03:33 13 November 2018
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    Türkische Truppen in Syrien (Archiv)

    Zweig der Zwietracht: Türkische Panzer spalten die Nato

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    Die USA und die Türkei hatten bereits früher Auseinandersetzungen in der Nahostpolitik – zunächst während des Konfliktes im Irak und danach in Syrien. Doch die türkische Operation Olivenzweig gegen Kurden in Afrin hat die Lage deutlich zugespitzt, schreibt das Portal „Gazeta.ru“ am Montag.

    Die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA „schweben am Abgrund“, wobei die Möglichkeit eines Konflikts zwischen ihnen ziemlich real sei, sagte Anthony Skinner, Analyst des britischen Consulting-Unternehmens Verisk Maplecroft, der Agentur Bloomberg. Dem Experten zufolge bleibt die Gefahr von beidseitigen Fehlern auf einem hohen Niveau bestehen.

    Wie beide Seiten behaupten, stünden die Türkei und die USA in ständigem Kontakt.

    Allerdings gebe es keine Anzeichen dafür, dass diese Gespräche die Schlüsselfrage gelöst hätten, die die beiden größten NATO-Armeen zu einem direkten Konflikt in Nordsyrien führen könnte.

    Der Pentagon-Chef James Mattis teilte am 2. Februar mit, dass die Zusammenarbeit mit der Türkei so gestaltet werden könne, dass die Unterstützung für die syrischen Kurden nicht gestoppt werden müsse. Seiner Meinung nach ist der Einsatz von US-Truppen für die Zusammenarbeit mit den kurdischen Milizen eine der Möglichkeiten, die Sicherheit der Türkei zu gewährleisten. „Wir sind davon überzeugt, dass sie im Falle der Präsenz unserer Truppen vor Ort Angriffe auf das türkische Territorium nicht unterstützen werden“, sagte Mattis.

    In Afrin habe sich eine operative Gruppe von russischen Militärs und Polizisten befunden, doch bereits am 20. Januar, nach den ersten türkischen Angriffen in der Region, hätte das russische Verteidigungsministerium aus Sicherheitsgründen ihre Verlegung an einen anderen Ort beschlossen. In Afrin gebe es keine US-Truppen, jedoch befänden sich welche in Manbidsch. Washington berichtete, dass es nicht dem Beispiel Moskaus folgen und somit keine Kräfte aus der Region abziehen werde.

    Die Türkei sehe in der kurdischen Enklave entlang ihrer südlichen Grenze eine direkte Bedrohung für ihre nationale Sicherheit und nehme die Kooperation der USA mit syrischen Kurden als Verrat wahr, meint der türkische Analyst Nihat Ali Ozcan. Deswegen bleibe das Risiko von gegenseitigen Angriffen von zwei Nato-Verbündeten so lange bestehen, bis eine der Seiten klein beigeben würde.

    Sollten die USA beschließen, den kurdischen Verbündeten in Afrin Luftschutz zu bieten, würden sie Flugzeuge von dem Nato-Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei starten. Dieser werde sowohl von amerikanischen, als auch von türkischen Militärs genutzt, so Business Insider.

    Bei allen Prozessen, die mit der Politik der USA und der Türkei in Syrien verbunden sind, habe die Nato de facto eine neutrale Position eingenommen und sich von der Syrien-Frage distanziert, so der Politologe Ruslan Mamedow. „Den USA und der Türkei wurde die Möglichkeit gegeben, in dieser Richtung selbstständig vorzugehen. Die ständigen Vorwürfe Ankaras trafen in Washington zwar auf Verständnis, doch das beeinflusste die Politik der USA nicht“, so der Experte.

    Das Hauptergebnis der vorherigen türkischen Operation “Schild Euphrats” in Syrien sei für Ankara die Verhinderung des Zusammenschlusses der kurdischen Gebiete Dschasira und Kobani im Nordosten Syriens mit dem Gebiet Afrin im Nordwesten gewesen. Die jetzige Operation Ankaras erfolge nach derselben Logik – zur Bekämpfung der kurdischen Bedrohung, so der Orientalist. Zudem würden solche Schritte die Rolle Ankaras im Kontext der Syrien-Regelung und der Zukunft des Landes festigen.

    „Ob das negativ für die USA ist? Die Kurden ziehen nun mit ihren Einheiten von den östlichen Gebieten nach Afrin. Diese Kombination von Umständen zerstreut die kurdischen Kräfte und schadet möglicherweise den US-Plänen in der Region. Denn die Amerikaner wollen die Kurden im Nordosten einsetzen und die Kurden Afrin schützen“, so Mamedow.

    Die zweitgrößte Nato-Kraft, die Türkei, greife jetzt natürlich die Positionen der USA an. Doch die Kurden Afrins seien für die USA eine Scheidemünze. Washington könne nur noch beunruhigen, dass der Anteil der kurdischen Einheiten von Kobani und Dschasira, die ihre Stellungen verließen und nun Afrin vor Ort schützen, den Amerikanern es nicht ermöglichen werde, ihre Politik im Osten Syriens zu verfolgen, so der Experte.

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    Tags:
    Sicherheit, Offensive, Truppen, Konflikt, NATO, James Mattis, USA, Syrien, Türkei