07:03 20 April 2018
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    Ungleichheit bei der Einkommensverteilung: Warum die Eurozone gescheitert ist

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    Die Wirtschafts- und Währungsunion sollte laut ihren Architekten die makroökonomische Stabilität der EU, das BIP-Wachstum, den Einkommensausgleich der Bevölkerung der reichen und armen Länder sichern, Zinssätze senken, die Mobilität des Kapitals erhöhen und den Handel fördern. Allerdings ist es zu keiner realen Annäherung der Einnahmen gekommen.

    Wie es im IWF-Bericht heißt, hat die beschleunigte Vereinheitlichung der Zinssätze bei einer bleibenden Diskrepanz bei Inflationsrate und Arbeitsproduktivität negative Folgen nach sich gezogen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Mit dem Verzicht auf die Währungs- und Kredit-Souveränität wollten die Länder, die den Vertrag von Maastricht 1992 unterzeichneten, die Kosten der Anleihen und Transaktionen senken und eine größere Freiheit für den Handel, das Kapital und die Arbeitskräfte bekommen, heißt es weiter im IWF-Bericht. Doch trotz der Integrationserfolge waren viele Nationalregierungen nicht imstande, ein notwendiges Niveau der Haushaltsdisziplin zu erreichen und die erforderlichen Strukturreformen durchzuführen, was zum makroökonomischen Ungleichgewicht und einer größeren Kluft hinsichtlich der Arbeitsproduktivität im Rahmen der Union führte. Der positive Einfluss der Mobilität auf den Handel und die Arbeitsmärkte war schwach, die grenzübergreifenden Kapitalströme wurden bei einer niedrigen Finanzdisziplin hingegen zum destabilisierenden Faktor.

    Es wurde erwartet, dass sich die Preise für die wichtigsten Waren in den EU-Ländern wie auch die Inflationsrate mehr oder weniger angleichen werden. Eine Annäherung der Inflationsraten und Zinssätze war tatsächlich gleich nach der Euro-Einführung zu erkennen, doch die beschleunigte Vereinheitlichung der niedrigen Zinnsätze bei einem zwar nicht großen, aber ständigen Unterschied in der Inflationsrate verlangsamte den realen Ausgleich der Wirtschaften. Zurückbleibende Länder mit einer höheren Inflationsrate verloren dadurch ihre Konkurrenzfähigkeit und Wachstumsmöglichkeiten. Die Kapitalströme in weniger entwickelte Länder festigten die Zyklus-Schwankungen, wobei die Systemrisiken und die Kluft hinsichtlich der Arbeitsproduktivität größer wurden.

    Im Ergebnis kam es nicht zu einer realen Annäherung zwischen den „alten“ Mitgliedern der Währungsunion. Während das BIP in Deutschland schon fast das Vorkrisenniveau erreichte, wird es in Italien erst Mitte der 2020er Jahre der Fall sein. Das Wachstum des BIP und der Arbeitsproduktivität führte nicht zu einem Ausgleich der Einnahmen in reichen und armen Ländern.

    Die zunehmende Schere beim Realeinkommen bedroht laut dem IWF die soziale Stabilität und Geschlossenheit. Zur Überwindung der möglichen Schocks und zur Erhöhung der Wirtschaftseffizienz ist eine aktivere Politik erforderlich. Wichtige Schritte sollten dabei die Schaffung der Bankenunion und die stärkere Koordinierung der makroökonomischen Politik der Länder sein. Zudem müsse die EU die Haushaltsregeln revidieren, um die gegenzyklische Politik zu stärken, die Verwaltung der Einnahmen sowie den Abschluss Bildung einer Bankenunion und einer Union der Kapitalmärkte zu gewährleisten und Strukturreformen zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität durchzuführen. Da die Nationalregierungen einen schwachen Fortschritt in dieser Richtung zeigen würden, sei eine größere Koordinierung der Anstrengungen auf der Ebene der Eurozone erforderlich, so IWF-Experten.

    Die Empfehlungen des IWF entsprechen de facto der Roadmap zur Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsintegration innerhalb der Union, die von der EU entwickelt wurde. Sie sieht die Schaffung eines Europäischen Währungsfonds und die Einführung des Amtes eines gesamteuropäischen Wirtschafts- und Finanzministers, die Stärkung der Haushaltsdisziplin und die Unterstützung der Länder bei Strukturreformen vor.

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    Tags:
    Wirtschaft, Risiken, EU-Haushalt, BIP, Währung, Finanzkrise, revidieren, Inflation, Euro, IWF, Eurozone, EU, Europa