13:58 14 November 2018
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    Keflavik-Luftwaffenbasis (Archiv)

    USA bauen Stützpunkt auf Island aus – Vorwand: Russische U-Boote

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    Eine eigene Armee hat Island nicht, strategisch wichtig ist der Inselstaat für die Nato trotzdem. Die US-Streitkräfte wollen hier mehrere Seefernaufklärer stationieren, angeblich aus Angst vor der russischen U-Boot-Flotte. Zwölf Jahre lang hatte Island Ruhe vor den Militärs – und jetzt das. Einheimische Friedensschützer sind empört.

    Über 3.000 amerikanische Soldaten waren im Kalten Krieg auf der Keflavik-Luftwaffenbasis stationiert, um die russische U-Boot-Flotte auszuspionieren. Vor zwölf Jahren war der Stützpunkt stillgelegt worden, vier Jahre später wurden die US-Soldaten abgezogen und nach Hause geschickt. Jetzt will das Pentagon die Basis auf der militärfreien Atlantik-Insel wieder nutzen.

    Washington habe angerufen und gefragt „Können wir morgen kommen“, sagte Hauptmann Jon Gudnason, Kommandeur der Air Base Keflavik, dem Sender „Deutsche Welle“. Man sei von Washington „solche Dinge“ gewöhnt, so der Hauptmann.

    „Wir alle wissen, warum das passiert“, sagt Islands Außenminister Gudlaugur Thor Thordarson laut „DW“. Der Politiker gibt dem russischem Militär die Schuld dafür, dass die Amerikaner bald wieder in Island stationiert sein werden. Das russische Militär sei „so umtriebig wie schon lange nicht mehr", sagt Thordarson.

    Vor dem Abzug der US-Truppen vor acht Jahren starteten amerikanische U-Boot-Jäger ein halbes Jahrhundert lang von Keflavik aus, um die russische Flotte auszuspähen. Zudem war hier im Kalten Krieg ein Jagdgeschwader stationiert, das die strategischen Bomber der Sowjets abfangen sollte. 2006 sind die Kampfjets abgezogen worden, doch jetzt entscheidet sich das US-Militär anders.

    Der US-Kongress hat im vergangenen Jahr 14,4 Millionen Dollar für die Modernisierung der Keflavik Air Base bewilligt. Von dem Geld sollen unter anderem die Flugzeughangars erweitert werden, um die Seefernaufklärer P-8 Poseidon aufnehmen zu können.

    Es ist dabei nicht so, als ob Einheimische es begrüßen würden, dass die USA die Insel remilitarisieren. Der isländische Politiker und Friedensschützer Thor Magnusson etwa fürchtet, es könne zu einer militärischen Eskalation kommen, weil die USA in Keflavik präsent seien. Die isländische Regierung wisse, „dass die Menschen in Island total dagegen sind — sie wollen kein Militär in Island“, so Magnusson. „Wenn sie wüssten, was die wahren Pläne der Amerikaner sind, wären sie absolut angewidert.“

    Nur sind die Vereinigten Staaten nicht nur Islands Nato-, sondern auch wichtiger Handelspartner. Deshalb sträubt sich die isländische Regierung nicht gegen die erneute Stationierung von US-Truppen.

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    U-Boot, Truppen, Stützpunkt, Kalter Krieg, Russland, Island, USA