11:58 19 Juli 2018
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    Trumps Twitter (Symbolbild)

    Krieg und Frieden trennen zwei Tweets

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    Iswestija
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    Die Welt hat gestern den ganzen Tag gespannt die Angriffe der USA auf Syrien erwartet, die Präsident Donald Trump angekündigt hatte, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Donnerstag.

    Am gestrigen Mittwoch veröffentlichte Trump mehrere Beiträge auf Twitter, in denen er zunächst Russland als Syriens Verbündetem drohte und es dann zur Wirtschaftskooperation und zum Verzicht auf das Wettrüsten aufrief.

    Weißes Haus
    © Sputnik / Алексей Агарышев
    In seinem ersten Tweet schrieb der US-Staatschef: „Russland verspricht, alle Raketen abzuschießen, die gegen Syrien abgefeuert werden. Russland, mach dich gefasst, denn sie werden kommen – schön, neu und smart!“ Zugleich warnte er Moskau vor der Unterstützung des „Tiers“ Baschar al-Assad, das „seine Mitbürger mit Gas tötet“.

    Aber nur 40 Minuten später veröffentlichte Trump einen versöhnlichen Beitrag. Er stellte fest, dass die russisch-amerikanischen Beziehungen nicht einmal während des Kalten Kriegs so schlimm gewesen seien, betonte aber: „Dafür gibt es keinen Grund. Russland braucht unsere Hilfe im Wirtschaftsbereich… Wollen wir das Wettrüsten stoppen?“

    In Moskau zog man es vor, auf Trumps Tweets nicht zu reagieren. Präsident Wladimir Putin äußerte die Hoffnung, dass die Vernunft doch die Oberhand gewinnen werde. Und sein Sprecher Dmitri Peskow sagte etwas später, dass Moskau kein Anhänger der „Twitter-Diplomatie“ sei und mit seriösem Vorgehen in den internationalen Angelegenheiten rechne.

    „Trumps Twitter-Beiträge lassen sich oft schwer verstehen“, sagte Richard Weitz von der US-amerikanischen Denkfabrik Hudson Institute gegenüber „Iswestija“. „Meines Erachtens spiegeln seine Tweets sein Interesse daran wider, einen Konflikt mit Russland wegen Syrien zu vermeiden. Gleichzeitig will er aber hart genug gegenüber Russland klingen.“

    Der Erste Vizevorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat (Parlamentsoberhaus), Wladimir Dschabarow, brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass es keinen Militärkonflikt zwischen Russland und den USA geben werde. Dennoch sei der Anlass für einen möglichen US-Schlag gegen Syrien „eine inszenierte Fälschung“ gewesen, betonte der Senator.

    Das russische Verteidigungsministerium vermied es seinerseits gestern, mit dem Säbel zu rasseln, und zeigte sich bereit, sich an der Lösung von humanitären Problemen in Syrien zu beteiligen und mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu kooperieren.

    Der Vizechef der Hauptoperativverwaltung im russischen Generalstab, Valeri Posnichir, teilte mit, dass russische Experten für Chemieschutz und Ärzte den Ort des angeblichen Chemiewaffenangriffs in Syrien besucht und dort keine Spuren von Giftstoffen entdeckt hätten. Dort habe es auch weder Verletzte noch Leichen der Opfer des „Angriffs“ gegeben, ergänzte er. Zuvor hatten manche westliche Medien über etwa 500 Todesopfer berichtet.

    Darüber hinaus erklärten Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums, sie wüssten über die Verlegung eines US-Kriegsschiffsverbandes um den Flugzeugträger „Harry Truman“ in den Persischen Golf Bescheid, der dort Anfang Mai eintreffen soll. Allerdings betrachte man das in Moskau als eine „planmäßige Rotation“ der US-Kräfte in dieser Region, sagte ein Sprecher.

    Zuvor hatte der russische Botschafter im Libanon, Alexander Sassypkin, erklärt, dass sich Moskau das Recht vorbehalte, alle US-Raketen abzuschießen, die in Richtung Syrien abgefeuert werden sollten.

    Allerdings haben die Amerikaner aktuell keine Möglichkeiten für einen großen Militäreinsatz gegen Syrien. Die US-Marine verfügt im östlichen Mittelmeer nur über zwei Zerstörer („Donald Cook“ und „Laboon“) und ein Mehrzweck-Atom-U-Boot der „Ohio“-Klasse. Zudem wurden in den Nahen Osten mehrere Tankflugzeuge verlegt.

    „Die 6. Flotte hat nichts außer diesen zwei Zerstörern“, sagte der russische Militärexperte Dmitri Boltenkow. „Es ist ja eine nahezu fantastische Situation entstanden, in der die USA keine Schlaggruppe im Mittelmeer hat, der ein Flugzeugträger angehören würde.“

    Deshalb ließe sich nach seinen Worten höchstens ein „beschränkter“ US-Schlag gegen Syrien erwarten, und zwar nicht mit „smarten“ Waffen, sondern mit üblichen „Tomahawk“-Marschflugkörpern von Schiffen, wie das vor einem Jahr gegen den syrischen Stützpunkt Schairat der Fall war.

    Dabei könnten die Amerikaner zu diesem Zweck ihre Luftstreitkräfte einsetzen. Das wären dann möglicherweise strategische Bomber B-52, die Marschflugkörper abfeuern würden, ohne in den Raum zu fliegen, wo sie von den syrischen Luftabwehrkräften abgeschossen werden könnten.

    Theoretisch könnte Washington auch seine taktische Luftwaffe einsetzen, die in den Nachbarländern Syriens stationiert seien, ergänzte der Militärexperte. Doch das wäre viel zu riskant.

    Quellen im russischen Verteidigungsministerium versicherten indes, dass Russland in Syrien eine vollwertige Luftabwehrgruppierung habe, der unter anderem S-300- und S-400-Raketen angehören. Diese Kräfte decken die russischen Stützpunkte in Latakia und Tartus sowie die syrischen Objekte, wo es russisches Personal gebe, zuverlässig ab.

    Der Engel und Teufel des mächtigsten Mannes der Welt
    © Sputnik / Podvitski
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    Tags:
    Twitter-Diplomatie, C-Waffen-Einsätze, Ermittlung, Raketenabwehrsystem S-400, S-300-System, Tomahawk-Rakete, Twitter, Donald Trump, Syrien, USA, Russland
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