07:15 24 September 2018
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    Versammlung der US-Marines beim Auftritt des Generals Robert B. Neller (Archivbild)

    GIs ziehen in den Wahlkampf: Warum Trump den Truppenabzug aus Syrien verheißt

    © Foto: U.S. Marine Corps/ SSgt. Phillip Elgie
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    Die restlichen zweieinhalb Jahre bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA werden vergehen wie im Flug. Für den derzeit amtierenden US-Präsidenten wäre es kein guter Start ins Wettrennen um die zweite Amtszeit, wenn er zu den Wählern als Feldherr sprechen müsste, dessen Truppen sich im syrischen Sand festgelaufen haben.

    Dauerhafte, wenn auch relativ geringe Verluste des Truppenkontingents und Ausgaben in Milliardenhöhe für einen Krieg im fernen, unbekannten Syrien kommen beim Wahlvolk nicht gut an. Strategisch günstiger wäre es, der Wählerschaft erzählen zu können, alle militärpolitischen Ziele der Vereinigten Staaten in Syrien seien durch das beherzt-heroische Vorgehen der US-Truppen erreicht worden.

    Also geht das Weiße Haus rhetorisch schon einmal in Stellung: Regelmäßig lässt es verlauten, die Vereinigten Staaten hätten die radikalen Islamisten auf syrischem Boden nahezu vollständig zerschlagen. So konnte die Sprecherin des US-Präsidenten, Sarah Sanders, letzten Freitag bekräftigen, die Mission der USA bleibe unverändert. Der US-Präsident habe klar zu verstehen gegeben, „dass er will, dass die US-Truppen so bald wie möglich nach Hause zurückkehren“. Und: Die US-Regierung halte sich an die Vorstellung „der vollständigen Zerschlagung des IS* und der Schaffung solcher Voraussetzungen, die dessen Rückkehr nicht zulassen würden“.

    Wie man die finanzielle Last dieser Mission – Trump bedauerte jüngst, die USA hätten sieben Milliarden US-Dollar innerhalb von 17 Jahren ausgegeben – zumindest teilweise auf die Verbündeten abwälzen könnte, hat man sich in Washington offenbar auch schon einfallen lassen.

    Wie die renommierte Zeitung „The Wall Street Journal“ (WSJ) berichtet, bemüht sich die US-Regierung derzeit darum, ein panarabisches Truppenkontingent auf die Beine zu stellen, das die US-Truppen in Syrien (derzeit circa 2.000 Mann) ablösen und „die Stabilität der Lage im Nordosten Syriens nach der Zerschlagung des IS fördern“ könnte. Man munkelt, Trumps Sicherheitsberater John Bolton sei genau deshalb nach Ägypten gereist, um auszuloten, ob die dortigen Sicherheitskräfte dafür bereitstünden. Parallel dazu versucht Washington laut WSJ seine Freunde im Nahen Osten – Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate – davon zu überzeugen, Milliarden von Dollar bereitzustellen, um Nordsyrien zu helfen, und bitte auch Truppen dorthin zu entsenden.

    Krieg geht anders

    Für so manchen Berater ist Donald Trumps Absicht, die US-Truppen in naher Zukunft aus Syrien abzuziehen, schlicht inakzeptabel. Sie befürchten, ein allzu schneller Abmarsch würde es Russland und Iran ermöglichen, ihre Positionen in Syrien endgültig zu festigen.

    Stephen Biddle, ein Experte des Council on Foreign Relations, einer renommierten New Yorker Denkfabrik, sagt laut dem WSJ, der US-Präsident und seine Generäle hätten einfach unterschiedliche Auffassungen vom zeitgenössischen Krieg.

    „Trump geht davon aus, dass es ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg abgehen muss. Was ihm vorschwebt, ist ein großer, dramatischer Blitzkrieg, der mit einer plötzlichen, entschiedenen Kraftanstrengung zu gewinnen ist.“

    Anders die US-Generäle: Sie hätten, so Biddle, „eine Reihe sehr schwerer Experimente“ mitgemacht und wüssten deshalb, dass ein Krieg „ein andauernder, zermürbender Konflikt“ sei, bei dem es nicht unbedingt einen klaren Gewinner geben müsse.

    Ein anderer Grund, aus dem der Abzug der US-Truppen aus Syrien auf unabsehbare Zeit verzögert werden könnte, ist das unstillbare Verlangen der Vereinigten Staaten, sich als eine Schicksalsmacht zu positionieren, ohne deren Einfluss kein einziges Problem auf der Welt gelöst werden könne.

    Eines der jüngsten Beispiele für diesen Drang ist der Syrien-Schlag der West-Koalition, der wegen angeblichen Giftgasangriffs im syrischen Duma erfolgt ist. Die Beteiligung der Assad-Regierung an dem vermeintlichen Vorfall – sollte er überhaupt stattgefunden haben – ist von Washington bislang nicht bewiesen worden. Und offenbar hat das Weiße Haus auch gar nicht vor, Beweise dafür zu liefern – trotz etlicher Aufforderungen aus Moskau. Dafür ist Damaskus, Moskau, Teheran und Ankara mit dem Raketenschlag deutlich signalisiert worden, dass es ohne die Zustimmung des Westens keinen Frieden in Syrien geben wird.

    *„Islamischer Staat“, auch „Daesh“, eine in Russland verbotene Terrorvereinigung.

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    Tags:
    Islamisten, Truppenabzug, US-Präsidentschaftswahl, Terrormiliz Daesh, The Wall Street Journal, Donald Trump, USA, Syrien