18:26 19 September 2018
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    B-47 Stratojet

    Kann doch mal passieren: US-Bomber verliert Kernwaffe über Kleinstadt

    © Foto: National Nuclear Security Administration / Nevada Site Office
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    Die Boeing B-47 Stratojet war ein echter Pechvogel. Im Kriegseinsatz war diese Maschine nie, ihre Bomben warf sie trotzdem mehrmals ab – aus Versehen. So auch am 11. März 1958 über der Siedlung Mars Bluff in South Carolina. Der Sprengkörper hinterließ einen riesigen Krater unweit eines Einfamilienhauses. Die Onlinezeitung „Gazeta.ru“ berichtet.

    Der 37-jährige Zugschaffner Walter Gregg bastelte an jenem Nachmittag mit seinem Sohn eine Sitzbank in der Heimwerkstatt, während seine Frau mit dem Haushalt beschäftigt war. Ihre kleinen Töchter Helen und Frances spielten in einem Holzhäuschen, das ihr Vater für sie gebaut hatte.

    Da hörten sie, wird Gregg der lokalen Presse später sagen, dass ein Flugzeug über ihnen vorbeiflog. Nur wenige Sekunden später erschütterte eine heftige Explosion das Haus. Alles um sie herum bebte.

    Um die Zeit flog eine Boeing B-47 Stratojet in 4.700 Metern Höhe über der Kleinsiedlung. Gestartet war der Düsenbomber der US-Luftwaffe unweit von Savannah im Bundesstaat Georgia. Die Piloten nahmen Kurs auf einen Fliegerhorst in Großbritannien. An Bord der Maschine: Eine 30-Kilotonnen-Atombombe vom Typ Mk.6 – damals die Hauptwaffe der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten.

    Plötzlich leuchtete im Cockpit der Piloten ein Warnlämpchen auf, das einen Defekt an der Haltevorrichtung der Bombe anzeigte. Der Flugkapitän befahl seinem Waffenoperator Bruce Kulka, den Sicherungsstift an der Bombe zu überprüfen. Kulka stieg in den Bombenschacht hinab, konnte den Stift jedoch nicht finden; er stieg auf die Startvorrichtung, um danach zu suchen, und löste diese unwillentlich aus…

    Kulka selbst konnte sich noch festhalten, die Bombe aber durchschlug die Ladelücke des Bombenschachts und raste in die Tiefe, direkt auf das Haus der Greggs zu. Das Geschoss fiel in der Nähe des Holzhäuschens nieder, in dem die Töchter Helen und Frances gerade noch gespielt hatten.

    Eine Detonation riss einen zehn Meter tiefen und 20 Meter breiten Krater in den Boden: Der Sprengstoff der Bombe war explodiert. Doch Mars Bluff hatte Glück im Unglück: Die Kleinstadt wäre dem Erdboden gleichgemacht worden, wäre nicht der glückliche Umstand gewesen, dass der nukleare Sprengkopf zwar im selben Flugzeug, aber von der Bombe getrennt transportiert wurde.

    Den Hof, das kleine Holzhäuschen und einige andere Bauten gab es nach der Explosion jedoch nicht mehr. Bis zu den benachbarten Häusers und der Kirche flogen deren Trümmer.

    Überall war Staub und Rauch. „Ich konnte auf Armeslänge nichts erkennen“, sagte Gregg nach dem Unglück. „Das Einzige, was mir in den Sinn kam, war, dass das Flugzeug abgestürzt ist.“ Auf der Suche nach Frau und Töchtern lief er in den Hof.

    Er selbst blutete, auf seiner rechten Körperseite klaffte eine tiefe Wunde. Was ihn aber am meisten beunruhigte, war der Gastank an der Hauswand, der jederzeit explodieren konnte. Er hörte die Schreie seiner Frau und der Mädchen.

    „Das kann man nicht beschreiben“, sagte Greggs Sohn Walter jr. „Der Lärm war gewaltig, überall nur Staub.“ Als der Staub sich etwas gelegt hatte, fand Gregg seine Familie – sie kam mit Schürfwunden und Blessuren davon.

    Bald nach der Explosion versammelten sich Greggs Nachbarn um die Trümmer herum. Ein Korrespondent des Lokalblattes war mit vor Ort. Auch die für das Unglück Verantwortlichen fanden sich bald ein: Die Luftwaffe hatte Soldaten angewiesen, den Unglücksort unverzüglich abzusperren.

    Die Militärs mussten noch lange danach die Bombensplitter aufsammeln. Sie mussten sogar die Einwohner auffordern, ihnen die Splitter auszuhändigen, die sie als Andenken mit nach Hause genommen hatten.

    Das Unglück veranlasste die US-Luftwaffe, die Konstruktion ihrer Bomben zu überdenken. So wurde die chemische Zusammensetzung des Sprengstoffs verändert, damit kein Aufschlag, sondern nur ein elektrischer Impuls die Explosion auslösen konnte.

    Die Crew der Unglücksmaschine entschuldigte sich bei der Familie und entging einer Strafe. Die Greggs aber mussten noch lange Zeit um den Schadensersatz kämpfen: Nach rund eineinhalb Jahren und einer gerichtlichen Auseinandersetzung erhielten sie von der Air Force endlich eine Entschädigung in Höhe von 54.000 Dollar – nach heutigem Wert eine halbe Million.

    Der Krater von der Explosion ist übrigens bis heute geblieben. Eine Gedenktafel erinnert an das Unglück, bei dem die Greggs so viel Glück gehabt hatten.

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    Tags:
    Tragödie, Zivilisten, Einsatz, Bombe, Atomwaffen, B-47, USA