14:55 12 Dezember 2018
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    Triumphbogen Schwerter von Kadesia in Bagdad

    USA lassen Nahen Osten im Chaos versinken – nach altem Schema

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    Es sind 15 Jahre vergangen, seitdem die von den USA angeführte internationale Koalition im Irak den „blutigen Diktator“ Saddam Hussein entmachtet hat – unter dem Vorwand, dass der Irak und al-Qaida Massenvernichtungswaffen einsetzen könnten, schreibt die Online-Zeitung Vz.ru am Montag.

    Allerdings konnte man später keine Massenvernichtungswaffen in diesem Land finden, und Husseins Kontakte mit dem internationalen Terrorismus wurden nie aufgedeckt. Darüber hinaus kann man im Nachhinein feststellen, dass einfache Iraker unter dem „blutigen Diktator“ besser gelebt haben als nach seiner Entmachtung, und im Irak sind gerade heute terroristische Organisationen aktiv.

    Dass Saddam Hussein ein Diktator war, steht außer Frage. Auch das Wort „blutig“ trifft auf ihn durchaus zu: Sein Einsatz gegen die Kurden im Norden des Iraks, bei dem Chemiewaffen eingesetzt wurden, gilt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Aber damals, Anfang der 1980er Jahre, strebte man im Westen überhaupt keine Ermittlungen an, wollte keine Sondersitzungen des Strafgerichtshofs in Den Haag organisieren oder internationale Koalitionen gegen Hussein bilden. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Damals galt Hussein als Verbündeter der USA, und diese sahen in seinen Aktivitäten nichts Schlimmes.

    Der irakische Staatschef galt im Westen als „progressiver arabischer Politiker“. Unter seiner unmittelbaren Beteiligung wurde im Irak die Ölindustrie nationalisiert, und die Einnahmen aus dem Ölexport wurden in die Entwicklung der Elektroenergetik und den Straßenbau investiert. Gleichzeitig wurde die Landwirtschaft modernisiert, und es wurden diverse Programme zur Industrieentwicklung umgesetzt.

    Im Rahmen der Beseitigung des Analphabetentums wurden landesweit Schulen und Universitäten gebaut. Es wurde ein Gesundheitswesen entwickelt, das eines der besten im ganzen Nahen Osten war. In den frühen 1980er Jahren etablierte sich der Irak als entwickelter Industriestaat, in dem viele Gastarbeiter leben und arbeiten wollten. Und Hussein war enorm populär bei den Irakern.

    Im Jahr 1980 begann Hussein aber einen Krieg gegen den Iran, der schiitische Gruppierungen im Irak unterstützte. Die USA unterstützten in diesem Konflikt den Irak, was nach dem Überfall auf die US-Botschaft in Teheran und dem 15-monatigen Geiseldrama durchaus nachvollziehbar war.

    1983 traf sich Saddam Hussein mit Donald Rumsfeld – genau dem Donald Rumsfeld, der später US-Verteidigungsminister werden sollte und 2003 den Irak-Einsatz leitete. 1984 wurden die bilateralen diplomatischen Beziehungen wiederaufgenommen, die wegen des arabisch-israelischen Kriegs unterbrochen worden waren. Und da waren Husseins Kriegsverbrechen (unter Mitwirkung der USA wohlgemerkt) zum Greifen nah.

    Damit man uns nicht vorwirft, wir wären voreingenommen, berufen wir uns einmal auf westliche Quellen. BBC berichtete beispielsweise:

    „Reagan beschloss, den Zusammenbruch des Iraks zu verhindern, und versorgte ihn mit Informationen über die Stationierung der iranischen Truppen (…). Die US-Regierung wusste damals, dass die irakischen Truppen fast täglich Giftstoffe gegen die Iraner einsetzten (…). Washington begrüßte diese Methoden zwar nicht, hatte aber auch kaum etwas dagegen.“

    Den Chemiewaffenangriff gegen die Kurden im Nordirak haben die Amerikaner nicht nur „übersehen“: Die CIA fabrizierte sogar einen Bericht, dem zufolge die Kurden von iranischen Kräften angegriffen worden wären.

