13:03 15 August 2018
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    Start einer Trident-II-Rakete vom US-amerikanischen Atom-U-Boot USS Tennessee (Archivbild)

    Ein „rettender“ Sprengkopf: Lokaler Atomkrieg als Schutz vor Russland?

    © AP Photo / Phil Sandlin
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    Die US-Militärstrategen machen sich weiter stark für das Einsatzkonzept verkleinerter Kernwaffen. Demnach sollen die seegestützten Marschflugkörper Trident II mit nuklearen Sprengköpfen von „geringerer“ Sprengkraft bestückt werden. Der US-Kongress, dessen Zustimmung das Pentagon braucht, um das Programm zu starten, ist noch skeptisch …

    Man setze kleinere, taktische Kernwaffen frühzeitig in einem begrenzten Gebiet ein, um den Feind zum Rückzug zu zwingen. Entschärfung durch Verschärfung also – so lässt sich das Pentagon-Konzept auf den Punkt bringen.

    Die „abgeschwächte“ Variante des nuklearen Sprengkopfs für die Trident-II-Rakete soll laut dem Pentagon-Plan auf der Basis bereits vorhandener Technik entstehen. Dafür könnte laut einer Reihe von US-Experten der Gefechtskopf W76 von 100 auf fünf bis zehn Kilotonnen Sprengkraft „abgelastet“ werden. Sollte der Kongress dem Programm zustimmen, würden dafür 48,5 Millionen Dollar bis 2023 – der Großteil davon bis 2020 – zur Verfügung gestellt.

    Diese Strategie der „Entschärfung“ birgt ein gewaltiges Risiko in sich. Denn der Start einer Trident-Rakete löst beim Gegner einen Alarm höchster Stufe aus und setzt die ganze Kette der Gefechtssteuerung der strategischen Nuklearkräfte in Gang. Wie soll denn auch eine Trident mit einem „Mini“-Sprengkopf von einer strategischen Trident mit einem „vollwertigen“ atomaren Gefechtskopf unterschieden werden?

    Was das Pentagon mit seinem Konzept „kleinerer“ Kernwaffen vorantreibt, ist also zumindest die Möglichkeit einer Eskalation bis hin zum totalen Atomkrieg. Von einer lokalen Abschreckung kann hierbei keine Rede sein, erst recht nicht von einer Entschärfung. Vielmehr kann dieses Einsatzkonzept getrost als destabilisierend gewertet werden.

    Diese dem Pentagon-Konzept zugrundeliegende Gefahr wirft offenbar auch im US-Kongress Fragen auf. Bei einer Anhörung im Rüstungsausschuss des Senats letzte Woche antworteten die US-Strategen etwas einfältig, der Start einer oder zweier Tridents könne keinen Anlass zum nuklearen Schlagabtausch liefern. Wer dies in der angespannten Situation eines militärisch-politischen Konflikts garantieren soll, ließ das Pentagon aber offen.

    Eine Alternative gibt es, aber…

    Die US-Militärs behaupten, sie würden mehr Möglichkeiten zur Eindämmung Russlands benötigen, weil sie auf den Einsatz taktischer Kernwaffen vonseiten Moskaus nicht mit dem strategischen Atomwaffenarsenal reagieren wollten. Das ist doch wunderbar. Doch sind die bereits erwähnten Gefechtsköpfe W76 mit einer Sprengkraft von 100 Kilotonnen etwa die kleinsten, die den US-Amerikanern zur Verfügung stehen?

    Mitnichten. Im Dienst der US-Armee stehen bereits mindestens zwei Systeme mit geringerer Sprengkraft: Der luftgestützte Flugkörper AGM-86/ALCM (Sprengkraft variabel zwischen 5 und 150 kt) und die taktische Atombombe B61 in ihrer Typenvielfalt, die bald durch die modernisierte Variante B61-12 mit 0,3 bis 50 Kilotonnen Sprengkraft ersetzt werden soll.

    Deshalb die Frage: Was hindert das Pentagon daran, diese Waffenmuster in seine Abschreckungsstrategie einzubinden? Das US-Militär gibt das offen zu: Beim Einsatz einer AGM-86/ALCM oder einer B61 kann nicht garantiert werden, dass deren Sprengköpfe auch ins Ziel gehen – das Hindernis ist die russische Flugabwehr. Eine Trident können die russischen Flugabwehrsysteme S-300 und S-400 hingegen nicht abfangen, weil sie für den Einsatz gegen Mittelstreckenwaffen konzipiert wurden.

    Und außerdem: „Russland verfügt über mindestens elf Systeme zum Einsatz von Kernwaffen geringerer Schlagkraft. Wir hingegen haben im Grunde nur eins: Flugzeuge“, sagte John Hyten, Oberbefehlshaber des US Strategic Command, letzte Woche.

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    Tags:
    Modernisierung, Entwicklung, Atomwaffen, Nuklearschlag, S-400, S-300, Trident-II-Rakete, STRATCOM, US-Kongress, Pentagon, Russland, USA
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