11:52 21 April 2018
SNA Radio
    am Bord des Flugzeugträgers USS Harry Truman (Archiv)

    Kampf gegen US-Armada: Wie stehen Russlands Chancen?

    © Foto : DoD/Mass Communication Specialist 2nd Class Kilho Park, U.S. Navy
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Wsgljad
    10242397

    Die Kampfgruppe mit dem Flugzeugträger USS Harry Truman an der Spitze steuert auf Syrien zu. Die bislang nur theoretische Wahrscheinlichkeit eines Waffengangs zwischen Russland und den USA sinkt dadurch sicherlich nicht. Ein Fachmann schildert die Aussichten der russischen Marine im Kampf gegen die US-Kriegsflotte.

    Die riesige Streitmacht der US-Amerikaner zu treffen, ist schon möglich – „mit einer Seezielrakete vom U-Boot, von der Küste, vom Kampfjet aus“, erklärt der ehemalige Admiral der Schwarzmeerflotte Wladimir Komoedow. „Theoretisch reicht eine unserer Hyperschallraketen dafür aus, doch lägen die Erfolgschancen eher im Zufallsbereich. Um eine Seeschlacht führen zu können, ist eine ganze Kampfgruppe notwendig.“

    Das heißt: Man braucht einen Kampfverband aus diversen Schiffs- und Waffentypen, „U-Boote, Kampfschiffe, Marineflieger“, erklärt der Militär. „Bei einem koordinierten Einsatz könnte man die Aufgabe, einen Flugzeugträger außer Gefecht zu setzen, lösen.“

    Derzeit stehen der russischen Marine 15 Kampf- und Versorgungsschiffe im Mittelmeer zur Verfügung. Sie sind Teil eines Dauereinsatzverbands: des Mittelmeergeschwaders der Schwarzmeerflotte. Den schlagkräftigen Kern machen die beiden Fregatten „Admiral Grigorowitsch“ und „Admiral Essen“ aus, bewaffnet mit den Seezielraketen Kalibr-NK.

    Diese Raketen führen auch einige U-Boote der Schwarzmeerflotte an Bord, in der Modifikation Kalibr-PL. Bis zu 300 Kilometer weit können die Lenkwaffen verschossen werden, gleichermaßen gegen Boden- und Seeziele. Nicht zu vergessen sind auch die an der syrischen Küste stationierten Raketensysteme mit den Antischiffsraketen „Uran“ (120 Kilometer Reichweite) und „Jachont“ (300 Kilometer).

    Aber ob diese Kräfte ausreichen würden, um den amerikanischen Flugzeugträgerverband zu neutralisieren? Ex-Admiral Komoedow sagt: „Definitiv nicht.“ Ein Flugzeugträger komme nie allein, „dem Verband gehören bis zu einem Dutzend Begleitschiffe an: Kreuzer, Zerstörer, Fregatten, Mehrzweck-U-Boote.“ Alles in allem könne diese Armada Hunderte Flugkörper abschießen, gegen Luft-, Boden- und Seeziele. „Ganz zu schweigen von der größten Schlagkraft des Verbands: den auf dem Träger stationierten Flugzeugen“, wozu übrigens immer auch Frühwarnmaschinen gehören.

    Der Ex-Admiral erklärt: „Jeder Flugzeugträgerverband der USA hat eine Verteidigungstiefe von bis zu 1.500 Kilometern. Dabei haben die Antischiffsraketen unserer Kampfschiffe und U-Boote einen Wirkungsradius von höchstens 500 Kilometern.“ Das heißt, der US-Verband baut im Umkreis von 1.500 Kilometern um sich herum eine No-Go-/No-Fly-Area auf: Jeder Angriff wird neutralisiert, noch bevor er dem Flugzeugträger überhaupt gefährlich werden kann. Insofern sind zumindest die russischen Fregatten keine ernsthafte Gefahr für die Amerikaner – die Kampfschiffe kommen nicht mal nah genug an den Verband ran, um ihre Raketen abzufeuern.

    Die Lage ist also schwierig. Zu Sowjetzeiten wurden da ganz andere Kampfkonzepte entwickelt. Bei den sowjetischen Marinefliegern waren bis zu 1.500 Bomber im Einsatz, um bei einer US-Aggression die Flugzeugträger zu bekämpfen. Heute stehen der russischen Luftwaffe – die Marineflieger wurden als Gattung 2012 aufgelöst – 139 Langstreckenbomber bereit, wie das britische International Institute for Strategic Studies IISS errechnet hat.

    Eine ernsthafte Chance, einen Flugzeugträger zu vernichten, hätten nur die Atom-U-Boote der Antej-Klasse, mit den Granit-Raketen an Bord, glaubt der Ex-Admiral. Aber auch nur dann, wenn eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllt sei.

    Zu allererst müssen sich die U-Boote natürlich unbemerkt an den Flugzeugträgerverband anpirschen können – auf eine Distanz von 700 Kilometern. „Eine sehr schwierige Aufgabe.“ Es müssen zudem mehrere U-Boote im Einsatz sein, um genug Seezielraketen in einer Salve abfeuern zu können. Und das Wichtigste: Man brauche zum Zeitpunkt des Raketenstarts genaue Informationen über die Zielposition, betont der Experte. Die U-Boote müssen also von außerhalb ins Ziel gefunkt werden.

    Genau hier klafft bei der russischen Marine laut einem Insider aber eine riesige Techniklücke: Es sollen Frühwarn- und AWACS-Flugzeuge fehlen. Seit wenigen Jahren versucht das russische Verteidigungsministerium diesen Mangel an luftgestützten Feuerleitsystemen zu beheben. Der russische Hubschrauberbauer Kamow hat im Sommer 2017 die Entwicklung einer Frühwarndrohne auf der Basis des altbekannten Helikopters Ka-27 aufgenommen. Ein Jahr zuvor hatte die russische Marine den Ka-35, einen Hubschrauber zur Fernaufklärung, in Dienst gestellt. Diese Maschine ist bereits in Syrien erprobt worden.

    Natürlich könnten auch die AWACS-Flugzeuge A-50 die Flugzeugträger der USA orten und Positionsdaten an die russischen U-Boote funken. Aber: Diese Maschinen werden beim ersten Anzeichen eines Angriffs auf den Flugzeugträgerverband wohl zum vorrangigen Ziel der US-Kampfjets.

    Man muss also anerkennen, dass die russische Marine nur eine theoretische Chance hat, einen amerikanischen Flugzeugträger zu versenken. Die echten Erfolgsaussichten sind bescheiden.

    Zum Thema:

    Wer lenkt zuerst ein: USA oder Russland? – „Gefährliche Eskalation des Syrien-Kriegs“
    „Kampf bis zum siegreichen Ende“: China will USA gebührende Abfuhr erteilen
    Pompeo: Mit „milder“ Russland-Politik der USA ist nun Schluss
    Tags:
    Raketenschlag, U-Boote, Gefechte, Kampf, USS Harry S. Truman, Jachont, Uran, Fregatte Admiral Essen, Schiff Admiral Grigorowitsch, Kalibr-Rakete, Russland, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren