05:48 23 Oktober 2018
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    Ewiger Prügelknabe wird Russland nicht bleiben

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    Stellen Sie sich eine Armee vor, deren Führung nicht weiß, gegen wen und mit welchen Mitteln sie kämpfen soll. Eine Zeit lang war das der Zustand der russischen Streitkräfte, weil Russlands Strategen sich in der Grundsatzfrage des potentiellen Gegners des Landes nicht festlegten. Nun ist die Zeit der Ungewissheit vorbei.

    Der russische Generalstabschef, Waleri Gerassimow, hat neulich über Russlands Sicht auf die Weltlage gesprochen. Es war ein Vortrag, der durch präzise Urteile und klare Konsequenzen auffiel. So sagte Gerassimow: „Heute wird die militärpolitische Lage in der Welt maßgeblich durch das Streben der Vereinigten Staaten beeinflusst, den Verlust der globalen Führungsrolle zu verhindern und die monopolare Welt mit allen Mitteln – auch militärischen – zu erhalten. Dies läuft den Ansichten etlicher Staaten zuwider – auch Russlands, das kein Diktat akzeptiert und sich für eine gerechte Weltordnung einsetzt.“

    Von diesem „zwischenstaatlichen Widerstreit“ seien alle Lebensbereiche erfasst: Politik, Wirtschaft, Information und selbst Wissenschaft, Sport und Kultur. Es sei eine „totale Rivalität“.

    Dass der geopolitische Konflikt auf alle Räume des heutigen Lebens ausgeweitet wird, sollte nicht überraschen. Dies ist nur eine Folge dessen, dass die Vereinigten Staaten ihr Russland-Problem mit traditionellen Mitteln – dem Einsatz von Gewalt, die sie bei sonstigen „aufmüpfigen“ Staaten anwenden – nicht lösen können.

    Also setzt der Westen andere Hebel in Bewegung: Ungeheure Anstrengungen werden unternommen, um Russland international zu isolieren, die russischen Integrationsprojekte auf eurasischem Raum zu zerstören und langjährige Partner von Russland abzuspalten.

    Dieser Kampf verläuft mit wechselndem Erfolg. Die internationalen Fortschritte des russischen Präsidenten lassen sich ja nicht übersehen und auch nicht die innere Konsolidierung der russischen Gesellschaft, die das Ausmaß der Bedrohung offensichtlich richtig einschätzt. Es lässt sich aber auch nicht leugnen, dass die eurasische Integration ins Stocken geraten ist. Und natürlich kann nicht ignoriert werden, dass der Westen auf hinterhältige Weise einen mit Russland historisch tiefverbundenen Raum besetzt hat: die Ukraine.

    Momentan konzentriert sich der Gegner darauf, das Erreichte zu zementieren und zugleich weitere Keile zwischen Russland und seine Nachbarn zu treiben.

    Im Wirtschaftsbereich nutzt der Westen in vollem Maße Russlands Ausrichtung auf die Rohstoffgewinnung aus, die dem Land in den Neunzigerjahren als wirtschaftliches Entwicklungsmodell eingeredet wurde. Durch Manipulationen auf westlich kontrollierten Weltmärkten kann der Gegner den Zustand der russischen Wirtschaft negativ beeinflussen.

    Es ist ja wahr, dass Russlands Wirtschaftsleistung nach dem Ausbruch der Ukraine-Krise infolge des angeblich spontanen Ölpreisverfalls um ein Viertel (rund 500 Milliarden Dollar) einbrach. Der Einwand, dass dieser „Preisrückgang“ durch die unsichtbare Hand des Marktes gesteuert werde, kann nicht erklären, warum die unsichtbare Hand immer dann zuschlägt, wenn Russland so dreist ist, sich dem Westen zu widersetzen.

    Was für den Westen auf dem Spiel steht, ist schließlich der Erhalt der Weltherrschaft, wozu auch gehört, Russland erneut auszurauben. Angesichts der Wichtigkeit dieser Aufgabe können dann auch zeitweise Verluste in Kauf genommen werden – kurzzeitige Gewinneinbußen bei der Schiefergasförderung in den USA oder fehlende Milliarden in der Staatskasse Saudi-Arabiens zum Beispiel.

