20:38 20 Februar 2018
SNA Radio
    New York-Börse

    US-Börsenbeben ist das Machwerk von Algorithmen

    © REUTERS/ Brendan Mcdermid
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Gazeta.ru
    81518

    Nach dem Kurssturz zu Beginn dieser Woche erholen sich die US-Aktienmärkte allmählich wieder, schreibt das Portal Gazeta.ru am Donnerstag.

    Während sich die Indexe derzeit wieder in der „grünen Zone“ befinden, versuchen Experten, das Geschehene zu begreifen. Laut einer Version konnte der dramatische Kursrutsch durch zu günstige Kennzahlen vom Arbeitsmarkt provoziert worden sein, die in Zukunft zur Verschärfung der Politik der US-Notenbank Fed führen könnten. Allerdings erklärt diese Version diesen rasanten Kurssturz nicht. Analysten zufolge könnte es mit robotisierten Algorithmen zusammenhängen.

    Am Montag herrschte in den USA wahre Panik – die Indexe verloren zwischen vier und fünf Prozent. Es war der höchste Verlust seit 2011. Auffallend ist, dass der US-Leitindex Dow Jones 1175 Punkte verlor – das war die stärkste Abwärtsbewegung in der Geschichte der US-Aktienmärkte seit 1896. Die reichsten Menschen der Welt verbuchten an diesem Tag milliardenschwere Verluste. Die Panik dehnte sich auch auf andere Märkte aus und erreichte europäische und asiatische Börsen.

    Nun stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte. Fondsexperten untersuchen die möglichen Ursachen. Bis zum Wochenende werde der US-Aktienmarkt das Geschehene der letzten Tage analysieren, so Analyst Stanislaw Werner.

    Laut dem Analysten von Loko-Invest, Kirill Tremassow, erfolgte der Kurssturz vor dem Hintergrund der günstigen Kennzahlen der US-Wirtschaft. So wurden vor dem Wall-Street-Beben Angaben über ein starkes Lohnwachstum in den USA veröffentlicht. Die Zahl der neuen Arbeitsstellen stieg im Januar um 200.000, die Arbeitslosenquote bleibt auf dem minimalen Niveau seit Dezember 2000 – 4,1 Prozent.

    Einer der möglichen Gründe ist Experten zufolge die Tatsache, dass statistische Angaben über die Löhne in den USA den Fed zu einer drastischen Erhöhung der Zinssätze bewegt, was auch die anschließende Verteuerung der Kredite nach sich ziehen wird.

    Als weitere Gründe gelten unter anderem auch das Misstrauen der Investoren in die Politik von US-Präsident Donald Trump und seine aggressive Rhetorik  gegen die Geschäftswelt sowie eine psychologische Reaktion der Investoren, die nach einem langen Wachstum auf einen Absturz gewartet hatten.

    Mehrere Analysten machen überhaupt Roboter für das Geschehene verantwortlich. „Wir wirken mit unseren Kunden zusammen und erklären ihnen, dass ein Absturz um 1600 Punkte innerhalb eines Tages eher mit Algorithmen als mit Makroereignissen und Menschen zusammenhängt“, sagte der Broker von Ulin&Co Wealth Management, Jon Ulin.

    „Hinter solch einem explosiven Fall stehen Maschinen“, sagte Tom Svensson von Fidelity Personal Investing.

    Algorithmen sind auf eine bestimmte Reaktion auf unzählige Situationen eingestellt. So könnte ein Algorithmus so eingestellt sein: Fällt der Dow-Jones-Index um fünf Prozent, wird verkauft, um Verluste zu verhindern. Falls es mehrere solche Maschinen gibt, werden sie gleichzeitig verkaufen, was zu einem weiteren Rückgang führt, sagte Analyst Piers Curran von Amplify Trading.

    „Der Algorithmus-Handel wird seit den 2000er Jahren aktiv auf den Fondsmärkten angewendet, diese Entwicklungen werden weltweit genutzt. So genannte Handelsroboter sind Software, die nach einem Algorithmus nach Positionen sucht, Aktiva billiger zu kaufen und teurer zu verkaufen, manchmal erfolgt das binnen einer Sekunde, manchmal sogar schneller. Wegen dieser großen Geschwindigkeit wächst die Volatilität und die Korrektion“, sagte Analyst von BROKER, Alexej Antonow.

    „Der panische Ausverkauf und die teilweise Wiederherstellung wurde wohl durch Algorithmen ausgelöst. Vor rund einem Jahr war eine ähnliche Situation mit dem Kurs der britischen Währung zu erkennen“, stimmte Jewgeni Wolkow von RosEuroBank zu.

    Allerdings werden die Roboter in der nächsten Zeit wohl keine Chancen bekommen, einen ähnlichen Absturz zu verursachen, so Experten. Das Wachstum der US-Aktienmärkte wird mindestens noch ein Jahr andauern, so lange die monetäre Politik des Fed nicht verschärft wird, so Antonow.

    Zum Thema:

    „Das ist schrecklich“: „Russische Hacker“ machen langjährige Arbeit der USA zunichte
    Wirbel um Kreml-Bericht: Wann holen die USA zum ersten Schlag aus?
    Warum wagen die USA keine Sanktionen gegen Chinesen? Moskau erklärt
    Tags:
    Investoren, Misstrauen, Panik, Absturz, Börsen, Donald Trump, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren