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06:48 21 September 2019
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    Kampfjet Dassault Rafale der französischen Luftstreitkräfte vor dem Luftangriff gegen Objekte syrischer Regierung

    Großbritannien und Frankreich: Militärmächte im Ruhestand

    © AP Photo / French Defense Ministry/ ECPAD
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    Die Luftstreitkräfte und Seekriegsflotten Großbritanniens und Frankreichs haben beim Raketenangriff auf Syrien am 14. April nur mit einer sehr begrenzten Zahl ihrer militärischen Kräfte teilgenommen.

    Angesichts der hypothetischen Möglichkeit der Wiederholung solcher Angriffe auf Syrien in Zukunft versucht das Portal „Gazeta.ru“ zu klären, warum London und Paris Washington mit so wenig Flugzeugen und Schiffen unterstützt haben.

    Großbritannien feuerte von Kampfjets Tornado und Typhoon Luft-Boden-Raketen Storm Shadow ab. Die Franzosen feuerten drei bordgestützte Marschflugkörper und zwei Luft-Boden-Raketen des Typs SCALP (Äquivalent von Storm Shadow) ab. Die Luftstreitkräfte Frankreichs nutzten Kampfjets Rafale. Sie wurden von Kampfjets Mirage begleitet. Beide Länder entsandten bei dem Angriff nur wenige Flugzeuge jeden Typs.

    Was die Teilnahme der britischen Marine betrifft, so wurde das einzige britische U-Boot, das Marschflugkörper Tomahawk gegen Objekte in Syrien abfeuern wollte, von zwei russischen U-Booten Warschawjanka blockiert.

    Darüber berichtete die Zeitung „Times“ unter Berufung auf militärische Quellen.

    Bei der Analyse der Möglichkeiten der britischen Kriegsflotte zum Start der bordgestützten Marschflugkörper Tomahawk muss hervorgehoben werden, dass solche Marschflugkörper nur von Atom-U-Booten wie Trafalgar bzw. Astute  gestartet werden können. Zudem muss hervorgehoben werden, dass die Tomahawk-Raketen der britischen Flotte nur aus US-amerikanischer Entwicklung und Produktion sind.

    Britische Tornado-Bomber vor dem Luftschlag in Syrien
    © REUTERS / UK MOD Crown 2018/Handout
    Britische Tornado-Bomber vor dem Luftschlag in Syrien

    In der britischen Flotte gibt es derzeit nur drei Atom-U-Boote des Trafalgar-Klasse – Trenchant, Talent, Triumph. Diese U-Boote wurden in die britische Flotte in den 1980er-Jahren aufgenommen. Sie können jeweils sechs bis acht Tomahawk-Raketen an Bord nehmen.

    Doch jetzt befinden sich die meisten U-Boote dieses Typs in Wartung. Man sollte kaum mit ihrer ernsthaften Teilnahme an bevorstehenden Konflikten rechnen.

    Auch die moderneren britischen Atom-U-Boote Astute können mit Marschflugkörpern bewaffnet werden. Heute gibt es in der britischen Flotte drei U-Boote dieser Klasse (Astute, Ambush und Artful). Demnächst soll das vierte U-Boot, Audacious, an die Flotte übergeben werden.

    Auf den Astute können bis zu 36 Torpedos Spearfish, Antischiffsraketen Harpoon, Tomahawk-Raketen und Minen stationiert werden.

    Die britischen Schiffe (Zerstörer der Flugabwehr des Projekts 45 und Fregatten mit lenkbaren Raketen des Projekts 23) verfügen nicht über die Möglichkeiten für den Start von Marschflugkörpern. Während der Angriffe können sie somit nur zur Unterstützung der Atom-Mehrzweck-U-Boote herangezogen werden. Was die Flugzeugträger Queen Elizabeth und Prince of Wales betrifft, durchlaufen sie gerade Tests und wurden noch nicht an die Flotte übergeben.

    Noch bescheidener sehen die Möglichkeiten der französischen Kriegsflotte aus. Sie verfügt über den einzigen Flugzeugträger Charles de Gaulle. Er nahm bereits an Angriffen gegen Objekte und Gruppierungen des Islamischen Staates* im Irak und in Syrien teil, zeigte dabei jedoch keine besonderen Kampffähigkeiten.

    Wie der ehemalige Chef des Hauptstabes der russischen Seestreitkräfte, Viktor Krawtschenko, berichtete, hat das Flaggschiff der französischen Kriegsflotte — der Flugzeugträger Charles de Gaulle — keine Lösungen in Syrien angeboten und ist nach Frankreich zurückgekehrt.

    Die modernsten französischen Schiffe (Fregatten des Typs FREMM, im Dienst stehen vier Einheiten) sind nur mit der Seeversion der Raketen SCALP ausgerüstet (2x8). Eine davon (D653 Languedoc) wurde gegen Objekte in Syrien eigesetzt. In der nächsten Zukunft sollen mit den SCALP-Raketen mit einer Reichweite von bis zu 1000 km die französischen Atom-Mehrzweck-U-Boote des Typs Rubis ausgestattet werden.

    Französisches Atom-U-Boot Le Terrible (Archivbild)
    © AFP 2019 / Pool/ Fred Tanneau
    Französisches Atom-U-Boot Le Terrible (Archivbild)

    Nach den technisch-taktischen Eigenschaften wird diese SCALP-Version den Tomahawk-Marschflugkörpern ähneln.

    Die Atom-U-Boote Rubis sind eine Serie aus sechs U-Booten, die 1976-1993 gebaut wurden. Das sind die kleinsten U-Boote der Welt. Sie werden nicht mit Tomahawk-Raketen ausgerüstet.

    Auch die Luftstreitkräfte der beiden Staaten verfügen über keine großen Kampffähigkeiten.

    Die Luftstreitkräfte Großbritanniens verfügen über mehr als zehn Kampfjets der 5. Generation F-35, rund 150 Mehrzweck-Kampfjets Eurofighter Typhoon, rund 50 Bomber Panavia Tornado GR4-GR4A. Nach sowjetischem Maßstab sind es nur zwei Divisionen.

    Angesichts der technischen Bereitschaft und anderer Kampfaufgaben können in einem entfernten Kampfgebiet nicht mehr als ein bis zwei Geschwader dieser Flugzeuge stationiert werden, die mit lenkbaren Raketen des Typs Storm Shadow/SCALP ausgerüstet sind. Anscheinend werden überhaupt nur wenige Typhoons und Tornados geschickt, wie es am 14. April 2018 der Fall war.

    Die Fliegerkräfte Frankreichs verfügen über rund 100 Mehrzweck-Kampfjets Dassault Aviation Rafale B und C, mehr als 30 Mehrzweck-Kampfjets Dassault Aviation Mirage 2000-5/2000C sowie mehr als 80 Kampfjets und Bomber Dassault Mirage 2000D und 2000N.

    Mirage-Kampfjet der französischen Luftstreitkräfte während Lybien-Einsatzes (Archivbild)
    © AP Photo / Bob Edme
    Mirage-Kampfjet der französischen Luftstreitkräfte während Lybien-Einsatzes (Archivbild)

    An einem entfernten bewaffneten Konflikt könnten sie nur mit begrenzten Kräften teilnehmen. Wie Großbritannien könnte Frankreich nicht mehr als ein bzw. zwei Geschwader und anscheinend noch weniger – einige Flugzeuge – entsenden.

    Deswegen können die Streitkräfte Frankreichs und Großbritanniens an den Plänen Washingtons nur geringfügig teilnehmen.

    Sollten die Angriffe fortgesetzt werden, würden Paris und London wohl jeweils ein Geschwader der Mehrzweck-Kampfjets, ein Atom-U-Boot (von Großbritannien), einige Fregatten bzw. Korvetten entsenden.

    Die Teilnahme an den US-geführten hypothetischen Angriffen würde also eher symbolisch sein, um erneut die Verbündetenverpflichtungen und atlantische Solidarität zu beweisen. 

    Das sind natürlich bedeutende Kräfte mit umfangreichen Kampfmöglichkeiten, doch die militärische Größe der beiden Staaten und die strategische Dimension gehören wohl der Vergangenheit an. Beide Länder können in der nächsten Zeit wohl nur den Befehlen Washingtons folgen.

    *„Islamischer Staat“, auch „Daesh“, eine in Russland verbotene Terrorvereinigung.

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    Tags:
    Schwäche, Luftstreitkräfte, Kriegsflotte, Marschflugkörper, Raketenschlag, Atom-U-Boot, Mirage-Kampfjet, Tomahawk-Rakete, U-Boote vom Typ Warschawjanka, Tornado-Bomber, Eurofighter Typhoon, Rafale Dassault, Russland, USA, Großbritannien, Frankreich, Syrien