    Solange der Export von Energieressourcen in den geopolitisch feindlichen Westen für die Stabilität der russischen Wirtschaft und Gesellschaft eine tragende Rolle spielt, solange wird Moskau dem politischen Druck nach Willkür des Westens ausgesetzt bleiben. Die Korrektur dieses nicht hinnehmbaren Zustandes ist deshalb das A-und-O der russischen Politik.

    An einer Front verliert das heutige Russland bislang am deutlichsten: im Informationsbereich. Die absolute geistige Kapitulation Russlands vor dem Westen und seinen falschen „Werten“ zu Beginn der Neunzigerjahre (infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion) bildete einen geeigneten Nährboden, um in der russischen Gesellschaft eine nahezu sklavenartige Hörigkeit gegenüber dem Westen heranzuzüchten. Als wäre der Westen die Perfektion des menschlichen Fortschritts.

    Doch ist diese Ansicht vor allem ein grober Irrtum. Das westliche (Anti)-Gesellschaftsmodel, das auf der angeblichen Naturgewalt des „freien“ Marktes aufbaut, verwandelt die Gemeinschaft von Menschen in eine Meute von moralisch primitiven Individuen, die sich permanent ineinander verbeißen und einander verdrängen.

    Der unaufhaltsame, allgegenwärtige, keinen Widerspruch und kein Hindernis duldende Kampf um ein noch größeres Stück des Planeten, dessen Ressourcen immer weiter schwinden, ist der Weg in die endgültige und vielleicht tödliche Sackgasse. Ungeachtet der offenkundigen Verlogenheit und Perversion dieser Lebensweise wird sie von sogenannten demokratischen, vom Westen kontrollierten Medien weltweit aufgeschwatzt und aufgezwungen.

    Waleri Gerassimow sprach auch von Lebensbereichen, die von der totalen, zwischenstaatlichen Rivalität erfasst werden. So ist auch der Sport wegen seiner enormen öffentlichen Wirkung zu einem der wichtigsten Schlachtfelder geworden. Zweifellos wird der Westen auch den Sport seinen geopolitischen Interessen opfern – um die russische Gesellschaft zu entmutigen. Ein Ende der Attacken auf russische Athleten und des unverhohlenen Psychoterrors gegen sie ist nicht abzusehen. Sportliche Großereignisse, die in Russland stattfinden sollen, werden für Verbote und Boykotte missbraucht.

    Wenn Russland nicht länger der ewige Prügelknabe bleiben möchte, dann muss es aus diesem Teufelskreis ewiger Demütigungen raus – möglicherweise auch durch den Austritt aus Organisationen, die sich selbst als bloßer Deckmantel für die westlichen Winkelzüge gegen Russland entlarvt haben.

    Auch das Kulturleben ist von der westlichen Geopolitik nicht unberührt geblieben. Besonders besorgniserregend ist hierbei der Umgang mit der russischen Sprache. Westliche Strategen verstehen zu gut: Wo Russisch gesprochen wird, lebt die russische Zivilisation weiter. Deshalb wird das Russische derzeit mit allen Mitteln selbst aus Regionen verdrängt, in denen es traditionell vorherrscht.

    Als eine Maßnahme dazu dient die offenkundig unsinnige, weil widernatürliche Initiative zur Umstellung lokaler Sprachen und Mundarten auf die lateinische Schrift. Auf diese Weise werden langfristige Prozesse in Gang gesetzt, an deren Ende weitläufige Kulturräume und Völker der russischen Kultur entzogen werden.

    Abschließend lässt sich über den Vortrag des Generalstabschefs Waleri Gerassimow sagen, dass seine klaren und konkreten Bestimmungen für alle von Bedeutung sind, denen Russlands Schicksal nicht egal ist. Sie sind ein verlässlicher Kompass bei künftigen Ereignissen, die mit Sicherheit weder zufällig noch spontan eintreten werden.

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    Tags:
    Bevölkerung, Werte, Niederlage, Armee, Konflikt, Waleri Gerassimow, UdSSR, Westen, Russland