12:04 17 Juli 2018
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    Die Sprecherin des US-Außenministeriums Heather Nauert

    Drei mögliche Erklärungen für plötzliche Geistesschwäche westlicher Partner Russlands

    © AFP 2018 / Mandel Ngan
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    Dass die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, Russland offiziell als Ungeheuer aus der Tiefsee bezeichnet hat, führt angesichts anderer Ereignisse in der letzten Zeit zu der Frage: Was ist nur mit unseren westlichen Partnern los? Das ist keine rhetorische Frage, wie die Onlinezeitung „Gazeta.Ru“ schreibt.

    Auf die Tagesordnung wird de facto die Frage des intellektuell-psychischen Zustandes des Westens gebracht. Nicht eines einzelnen Vertreters, wenn auch eines hochrangigen, sondern des Westens als System, vor allem des angelsächsischen Teils.

    Es ist nichts Verwunderliches daran, wenn äußerst bedeutende Staatsämter (darunter die höchsten) von grundsätzlich nicht dafür geeigneten Politikern bekleidet werden, die nicht imstande sind, die entsprechenden Verpflichtungen zu erfüllen – unprofessionell, dumm, verrückt.

    Doch in den vergangenen Jahrtausenden schuf die Menschheit ein System mit Schutzvorrichtungen, die verhindern, dass die Aktivitäten solcher Personen diesem System einen kritischen Schaden zufügen oder es ins Verderben führen.

    Dabei sind Situationen möglich, in denen das System selbst massenweise Menschen zusammenbringt, die es im Ergebnis vernichten werden. Ein klassisches Beispiel sind die Sowjetunion und die sowjetische Elite.

    Zugleich ging die sowjetische Elite im Prinzip ziemlich rationell vor, weil sie an der Zerstörung des alten Systems zur Privatisierung seiner Aktiva interessiert war. Zudem zeigte diese Elite auch Vernunft bei der Lösung zahlreicher innerer und außenpolitischer Fragen beim Zerfall der Sowjetunion, darunter Staatsschulden und Atomwaffen.

    Damit war die spätsowjetische Elite in bedeutendem Ausmaß verräterisch und verfügte über keine strategische Vision, doch im Ganzen war sie ziemlich professionell und verhielt sich angemessen, was konkrete Themen und Fragen betraf.

    Doch westliche Eliten, vor allem britische und amerikanische, zeigen in letzter Zeit ein Verhalten, das äußerst unannehmbare Fragen aufwirft.

    Das Problem besteht doch nicht darin, dass die Briten Anlässe für einen neuen Kalten Krieg mit Russland nutzen. Das Problem besteht darin, dass zu diesem Anlass der Fall Skripal wurde, der so wahrheitsfremd ist, dass es einfach peinlich ist, das alles zu beobachten.

    Die Engländer haben einen guten Begriff für einen solchen verwirrten Zustand durch Handlungen eines anderen Menschen – „secondhand embarrassment“.

    Das Problem besteht doch nicht darin, dass Washington und London ihre europäischen Partner-Satelliten zu diplomatischen Demarche-Aktionen gegen Moskau gezwungen haben. Das Problem besteht darin, dass dies unter Deckung eines sechsseitigen Dokumentes von sehr schlechter Qualität gemacht wurde.

    Das Problem besteht nicht darin, dass die Amerikaner eine scharfe antirussische Rhetorik zum Erreichen ihrer außenpolitischen Ziele nutzen, sondern dass sie solche Formulierungen wie „Ungeheuer aus der Tiefsee“ wirklich gebrauchen – und zwar nicht in Propaganda-Medien bzw. Karikaturen, sondern vom offiziellen Rednerpult des Außenamtes.

    Die Situation wird dadurch verschlimmert, dass die Welt tatsächlich in einer globale System-Krise steckt, bei der uns schwerste Herausforderungen und Probleme bevorstehen, von deren Ausgang ihr Schicksal abhängt.

    Die Schwierigkeiten Großbritanniens sind klar – die schwere Scheidung von der EU, sich anhäufende innenpolitische Probleme, die zugespitzte historische Wunde in Form Russlands, das seinen Großmachtstatus zurückgewonnen hat, u.a.

    Doch der Fall Skripal als Lösung – mit der öffentlichen Zurschaustellung der Regierungschefin, des Außenministers und des Verteidigungsministers als Idioten – das kann kaum rationell begriffen werden und erfordert das Heranziehen von psychologischen oder sogar Verschwörungstheorien.

    Die Klärung des realen Zustandes des westlichen Systems und seines Niveaus ist nicht einfach Neugier, sondern eine dringende Aufgabe.

    Sollten unsere Partner noch einen gesunden Verstand und einfach beschlossen haben, zum Erreichen ihrer Ziele als Dummköpfe aufzutreten, ist das eine Variante, bei der bestimmte Herangehensweisen beim Zusammenwirken mit ihnen erforderlich sind.

    Sollte es so sein, dass es in der westlichen politischen Elite zu umfassenden Fehlbesetzungen bei der Auswahl des Personals gekommen ist, woraufhin das Niveau der Intelligenz und des Professionalität deutlich abgenommen hat, dann ist das eine andere Sache.

    Doch es gibt auch eine dritte Variante, bei der der Qualitätsschwund beim politischen Personal im Westen ein solches Niveau erreicht hat, dass das System im Prinzip handlungsunfähig wird. Eine solche Variante erfordert ein ganz besonderes Herangehen bei den Beziehungen, vor allem angesichts der Tatsache, dass es um die geopolitische und wirtschaftliche Aufteilung der Welt geht und die Hauptakteure als Argumente unter anderem Atomwaffen haben.

    Die dritte Variante drängt sich angesichts der letzten Ereignisse zunehmend auf.

    Die große Politik ist bösartig und grausam. Doch die Welt überlebte in ihrer bisherigen Geschichte gerade unter solchen Umständen und hat es sogar geschafft, sie zu verstehen und anzunehmen.

    Dennoch muss die Welt anscheinend nun klären, was wird, wenn ihr Schicksal von verrückten Systemen bestimmt wird.

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    Hysterie, Gründe, Russophobie, US-State Department, US-Außenministerium, Heather Nauert, Westen, Europa, Großbritannien, USA, Russland
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