05:17 14 November 2018
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    Saif al-Islam al-Gaddafi (Archiv)

    Westen fürchtet Moskaus Schatten hinter Gaddafis Sohn

    © AFP 2018 / IMED LAMLOUM
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    Saif al-Gaddafi hat geschworen, den Tod seines Vaters – des ehemaligen libyschen Staatsoberhauptes – zu rächen. Die Chance bietet sich ihm Mitte des Jahres bei den Präsidentenwahlen in Libyen. Wer das Land ins Chaos gestürzt hat, fürchtet nun, Gaddafis Sohn könnte es als Staatschef mit Moskaus Hilfe wieder einen, schreibt die Zeitung "Wsgljad".

    Saif al-Islam al-Gaddafi sieht aus wie ein Mann mit Mission. Dass seinem Vater wenigstens posthum Gerechtigkeit wiederfährt, ist sein Mindestziel. Seine Großaufgabe ist es, Libyen als einheitlichen Staat unter einheitlicher Führung wiederherzustellen.

    Entsprechend fällt auch die Reaktion bestimmter Medien auf die Verkündung der Kandidatur Saif al-Islam al-Gaddafis für das Amt des Präsidenten aus. „Sohn eines toten Despoten“, nennt der TV-Sender „al-Arabiya“ aus den VAE den jungen Gaddafi. Dessen Vater sei das „anschauliche Beispiel“ eines Oberhauptes gewesen, das „sein Volk, seine Nachbarn und Partner“ ins Elend gestürzt habe. Die Vereinigten Arabischen Emirate förderten bekanntlich den Sturz Muammar Gaddafis, indem sie dessen Gegner bewaffneten. Ähnlich schrillt das französische Blatt „Le Point“: „Der „Sohn eines ehemaligen Diktators“ greife nach der Macht „mit Unterstützung Moskaus und der Beduinen“.

    Das Wahlprogramm von Gaddafis Sohn begnügt sich bisher mit hehren Parolen: Libyen retten, dessen „arabisches, afrikanisches und islamisches Wesen“ bewahren und den Terrorismus „auf dem Gebiet des Landes“ auslöschen. Bei der Umsetzung dieser Absichten zähle Libyen auf die Hilfe der Vereinten Nationen, sagte Gaddafis Vertreter bei der Verkündung der Kandidatur. Konkrete Maßnahmen nannte er nicht. Aufklärung verschaffen könnte aber ein Blick ins zurückliegende Jahr.

    Im März 2017 fand in Tunesien ein Treffen der Stammesältesten statt, die ihren Stammesgenossen Muammar al-Gaddafi stets unterstützt hatten. Auch Vertreter libyscher Regionen nahmen an dem Treffen teil. Am auffälligsten aber war, dass auch Anhänger des getöteten libyschen Staatsoberhaupts bei dem Treffen in Tunesien zugegen waren.

    Ein ehemaliges Mitglied der Regierung Muammar Gaddafis hatte nämlich im Exil einen libyschen Stämme- und Städterat organisiert, der allein im Ausland 20.000 Mitglieder zählt. Noch einmal so viele Mitglieder weist der Rat auf dem Gebiet der ehemaligen Dschamahirija auf.

    Diese Gesellschafts- und Herrschaftsform baute Oberstleutnant Gaddafi zu seinen Lebzeiten in Libyen auf. Von 1977 bis 2011 war der nordafrikanische Staat weder eine Republik noch eine Monarchie. Vielmehr war Libyen ein Verbund von Kommunen und Regionen mit weitreichender Autonomie. Staatliche Institutionen im üblichen Sinn bestanden nicht: Sogar die Armee und die Polizei wurden durch Volksmilizen ersetzt.

    Der private Handel wurde durch ein Netz gemeinschaftlich organisierter Läden ersetzt. Die üppigen Einnahmen Libyens aus dem Ölgeschäft ermöglichten es, Lebensmittel nach islamischen Gerechtigkeitsgrundsätzen zu verteilen. Auch nach dem Ölpreissturz von 1987 konnte das Land nicht als arm bezeichnet werden – bis zum Sturz Gaddafis 2011.

    Die Dschamahirija wiederaufzubauen, ist das erklärte Ziel des libyschen Stämme- und Städterats. Saif al-Gaddafi wird von dieser Organisation als Nachfolger seines Vaters anerkannt, was angesichts der besonderen, auf Stammesbeziehungen aufbauenden libyschen Staatsform ein Zeichen der Kontinuität und des allgemeinen Vertrauens gegenüber dem Rat bedeutet.

    Das heutige Libyen stellt nach der Zerstörung jeglicher politischen Ordnung eine Vielfalt im schlimmsten Wortsinn dar: Zwei unterschiedliche Regierungen werden von verschiedenen Mächten und Interessengruppen getrieben. Das in Stücke zerrissene Land ist zu einem Schlachtfeld geworden, auf dem diese beiden Lager ihre Differenzen austragen.

    Dass Saif al-Islam al-Gaddafi die politische Landschaft betritt, reißt die Pläne der verfeindeten Lager ein: Die Gesellschafts- und Herrschaftsform der Dschamahirija vermag es schließlich, die Stämme zu einen, die das ehemalige Libyen noch in guter Erinnerung haben. Gaddafis Sohn und seine Anhänger nehmen jedenfalls eine souveräne Position ein. Er unterstützt weder die westliche Regierung von Fayiz as-Sarradsch noch die östliche von Chalifa Haftar.

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    Tags:
    Hilfe, Präsident, Terrorismus, Saif al-Islam al- Gaddafi, Muammar al-Gaddafi, Westen, Libyen, USA, Russland