    Damit haben die Amerikaner Saddam Hussein im Grunde mit ihren eigenen Händen zum „bösen Kerl“ gemacht. Manipulationen mit Beschuldigungen, jemand hätte Massenvernichtungswaffen eingesetzt, sind für sie nichts Außergewöhnliches.

    Der iranisch-irakische Krieg endete im Grunde in einer Pattsituation: Niemand von ihnen hatte etwas gewonnen oder verloren. Aber der langjährige Konflikt hatte schlimme wirtschaftliche Folgen für Bagdad. Hussein beschloss, die Situation durch die Annexion des ölreichen Kuwaits zu verbessern. Dieser Einsatz fand vom 2. bis 4. August 1990 statt.

    Der irakische Staatschef rechnete damit, dass Washington als sein Verbündeter diese Aktion ebenfalls „übersehen“ würde, aber vergebens: Die geopolitische Situation veränderte sich rasch, und die Okkupation Kuwaits führte zu Problemen bei Öllieferungen auf dem Weltmarkt. Zudem war man in Riad über die irakische Armee an der Grenze zu Saudi-Arabien verärgert.

    Im November 1990 stimmte der UN-Sicherheitsrat dem internationalen Einsatz zur Befreiung Kuwaits zu, und bald wurden die irakischen Truppen durch die von den USA angeführte Koalition aus diesem Land verdrängt. Darüber hinaus wurde Bagdad mit internationalen Sanktionen belegt, die unter anderem die Vernichtung seiner Raketen und Massenvernichtungswaffen vorsahen.

    Seit dieser Zeit stellte man in Washington Saddam Hussein als Bösewicht dar und warf ihm die Verfolgung der Oppositionskräfte, Repressalien, die Unterstützung des internationalen Terrorismus und die weitere Entwicklung von Massenvernichtungswaffen vor.

    Es ist schwer zu sagen, ob die Amerikaner tatsächlich glaubten, dass der Irak Massenvernichtungswaffen herstellen würde. Aber jedenfalls nahmen sie den gekränkten Hussein als Gefahr für sie selbst und für ihre Verbündeten in der Region wahr. Hinzu kam, dass der irakische Diktator selbst ständig antiamerikanische Reden hielt und dabei auf primitive religiöse Rhetorik zurückgriff.

    Allerdings blieb das Regime in Bagdad die ganze Zeit säkular, und an der irakischen Regierung beteiligten sich unter anderem Christen, während islamistische terroristische Gruppierungen auf dem Territorium des Landes stets eingedämmt wurden.

    Doch im Februar 2003 trat der damalige US-Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat auf und zeigte den Teilnehmern der Sitzung einen kleinen Glasbehälter, in dem angeblich eine Chemiewaffe enthalten war – der Irak-Krieg war damit quasi legitimiert.

    Im Nachhinein musste man aber feststellen, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen entdeckt wurden, und das bedeutet, dass die „Beweise“ für ihre Produktion in diesem Land gefälscht waren: Die Massenvernichtungswaffen waren offenbar unter der Kontrolle der Uno entsorgt worden.

    Für diese Aggression gegen den souveränen Irak wurde im Westen kein einziger Politiker bestraft. Alle ehemaligen Politiker sind respektierte „Rentner“ und ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus. Die anderen Folgen der „Demokratisierung“ des Iraks sind folgende:

    Die Behörden in Bagdad können größere Gebiete des Landes nicht kontrollieren, dort handeln terroristische Organisationen, der Bürgerkrieg geht weiter. Die Infrastruktur wurde total zerstört, so auch das irakische Gesundheits- und Bildungswesen. Zahlreiche Museen wurden geplündert, der Sklavenhandel floriert seit Jahren. Dennoch will man in Washington das „irakische Szenario“ auch in Syrien umsetzen – dieses Schema hat sich ja bewährt.

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    Tags:
    Massenvernichtungswaffen, Vorwürfe, Diktatur, Destabilisierung, Kurden, Krieg, Invasion, Terrorismus, Golfkrieg, US-State Department, UN, US-Außenministerium, US-Außenamt, Pentagon, Donald Rumsfeld, Colin Powell, Saddam Hussein, Nahost, Iran, Irak, USA