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    Goldrubel (Symbolbild)

    Finanzen: Höhere Benzinpreise und teure Schulden in USA bedrängen den Rubel

    © REUTERS / Maxim Shemetov
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    Die Rendite der US-Staatsanleihen hat die psychologisch wichtige Marke von drei Prozent geknackt. Analysten sehen einen baldigen Inflations- und Schuldenschub in den USA. Diese Entwicklung hat bereits den US-Aktienmarkt in Schieflage gebracht. Welche Folgen sie für russische Staatsfinanzen haben kann, erklärt die Onlinezeitung „Gazeta.ru“

    Die Aktienmärkte haben auf die Nachricht von bald steigenden Verbraucherpreisen in den USA ziemlich nervös reagiert. Volkswirte prognostizieren anhand der makrowirtschaftlichen Daten der letzten Monate nämlich, dass sich Kraftstoffe und damit praktisch das gesamte Angebot im Einzelhandel in den USA verteuern werden. „Und das führt dazu, dass die Federal Reserve freie Hand bekommt, um den Leitzins weiter anzuheben“, erklärt der Investmentanalyst bei Global FX, Wladimir Roschankowski.

    Die Börsen in den USA zeigten eine negative Dynamik: S&P verlor 1,3, und Dow Jones sowie Nasdaq je 1,7 Prozent. „Je teurer die Kredite, desto schwieriger wird es für Unternehmen, Darlehen zur Finanzierung von Investitionen, Übernahmen oder Rückkäufen zu bekommen. Mit der steigenden Rendite der Staatsanleihen sinkt die Attraktivität von Unternehmensaktien zusätzlich“, erklärt Oxana Cholodenko, Expertin für internationale Finanzmärkte bei BKS Broker.

    Die Analysten gehen davon aus, dass die Ertragsrate der US-Staatsanleihen (Treasuries) weiter steigen könnte – auf bis zu 3,5 Prozent bis Ende dieses Jahres. Denn die US-Notenbank Federal Reserve räumt ihre Bilanz weiter auf und verkauft sukzessive immer mehr Treasuries, die sie hält.

    „Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Angebot an US-Anleihen steigt, auch wenn die Nachfrage danach stabil bleibt. Dies wird fallende Preise und weiter steigende Renditen der Staatsanleihen mit sich bringen“, erklärt Kristina Hooper, Chef-Volkswirtin bei Invesco.

    Der Anstieg der Rendite kann nicht nur den amerikanischen Aktienmarkt in Schieflage bringen, sondern auch die russische Währung, weil Investoren aus den Wertpapieren der Schwellenländer aus- und in die Treasuries einsteigen könnten.

    Laut der russischen Notenbank können die russischen Anleihen zurzeit bis zu sieben Prozent Jahresrendite bringen. Der Anteil ausländischer Investoren auf dem russischen Anleihemarkt betrug am 1. März dieses Jahres gut 34 Prozent. Ausländische Anleger hatten rund 37 Milliarden Dollar in die Staatspapiere investiert, was auch die Stabilität der russischen Währung stützte. Wenn die US-Schatzpapiere höhere Erträge garantieren, könnte es sein, dass dieses Investment in die USA abwandert.

    „Russische Staatsanleihen sind für einen Investor Anleihen eines Schwellenlandes, das mit Sanktionen belegt ist und ein Wirtschaftswachstum von höchstens 1,5 Prozent aufweist. Die Nachfrage danach wird deshalb sinken“, sagt Maxim Charitonow, Generaldirektor der Investmentgesellschaft „Haritonov Capital“. „Außerdem können die Staatsanleihen selbst mit Sanktionen belegt werden, woran der Markt sich dann aber gewöhnen würde.“

    Dies hat das US-Finanzministerium nun nicht vor. Der Ressortchef Steven Mnuchin sagte unlängst, die Anti-Russland-Sanktionen dürften bei einer Investition in die Staatspapiere für US-Anleger keine Einschränkungen beinhalten.

    Entwarnung gibt auch das russische Finanzministerium: Sollten ausländische Investoren massiv aus den russischen Staatsanleihen austeigen, würden inländische Anleger deren Marktanteil übernehmen, sagte unlängst der russische Finanzminister Anton Siluanow.

    Nur könnte der Rubel dabei die Schlüsselmarke von 70 Dollar überschreiten, wie die April-Sanktionen der USA gezeigt haben. Dass der russische Staat in so einem Fall interveniert, um die russische Rettung stabil zu halten, ist jedoch unwahrscheinlich.

    Bei einem Ölpreis von 70 Dollar pro Barrel kann Moskau einen Haushaltüberschuss erwirtschaften und diesen zur Auffüllung der eigenen Währungsreserven verwenden. Eine Beschleunigung der Inflation ist ebenfalls nicht abzusehen. Das Inflationsniveau liegt zurzeit bei 2,4 Prozent bei einer Zielmarke der russischen Zentralbank von vier Prozent. Unter derart günstigen Bedingungen wird das russische Finanzministerium die Währungsreserven kaum für die Stützung des Rubel-Kurses verbraten.

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    Rubel, Krise, Finanzen, Unternehmen, Markt, Anleihen, Russlands Notenbank, Steven Mnuchin, Russland, USA