01:40 23 April 2018
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    Eine Frau im Hidschab (Archiv)

    Hidschab-Mode: Das Kopftuch erobert die Welt

    © AFP 2018 / MOHAMMED ABED
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    Es gibt wohl auf der Welt kein anderes weibliches Kleidungsstück, welches so viele Kontroversen hervorruft, wie der Hidschab. Wohl deshalb hat die muslimische Feministin Nazma Khan vorgeschlagen, den 1. Februar zum Internationalen Hidschabtag zu machen, schreibt die Online-Zeitung Gazeta.ru am Freitag.

    Das Ziel ist, den Menschen mehr Informationen über das Kopftuch bereitzustellen, das muslimischen Frauen dabei hilft, „bescheiden“ auszusehen.

    Werbeagenturen und Glamour-Medien in den Ländern, in denen die muslimische Bevölkerung in der Unterzahl ist, hatten bis zuletzt diesen Teil der potenziellen Käuferinnen aus ihrem Blickwinkel quasi ausgeschlossen. Aber in den 2010er-Jahren veränderte sich die Situation allmählich, und große Weltmarken achten inzwischen darauf, dass ihre Kleidung auch Menschen kaufen, für die es wichtig ist, „bescheiden“ auszusehen. Deshalb beschlossen sie, diesem Teil des Publikums Werbefiguren zu bieten, die ihnen nahe stehen.

    Den ersten Schritt in diese Richtung machte die schwedische Modemarke H&M: 2015 veröffentlichte sie einen Werbespot unter Teilnahme des Models Mariah Idrissi. Die damals 23-Jährige, die in London lebt, war von den Scouts einer Modelagentur auf Instagram entdeckt worden, wo sie ihre Fotos mit Kopftuch veröffentlichte.

     

    Schon 2014 hatte es im Internet viele Fotos von jungen muslimischen Frauen gegeben, von denen viele bald als „Fashion-Bloggerinnen“ galten. Mariah Idrissi war eine von denen, die ihre Karriere auf Instagram begannen und Verträge mit Modemarken abschließen konnten – und wurde das erste Model im Hidschab.

    Halima Aden ist eines der „bescheidensten“ Models, die aber kein Kopftuch trägt. Die gebürtige Kenianerin wanderte mit ihren Eltern in die USA aus. Die Welt erfuhr über sie 2016, als sie während des Schönheitswettbewerbs „Miss Minnesota“ den klassischen Bikini ablehnte und auf der Bühne im Burkini erschien. Bald wurde sie eingeladen, an der Präsentation von Yeezy Season 5, der Kollektion des Sängers Kanye West, teilzunehmen. Als sie auf dem Laufsteg erschien, rief sie großes Interesse beim Publikum hervor und wurde sehr populär. Jetzt ist Aden auf vielen Covers („Vogue“, „Allure“ usw.) zu sehen.

     

    Auch in Russland wurde im vorigen Jahr ein Versuch dieser Art unternommen: Auf dem Cover der Glamour-Zeitschrift „L’Officiel“ erschien ein Model im Kopftuch. Aber das russische Publikum zeigte sich eher skeptisch.

    US-Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad mit der neuen Barbie-Puppe
    © REUTERS / Andrew Kelly
    Und erst vor wenigen Tagen veröffentlichte die deutsche Firma Katjes eine neue Werbung für Halal-Süßigkeiten, die für Vegetarier und Muslime geeignet sind. Dabei wurde ein Model im Hidschab gezeigt. In Deutschland ist das Publikum eigentlich ziemlich gelassen in bezug auf muslimische Kleidung, aber einige  Proteste machten sich in sozialen Netzwerken breit. Die Firma musste darauf offiziell reagieren und erläuterte, dass die Werbung für alle Frauen bestimmt sei, die ihr Leben genießen, auch für junge muslimische Frauen.

    „Wir weisen zugleich nachdrücklich darauf hin, dass wir bei Katjes weder beleidigende Inhalte, Hass-Kommentare noch Beiträge mit einem fremdenfeindlichen Hintergrund tolerieren. Wir behalten uns vor, diese umgehend zu entfernen“, hieß auf der offiziellen Facebook-Seite der Firma.

    Auch die Firma L’Oreal sorgte unlängst für großen Wirbel: Die britische Bloggerin Amena Khan warb in einem Kopftuch für das Shampoo. „Ob Ihre Haare zu sehen sind oder nicht – es spielt keine Rolle, wie viel Zeit Sie für die Haarpflege brauchen“, so die Werbung.

    Nude colours 🧕🏽👌🏽 All my new scarf pics are now up on the site @pearldaisyltd 💋

    Публикация от Amena (@amenaofficial) Дек 24, 2017 at 1:36 PST

     

    Diese Werbekampagne war ohnehin aufsehenerregend, denn nicht allen gefiel die Idee, für ein Shampoo im Kopftuch zu werben. Aber noch viel schlimmer war, dass sich herausstellte, dass Amena Khan sich noch 2014 auf Twitter antiisraelische Äußerungen geleistet hatte. Das Model löschte umgehend die alten Beiträge und entschuldigte sich auf Instagram, aber auf die weitere Teilnahme an der Werbekampagne musste sie verzichten.

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    Tags:
    Burka, Kleidung, Hidschab, Mode, Frauen, Deutschland