21:22 21 Juli 2018
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    Start einer Rakete der US-Luftstreitkräfte (Archivbild)

    Killer und Kidnapper fürs All: USA warnen vor Space-Waffen aus Russland und China

    © Foto: USAF/ Chris Arnold
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    Das Pentagon ist erneut alarmiert: Russische und chinesische Weltraumwaffen können die US-Armee angeblich blind und orientierungslos schießen. Russland und China würden derzeit an speziellen Raketen und Lasern arbeiten, die große Löcher in das GPS-Netz der USA reißen sollen. Alles nur heiße Luft?

    Seinen ersten Volltreffer landete Peking 2007: Mit einer bodengestützten Abfangrakete holten die Chinesen einen alten Wettersatelliten vom Orbit. Seither haben die Entwickler aus dem Reich der Mitte im Rahmen von acht weiteren Experimenten Abfangsysteme von Weltraumsatelliten erfolgreich eingesetzt.

    Außerdem arbeitet das chinesische Militär angeblich an einer Art Kidnapper für das Weltall. Dabei handelt es sich um eine manövrierbare Raumdrohne, die mit Teleskop-Greifern gegnerische Satelliten fängt. Ob diese Entwicklung wirklich keine Fiktion ist, muss sich erst zeigen.

    Die Geschichte russischer Anti-Satelliten-Waffen reicht sehr viel weiter zurück. Schon das Raketenabwehrsystem A-35, das die russische Hauptstadt vor Interkontinentalraketen schützt, kann bis zu einem bestimmten Grad auch Weltraumobjekte bekämpfen. Später wurde ein spezieller „Satellitenjäger“ entwickelt. Dabei handelt es sich um eine mit einem Sprengsatz bestückte Weltraumdrohne, die bis 1993 im Einsatz war. In den 1980er Jahren wurde das Satellitenabfangsystem „Kontakt“ getestet, dessen Kernstück eine luftgestützte Abfangrakete war. Der mit einer MiG-31 abgefeuerte Flugkörper sollte selbstständig das Ziel finden.

    Anzunehmen ist, dass der künftige Raketenschild A-235 für die Hauptstadtregion (der die jetzige Anlage A-35 ablösen soll) auch als Anti-Satelliten-Waffe eingesetzt werden kann – zumindest bis zu einer Höhe von 750 Kilometern.

    Außerdem wurde vor etwas mehr als einem Monat über das laserbasierte Abfangsystem „Sokol-Eschelon berichtet, das in eine Transportmaschine vom Typ Il-76 eingebaut ist. Überdies diskutieren US-Experten häufig über russische Störsysteme, die zwar keine amerikanischen Satelliten „totschießen“, aber deren Bordelektronik lahmlegen können.

    Darf man das denn?

    Eigentlich soll der Weltraum eine waffenfreie Zone bleiben, so sieht es ein Vertrag aus dem Jahr 1967 vor. „Waffenfrei“ ist dabei relativ: Der Vertrag verbietet die Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Weltall und Militärbasen auf den Gestirnen. Zu konventionellen Waffen enthält das Vertragswerk kein Wort, was die Entwicklung und den Einsatz genannter Systeme im Grunde ermöglicht.

    Dennoch hat sich Moskau Anfang der 2000er Jahre massiv dafür eingesetzt, die militärische Nutzung des Weltalls zu unterlassen. 2004 erklärte Russland als erster Staat die einseitige Bereitschaft, überhaupt keine Waffen im Weltraum zu stationieren. 2008 haben Russland und China der internationalen Gemeinschaft einen entsprechenden Vertragsentwurf vorgelegt. Dieser sah den Verzicht auf die Waffenstationierung und den Kampfeinsatz gegen Weltraumobjekte vor, fand international jedoch keinen Zuspruch.

    Also werden weiter Weltraumwaffen entwickelt und gebaut. Im Sommer 2017 rief der US-Kongress sogar zur Gründung einer speziellen Einheit, des sogenannten Weltraum-Corps, auf. Denn Weltraumsysteme seien die Schlüsselkomponente für den Kampferfolg auf der Erde, am Boden. Dass die Konkurrenzmächte angesichts solcher Forderungen Gegenmaßnahmen ausarbeiten, ist naheliegend.

    Aber nicht nur das. Die USA treiben auch den Aufbau ihres Raketenschutzschilds voran, der inzwischen immer weiter zu einem globalen System ausgebaut wird. Welche Rolle weltraumgestützte Waffen dabei spielen könnten, zeigte bereits Mitte der 1980er Jahre das SDI-System der Vereinigten Staaten, bei dem auf Weltraumplattformen stationierte Flugkörper Interkontinentalraketen abfangen sollten. Später entstand daraus das GPALS gegen lokale Raketenschläge. Bis zu 200 Interkontinentalraketen sollte es vom Weltall aus abfangen können.

    Umgesetzt wurde weder das SDI noch das GPALS. Doch jetzt wird wieder der Ruf nach einem weltraumbasierten Raketenabfangsystem laut, diesmal vor dem Hintergrund des nordkoreanischen Raketenprogramms. In den USA ist eine mächtige Lobby entstanden, auch im Senat, einen weltraumgestützten Verband, die Abfangraketen als unabdingbar erachtet, um Interkontinentalraketen aus Nordkorea abwehren zu können.

    Und genau das beunruhigt Moskau und Peking: Vom Weltall aus kann eine Interkontinentalrakete (nicht nur eine nordkoreanische) schon in der Anfangsphase ihres Flugs, während der Beschleunigung, abgeschossen werden. Also ergibt sich das klassische Bild der letzten 15 Jahre: Die USA entwickeln angeblich gegen den Iran und Nordkorea einen Schutzschild, wobei er aber vor allem für Russland und China eine Gefahr darstellt.

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    Tags:
    Killer-Satelliten, Satellitenaufklärung, Weltraumaufklärung, Strategic Defense Initiative (SDI), US-Kongress, China, Russland, USA
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