17:37 13 November 2018
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    Handelshafen in Shanghai, China (Symbolbild)

    EU nervös: China kauft halb Europa auf

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    Chinesische Unternehmen kaufen bereits seit mehr als zehn Jahren dank ihrer immensen Finanzmöglichkeiten und staatlichen Unterstützung alles, was für sie von Interesse ist. Peking zeigt Interesse an allen Kontinenten, darunter natürlich Europa, wie Sergej Manukow für das Magazin Expert.ru schreibt.

    Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg analysierte die Entwicklung der chinesischen Präsenz in Europa in den vergangenen zehn Jahren. Die gesamten chinesischen Investitionen in Europa machten in dieser Periode mindestens 318 Milliarden US-Dollar aus. Ob das viel ist oder nicht kann man am folgenden Beispiel beurteilen: Die Aktivitäten chinesischer Unternehmen in derselben Periode in den USA waren um 45 Prozent weniger.

    Das Vorgehen Pekings löst Besorgnisse in Brüssel aus. Europäische Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, rufen zu einer einheitlichen Strategie zur Abwehr der sich verschärfenden Offensive Chinas auf. Die chinesische Expansion betrachten alle Europäer mit Sorge, doch am Rande Europas werden die Aufrufe Berlins, Paris‘ und Brüssels zurückhaltend wahrgenommen.

    Bei der Analyse der Angaben zu 678 Deals in 30 europäischen Ländern von 2008 bis 2018 kam Bloomberg zu dem Schluss, dass trotz der Aufrufe Berlins, jeden Deal detailliert zu überprüfen und bei Bedarf unverzüglich eine Schutzwand zu errichten, Deutschland bei der Zahl der Abkommen mit Chinesen in den vergangenen zehn Jahren auf Platz zwei liegt (225 Deals im Gesamtwert von 20,33 Milliarden Dollar), unmittelbar nach Großbritannien (227 Deals im Wert von 70,6 Milliarden Dollar).

    >>Mehr zum Thema: Chinas Bericht zu Menschenrechtsverletzungen in USA: „Absurdität und Irrtümer“

    Am aktivsten waren chinesische Unternehmen in Europa im Jahr 2016. Damals wurde der größte Deal bekannt gegeben – ChemChina kündigte die Übernahme des Schweizer Düngemittelkonzerns Syngenta AG im Wert von 46,3 Milliarden Dollar an. Insgesamt gaben chinesische Firmen in den letzten zehn Jahren für den Aufkauf europäischer Unternehmen 255 Milliarden Dollar aus. Dabei kauften Chinesen rund 360 europäische Firmen, darunter solche Riesen wie der italienische Reifenhersteller Pirelli bzw. die irische Flugzeugleasingfirma Avolon. Zudem besitzen chinesische Unternehmen in Europa vollständig bzw. teilweise mindestens vier Flughäfen, sechs Meereshäfen, Wind-Stromwerke und 13 Fußballvereine.

    Die meisten chinesischen Aktiva sind in London konzentriert, wo chinesischen Firmen in der City mehr als zehn Hochhaus-Bürogebäude gehören.

    In Bezug auf die Branchen, die die chinesischen Unternehmer ins Visier genommen haben, ist die Chemieindustrie Spitzenreiter mit großem Abstand, auf die von 2008 bis 2018 etwa 48,8 Milliarden Dollar entfielen. 25,9 Milliarden Dollar wurden in den Energiebereich investiert, 23,9 Milliarden in Immobilien. Das europäische Finanzsystem ist weniger attraktiv für Chinesen und liegt nur auf dem siebten Platz. In Banken und Finanzinstitute investierte China 14,3 Milliarden Dollar.

    Von 2008 bis 2018 investierten in Europa mehr als 670 chinesische Unternehmen, darunter aus Hongkong. Rund 100 davon sind vollständig bzw. teilweise staatlich. Auf sie entfielen 63 Prozent der Investitionen. Acht der zehn aktivsten Käufer gehören dem Staat (China Investment Corp. – 24,2 Mrd., Aluminium Corp. of China – 14,1 Mrd., Silk Road Fund Co – 10,5 Mrd.).

    Laut den Verfassern der Studie interessieren sich chinesische Unternehmen weiter aktiv an europäischen Unternehmensbeteiligungen. Sie planen zahlreiche Deals, die offiziell noch nicht bekannt gegeben wurden. Dazu gehören der Bau von Atomreaktoren in Rumänien und Bulgarien, der Aufkauf eines Containerterminals in Kroatien und der Bau eines Hafens in Schweden und einer Eisenbahnstrecke zwischen Belgrad und Budapest sowie die Übernahme des tschechischen Autoherstellers Skoda u.a.

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    Unternehmen, Abkommen, Investitionen, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Europa, China