09:16 22 Juni 2018
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    Brandanschlag auf türkische Moschee in Berlin

    Deutschlandweit Angriffe auf Moscheen: Mobilmachung gegen „verlängerten Arm Ankaras“?

    © REUTERS / Axel Schmidt
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) verlangt von den deutschen Behörden, die Sicherheit von muslimischen Gebetshäusern sicherzustellen, nachdem im Berliner Stadtteil Reinickendorf am 11. März eine Moschee in Brand gesetzt wurde. Darüber schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Niemand ist dabei zwar zu Schaden gekommen, aber das Gebäude brannte komplett aus. Die Ditib führte an, dass dies bereits die 24. Attacke auf Moscheen in Deutschland innerhalb von zwei Monaten gewesen sei.

    Dabei war der Angriff in Berlin keine Einzelaktion: Am selben Tag wurde ein Flüchtlingslager in Meschede (Nordrhein-Westfalen) mit Brandflaschen beworfen, und zwei Tage davor war eine Moschee in Lauffen (Baden-Württemberg) in Brand gesteckt worden. Dabei ist jedoch ein Umstand wichtig: Nicht nur die Ultrarechten in Deutschland halten die Muslime von der Ditib für ihre Feinde.

    Nach Angaben des Bundesinnenministeriums waren im vorigen Jahr insgesamt 950 Straftaten gegen Moscheen bzw. Muslime registriert worden, die durch Hass bedingt waren. Es fanden 90 Kundgebungen von Ultrarechten statt, die zum Stopp der „Islamisierung“ der Bundesrepublik aufriefen. (Pegida-Aktionen wurden dabei nicht berücksichtigt.)

    Die Ditib besteht seit dem Jahr 1984 als Abteilung der türkischen Verwaltung für die Angelegenheiten der Religionen (Diyanet). In Deutschland kontrolliert sie insgesamt 900 Moscheen, doch in letzter Zeit ruft ihre Nähe zu den türkischen Behörden Besorgnisse in Berlin hervor. So wurden im Frühjahr 2017 die Wohnungen bzw. Häuser mehrerer Ditib-Imame durchsucht, und zwar wegen vermutlicher Spionage für die Türkei. Und als die Ditib den türkischen Militäreinsatz im syrischen Afrin unterstützte, wurde quasi offensichtlich, dass sie „der verlängerte Arm Ankaras“ ist.

    Am 11. März kam es am Flughafen Düsseldorf vor dem Hintergrund der Brände in Moscheen zu Auseinandersetzungen zwischen den Kräften, die die syrischen Kurden unterstützen, und den Türken. Die Polizei musste eingreifen. Pro-kurdische Aktionen fanden am selben Tag auch in Berlin, Kiel, Saarbrücken und Kaiserslautern statt.

    Die türkischen und kurdischen Verbände in Deutschland hatten bereits im Januar gegenseitige Vorwürfe ausgetauscht. Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) warnte in einer Erklärung, dass politisch motivierte Brände in Moscheen die deutsche Gesellschaft in einen für sie fremden Konflikt verwickeln. Der türkisch-kurdische Konflikt wurde dabei zwar nicht erwähnt, aber türkische Medien warfen die Angriffe auf deutsche Moscheen den „Terroristen der PKK“, der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei, vor.

    Derselben Auffassung zeigte sich auch das türkische Außenministerium, das am 11. März die Bundesregierung zur „Null-Toleranz“ gegenüber den Kräften aufforderte, die hinter den Brandstiftungen in Moscheen stehen. Und der Ehrenpräsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände (BAGIV), Mehmet Tanriverdi, der ethnischer Kurde ist, erklärte seinerseits in einem Interview, dass in Ditib-Moscheen, die teilweise aus dem deutschen Haushalt finanziert werden, für den ruhmreichen Sieg und Tod durch den Heiligen Krieg – Dschihad – gebetet werde.

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    Tags:
    Rassismus, Hass, Muslime, Angriffe, Konflikt, Kurden, Europa, Syrien, Türkei, Deutschland
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