05:47 14 Dezember 2019
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    IOC-Sitzung in Pyeongchang

    IOC schert sich nicht um Gerichtsurteil

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    Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat es abgelehnt, 15 russische Athleten, die in der vergangenen Woche vor dem Internationalen Sportschiedsgericht CAS erfolgreich gegen ihre lebenslangen Olympia-Sperren geklagt hatten, bei den Spielen in Pyeongchang starten zu lassen. Dies berichtet die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Unter denen, die nun fast sicher nicht zu den Olympischen Winterspielen fahren werden, sind prominente Olympia-Sieger von Sotschi wie der Skeletonpilot Alexander Tretjakow und der Langläufer Alexander Legkow.

    Wie es in der IOC-Pressemitteilung hieß, hat die Kommission zwar den CAS-Beschluss zur Kenntnis genommen, kennt jedoch nicht vollständig seine Begründung und hält deswegen den Dopingverdacht gegen diese Sportler aufrecht. IOC-Präsident Thomas Bach zufolge muss der CAS reformiert werden, damit das Gericht eine höhere Qualität und Kontinuität vorweisen kann.

    Es gab bereits Fälle, als der CAS-Beschlüsse zugunsten der russischen Sportler traf. So sperrte der Internationale Schwimmverband die Russin Julia Jefimowa vor den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 wegen eines alten Doping-Vergehens. Doch der CAS verwies darauf, dass ein Mensch nicht zweimal für ein Vergehen bestraft werden darf. Jefimowa reiste zu den Spielen.

    Das IOC akzeptierte diesen Beschluss. Allerdings wurden die Entscheidungen über die Einladung der Athleten damals nicht vom IOC, sondern von den internationalen Verbänden getroffen. In Pyeongchang entscheidet das IOC selbst über die Einladungen.

    Die Olympische Charta verpflichtet das IOC nicht zur automatischen Annahme der CAS-Beschlüsse. Dort heißt es nur, dass der CAS der einzige Gerichtshof ist, an dem Klagen bezüglich der Olympischen Spiele eingereicht werden können. Das IOC bezeichnet sich selbst in den meisten Fällen als oberste Instanz.

    Doch der jetzige CAS-Beschluss sorgte für großes Aufsehen. Es hat den Anschein, dass das IOC einer unabhängigen Institution keinen Glauben schenkt, dessen Rechtshoheit es selbst anerkennt. Es vermittelt den Eindruck, dass das Internationale Olympische Komitee beschlossen hat, die russische Führung und die Sportler um jeden Preis zu bestrafen. Oder ist es tatsächlich an der Wahrheit interessiert? Offenbar vertraut das IOC keiner Institution.

    Das IOC hat dem russischen Shorttracker Wiktor Ahn, dem Biathleten Anton Schipulin und dem Langläufer Sergej Ustjugow die Teilnahme an den Winterspielen verweigert. Niemand von ihnen war in Doping-Skandale verwickelt – weder in Sotschi noch zuvor. Sie nehmen regelmäßig an internationalen Wettbewerben teil. Sie werden permanent auf Doping getestet – und zwar nicht vom Moskauer Dopingkontrolllabor, sondern von WADA-Strukturen. Also passt auch diese Institution dem IOC nicht. Der einzige Mechanismus, um die Wahrheit festzustellen, ist also, dem inneren Gefühl der IOC-Führung zu folgen.

    Das IOC muss zu den Olympischen Spielen keine Sportler einladen, die er dort nicht sehen will. Doch es geht nicht um irgendeine kleine Sportveranstaltung, es geht um ein globales Sportereignis und das öffentliche Image der an diesem Streit Beteiligten.

    Die Eisschnellläufer Denis Juskow und Pawel Kulischnikow wurden nicht zu den Spielen eingeladen, weil sie früher bereits wegen eines Dopingfalls bestraft worden waren. Im Fall Jefimowa, als der internationale Schwimmverband sie sperren wollte, bezeichnete der CAS diesen Beschluss als illegal, und das IOC stimmte zu. Diesmal sperrt das IOC die Sportler aus demselben Grund. Die Sportler werden also zum zweiten Mal für ein Vergehen bestraft.

    Russland wird oft wegen Manipulationen von Rechtsvorschriften und fehlender unabhängiger Institutionen kritisiert. Doch man sieht in Gestalt des IOC nicht eine russische, sondern eine internationale Organisation, die nicht der Logik des Rechts folgen will.

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    Tags:
    Sportler, Beschluss, Entscheidung, Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang, CAS, WADA, IOC, Südkorea, Russland