12:51 21 November 2018
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    Der französische Präsident Emmanuel Macron an Bord des Atom-U-Boots Le Terrible (Archivbild)

    Groß geworden, der Junge: Macron lässt vor Putin die Muskeln spielen

    © AFP 2018 / Pool/ Fred Tanneau
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    Wladimir Putin lässt westlichen Politikern keine Ruhe: Mal wird der russische Präsident verteufelt, mal wird ihm nachgeeifert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist da keine Ausnahme. Jüngst hat er in einem Interview damit geprahlt, dem russischen Staatschef „gewachsen“ zu sein.

    Mit seinen westlichen Kollegen hat es der russische Präsident wirklich nicht leicht. Waren einst noch echte Staatsmänner unter ihnen, mit denen man reden konnte, sinkt das Niveau der westlichen Gesprächspartner seit einigen Jahren dramatisch. Doch was soll er tun, der Putin? Er muss halt mit denen reden, die da sind. Auch mit Emmanuel Macron, der in etwas mehr als einem Monat nach Russland reisen wird.

    Am vergangenen Dienstag wollte der 40-jährige Politiker, der vor knapp einem Jahr Frankreichs Präsident geworden war, seine Sternstunde erleben, sprach er doch im Europäischen Parlament über die „Zukunft Europas“. Macron wollte, dass seine Vorschläge, wie die EU aus der Krise geführt werden könnte, von allen Europäern gehört und geschätzt werden.

    Doch wurde die Straßburger Ansprache des französischen Präsidenten von einem anderen Beitrag überschattet – einem Interview, das Macron einen Tag zuvor dem TV-Sender „BFM“ gegeben hatte. Drei Stunden lang (!) sprach der französische Präsident mit den Journalisten, größtenteils über Innenpolitik. Doch Emmanuel Macron ließ es sich nicht nehmen, mit seinen außenpolitischen Erfolgen anzugeben.

    Er schwadronierte von Syrien und der großen Rolle, die Frankreich bei der Regulierung des dortigen Konflikts spielen werde: In der internationalen Gemeinschaft komme Frankreich von Anfang die Rolle zu, „mit allen zu reden“, sagte Le Président. Er habe sogar vorgehabt, „in die Türkei zu reisen und sich dort mit den Präsidenten Putin, Erdogan und Rohani zu treffen“. Aber es sei ja der C-Waffen-Einsatz in Ost-Ghuta dazwischengekommen.

    Eine Anspielung war das: Das jüngste Troika-Treffen der in den Syrien-Konflikt am stärksten involvierten Mächte in Ankara hätte auch eine Vierer-Begegnung sein können, ließ Macron durchblicken – sprich: Paris hätte sich einem Format angeschlossen, das von Putin ins Leben gerufen wurde. Dass Putin, Erdogan und Rohani diesen Schritt begrüßt hätten, ist klar. Frankreich hat traditionell enge Beziehungen zu Syrien; so hätte Paris in der Tat eine gewichtige Rolle bei der Konfliktregulierung spielen können.

    Putin und Macron, Archivfoto
    © AFP 2018 / Stephane De Sakutin
    Nur hätte Macrons Initiative in den Vereinigten Staaten und in der übrigen EU Unmut ausgelöst: Paris macht gemeinsame Sache mit Moskau – inakzeptabel. Sogleich wäre Frankreichs Präsident an die transatlantische Solidarität erinnert worden, die die Republik unter Macron ebenso wahrt wie unter Hollande. Dies ist bei der Ausweisung russischer Diplomaten wegen der Sache Skripal kürzlich eindrücklich demonstriert worden.

    Ob Emmanuel Macron nun wirklich ein Treffen mit Putin, Erdogan und Rohani in Erwägung gezogen hatte oder ob er nur von einer „Großen Vier“ in Syrien träumt, ist unklar. Offenkundig hat er seinen außenpolitischen Stellenwert aber allzu hochgespielt. So stellte er es als einen Erfolg seiner Außenpolitik dar, mit der Beteiligung am jüngsten Syrien-Schlag der US-Amerikaner die Russen und die Türken entzweit zu haben:

    „Die Türkei hat die C-Waffen-Attacke verurteilt und die Operation unterstützt, die wir durchgeführt haben“, so Macron im TV-Interview. Prompt folgte die Reaktion der Türken: „Viele unserer westlichen Freunde geben populistische Erklärungen ab“, sagte der türkische Außenminister. Man erwarte von Macron „Erklärungen, die mehr dem Niveau eines Präsidenten entsprechen“.

    Dieser Hieb muss gesessen haben. Aber es kam auch noch ein Stoß aus Washington. Denn Macron verkündete auch, Donald Trump davon überzeugt zu haben, die US-Truppen nicht aus Syrien abzuziehen. Das war dem Staatschef in Washington keine persönliche Antwort wert, seine Pressesprecherin Sarah Sanders dementierte: Der US-Präsident habe deutlich gemacht, „dass er will, dass die amerikanischen Soldaten so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren“.

    So steht der französische Präsident also da: nicht als starker Gestalter der Weltpolitik, sondern, vorsichtig formuliert, als überheblicher Träumer. Viel aufregender aber ist, wie sich der französische Präsident über sein Verhältnis zu Putin ausgelassen hat – dies zwar nicht während des besagten TV-Interviews, sondern erst als die Kameras abgeschaltet worden waren.

    So soll er nachträglich bei einem Glas Wein mit der Ehefrau von Jean-Jacques Bourdin, einem der beiden TV-Journalisten, gesagt haben:

    „Ich bin Putin ebenbürtig. Und er versteht mich übrigens. Und zum Syrien-Schlag habe ich mich entschlossen, um Putin zu überbringen, dass wir daran auch beteiligt sind. Er versteht solche Sachen. Das ist eine Entscheidung, die zum Frieden in Syrien führt.“

    Da stellt sich also ein Macron, dessen Namen die meisten Franzosen vor drei Jahren zum ersten Mal in ihrem Leben gehört haben dürften, auf eine Stufe mit dem Mann, den die Weltöffentlichkeit als einen der stärksten politischen Akteure unserer Zeit wahrnimmt. Wird es Macron nicht zum Verhängnis, dass er sich an dem Typen misst, der im Westen als die größte Bedrohung aller Weltdemokratien dargestellt wird? Trump etwa hat sich dadurch das Stigma einer „Putin-Marionette“ eingehandelt.

    Aber Macron ist ja auch eine Erfindung der Atlantiker, mit dem Ziel, diejenigen vom Élysée-Palast fernzuhalten, die politisch wirklich ein gewichtiges Wort mitzureden und vor allem eine eigenständige Sicht der Zukunft ihres Landes haben (gute Beziehungen zu Russland inklusive).

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    Tags:
    C-Waffen-Attacke, TV-Sender, Spott, Ambitionen, Vergleich, Interview, BFM TV, EU, Emmanuel Macron, Wladimir Putin, Ost-Ghuta, Europa, Türkei, Iran, Großbritannien, Syrien, USA, Frankreich, Russland