sprich: Die russische Wirtschaft erholt sich nach der Krise.

    Das Ministerium betont jedoch, dass diese Erholung nicht nur ausländischen Ausrüstungslieferanten zugutekomme. In einigen wichtigen Wirtschaftsbereichen sei der Import nur schwach oder gar nicht gestiegen.

    So wachse der Anteil russischer Schiffbauer auf dem Binnenmarkt konsequent weiter, weil der Staat die Finanzierung von Schiffen aus russischen Werften subventioniere.

    Und der Import von Ausrüstung zur Öl- und Gasförderung hat laut dem Ministerium „nur unwesentlich“ – um 3,75 Prozent – zugenommen und 4,15 Milliarden US-Dollar betragen.

    In der Tat schrumpft der Anteil des Imports am gesamten russischen Markt, wie die Zeitung schreibt. Im Krisenjahr 2016 war dieser um 0,7 Prozentpunkte größer – 2017 betrug er 52 Prozent.

    Ein anderes Beispiel: Der Import von Agrartechnik hat 2017 um 13 Prozent zugenommen. Gleichzeitig haben die russischen Hersteller von Landmaschinen aber 16 Prozent mehr ins Ausland exportiert, erklärt das Ministerium.

    Ein Marktkenner sagte der Zeitung: Die russischen Werke ausländischer Hersteller allein könnten die Nachfrage nach Land- und Baumaschinen nicht bedienen. Ihre Produktvielfalt sei eingeschränkt, so der Experte. Die russische Technik erfülle jedoch nicht immer die höchsten Kundenansprüche – vor allem wenn es um „optimale Produktivität, Zuverlässigkeit und niedrigste Betriebskosten“ gehe.

    Dabei sei gerade dieser Markt – also Land- und Baumaschinen – um 60 Prozent gewachsen, weil er stabiler werde und aufgeschobene Investitionen jetzt getätigt würden, sagte Sendzaki Masafumi, der Chef der Eurasien-Sparte von Hitachi, dem Blatt. Für den russischen Markt produziert der japanische Baumaschinenhersteller übrigens vor Ort, in einem Werk in der Stadt Twer (170 Kilometer nordwestlich von Moskau).

    Warum russische Airlines 2017 mehr Flugzeuge im Ausland gekauft haben, erklärt ein Marktkenner laut der Zeitung mit einem Investitionsstau. Eine größere Nachfrage nach internationalen Verbindungen sei jetzt schon abzusehen, also rüsten sich russische Fluggesellschaften dafür. Gekauft würden vor allem Mittel- und Langstreckenjets von Boeing und Airbus. „Auf kurze Sicht wird die Nachfrage anhalten“, so der Experte.

    Ein interessantes Bild zeigt der russische Automarkt, wie die Zeitung schreibt: Während die Einfuhren von Pkws zurückgehen (ausländische Hersteller produzieren für den russischen Markt größtenteils vor Ort), nimmt der Import von Nutzfahrzeugen zu. Die hohe Qualität ausländischer Lastwagen spreche für sich, erklärt der Sprecher einer russischen Logistikfirma.

    „Für viele Kunden stehen ausländische Lkws gleichsam für die Servicequalität einer Spedition.“

    Wie aber passt der Anstieg des Imports in wichtigen Wirtschaftsbereichen zum staatlichen Programm der Importsubstitution? Das Kernziel bestehe nicht darin, den Import an sich zurückzudrängen, sagte der Vize-Minister für Industrie- und Handel, Wassili Osmjakow, laut der Zeitung. Es gehe vielmehr darum, „die Einfuhren in kritischen Importsegmenten zu verringern“.

    Im Schiffsbau etwa – da müsse man keine Ausflugsdampfer und Jachten ersetzen, sondern „Öltanker, Fischerei- und Forschungsschiffe“. Allerdings könne noch mehr zur Förderung von Importsubstitution – also Importersatz – getan werden: „Günstigere Geldpolitik und Exportkredite zu vergünstigtem Zins wären sehr hilfreich“, so das Vize-Minister laut dem Blatt.

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    Ölförderung, Gaslieferungen, Agrarindustrie, Statistik, Zunahme, Ausrüstung, Import, Industrie- und Handelsministerium Russlands, Russland