18:02 19 Oktober 2018
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    Test neuster russischer Abfangrakete

    Erst Abfangrakete, dann Raketenschild: Moskaus nächste Antwort für USA im Anflug

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    Da die USA 2002 einseitig aus dem ABM-Vertrag ausgestiegen sind, hat Russland freie Hand, einen landesweiten Raketenschild aufzustellen – von Kaliningrad bis Wladiwostok. Das Kernstück dieses etwaigen Abwehrsystems hat das russische Verteidigungsministerium kürzlich getestet: die Abfangrakete PRS-1M.

    „Die neue Abfangrakete ist die modernisierte Variante eines Flugkörpers, der der russischen Armee seit langem schon gute Dienste leistet: die 53T6. „Diese Lenkwaffe schützt Moskau und das zentralrussische Industrierevier“, sagt der Militärexperte Alexej Leonkow im Gespräch mit dem Portal.

    Die Upgrade-Variante PRS-1M ist eine silobasierte Abfangrakete mit einer Marschgeschwindigkeit von bis zu vier Kilometern pro Sekunde und einer Belastbarkeit von bis zu 300g. Zum Vergleich: Eine Flugabwehrrakete des S400-Systems hält maximal 30g aus. „Die PRS-1M ist also sehr viel manövrierbarer und effektiver bei der Abwehr eines massiven Angriffs mit Interkontinentalraketen“, erklärt der Experte.

    Die Reichweite der Abfangrakete beträgt bis zu 150 Kilometer bei maximaler Einsatzhöhe von 50 Kilometern. Als Sprengkopf kann eine atomare Komponente eingesetzt werden – oder ein konventionelles Segment mit Subprojektilen.

    Der Einsatz von Abfangraketen zum Schutz der russischen Hauptstadtregion wurde durch den ABM-Vertrag zwischen Russland und den USA geregelt. Der Vertrag sah vor, dass beide Seiten auf den Aufbau globaler Raketenabwehrsysteme verzichten und nur ihre Hauptstädte durch Raketenschilde schützen. Washington stieg aus der Vereinbarung – trotz Moskaus Mahnungen – 2002 einseitig aus.

    Neue russische Superrakete „Sarmat“ erfolgreich getestet – VIDEO
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    Nach dem Ausstieg haben die USA begonnen, ein Raketenabwehrsystem aufzubauen, dessen Abschussanlagen sich fernab amerikanischer Grenzen unweit des russischen Staatsgebiets befinden. Die Abschussrampen können sowohl für Verteidigungs- als auch für Angriffswaffen genutzt werden – beispielsweise für die Marschflugkörper Tomahawk. Deshalb handelt es sich bei dem „Abwehrsystem“ auch um ein Druckmittel in der Geopolitik.

    Bislang hält sich Russland einseitig an den gekündigten ABM-Vertrag. Doch: „Wenn es nun keinen Vertrag zu Raketenabwehrsystemen mehr gibt, dann kann Russland sich erlauben, ein umfassendes nationales System zur Raketenabwehr aufzubauen“, sagt Leonkow. Dann könnten die PRS-1M Raketen zum Schutz des russischen Gebiets in alle vier Himmelsrichtungen aufgestellt werden.

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    Abfangrakete, Luftabwehr, Raketenabwehrsystem S-400, Luftabwehrsystem THAAD, USA, Russland