08:38 18 November 2018
SNA Radio
    Russisches Kampfjet Su-30SM (Archivbild)

    Russischer Kampfjet vor syrischer Küste abgestürzt: Wenn Vögel zur Gefahr werden

    © Sputnik / Anton Balaschow
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Moskowski Komsomolez
    1111119

    Der russische Flugzeugverband in Syrien hat einen erheblichen Verlust erlitten – am 3. Mai stürzte kurz nach dem Start vom Flugplatz Hmeimim eines der zuverlässigsten russischen Militärflugzeuge - eine Su-30SM - ins Meer. Beide Piloten nutzten aus bislang ungeklärten Gründen nicht den Schleudersitz und kamen ums Leben.

    Laut dem Verteidigungsministerium wird vorläufig davon ausgegangen, dass ein Vogel in eines der Triebwerke geraten war. Die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ befragte Experten, wie gefährlich solche Kollisionen mit Vögeln sein können und ob der Verlust von Piloten und Maschine hätte verhindert werden können.

    Wie es im russischen Verteidigungsministerium hieß, gab es keine Feuereinwirkung auf das Flugzeug. Es wurden keine Raketen abgefeuert und nicht aus Artilleriesystemen geschossen. Es stellt sich heraus, dass um den Flugplatz durchaus die Gefahr von Vogelschlag vorhanden ist.

    Laut Flugsicherheitsexperten ist die Version, dass ein Vogel in das Triebwerk geraten sei, zwar möglich, aber nicht die einzige Version des Geschehenen. Die Su-30SM hat zwei Triebwerke. Es ist kaum möglich, dass in beide Triebwerke jeweils ein Vogel flog.

    Andererseits werden die Flugzeugtriebwerke vor der Inbetriebnahme auf ihre Funktionsfähigkeit getestet, wenn Vögel dort hineingeraten. Dazu werden laufende Triebwerke auf dem Boden mit Hühnerkörpern beschossen. Die Geschwindigkeit solcher „Geschosse“ macht manchmal bis zu Hunderten km/h aus. Die Aufgabe der Entwickler ist, eine nachhaltige Arbeit der Triebwerke in einer ähnlichen Notlage zu erreichen.

    Einem Experten zufolge gab es Havarien mit Su-27 und Su-30 wegen Vögeln auch früher, doch es war extrem selten. Gewöhnlich konnten sich die Piloten aus der Situation retten.

    „Vielleicht hatten die Piloten in diesem Fall nicht genug Zeit, um das lahmgelegte Triebwerk neu zu starten. Es kann auch andere Faktoren gegeben haben. Jedenfalls ist eine Untersuchung der Gespräche der Piloten mit dem Fluglotsen sowie untereinander erforderlich. Diese Informationen werden teilweise in der Kommandozentrale sowie in Flugschreibern gespeichert. Sie müssen noch gefunden und vom Meeresboden gehoben werden. Hoffentlich werden die Bedingungen das ermöglichen“, so der Experte.

    Ihm zufolge ist für die Ornithologie-Situation um den Flugplatz ein Militär-Meteorologe zuständig. Dabei gibt es Möglichkeiten zur Bekämpfung der Vogelgefahr. Die Ornithologie-Situation wird gewöhnlich während der Massenmigration der Zugvögel erschwert.

    Wie es in der Internationalen Consulting-Agentur „Flugsicherheit“ hieß, kommt es beim Start bzw. der Landung zu den meisten Kollisionen von Flugzeugen mit Vögeln.

    Es wurde eine Methodik der Einschätzung der Risiken von Zusammenstößen von Flugzeugen bzw. Hubschraubern und Vögeln und möglicher Schaden entwickelt. Es werden insbesondere Fälle von Zusammenstößen von Flugzeugen und Vogelschwärmen analysiert. Experten bestimmten die Wege zur Abschreckung der Vögel an Flughäfen – mithilfe von chemischen, akustischen bzw. visuellen Mitteln. Dazu gehören unter anderem Propan-Kanonen bzw. Pyropatronen. Sie produzieren Schalle, die einem Gewehrschuss ähnlich sind.

    Zudem werden pyrotechnische Raketen genutzt, die laut explodieren bzw. einen Laut erzeugen, der von Rauch bzw. Leuchtmitteln begleitet wird. Einige neue Geschosse wirken effektiv aus einer Entfernung von bis zu 275 Metern.

    Ein weiterer Weg zur Bekämpfung von Vogelgefahr ist die Wiedergabe von Vogelgeschrei bei Notstandsituationen mit elektronischen Lärmsystemen. So werden zur Abschreckung von Möwen, Krähen und Staren Aufnahmen ihres Geschreis angewendet. Ein effektives Mittel zur Bekämpfung von Vogelgefahr an Flughäfen sind Ultraschall-Anlagen.

    Der Absturz der Su-30SM ist nicht der erste Verlust des russischen Flugzeugverbands in Syrien. Im Oktober 2017 rollte beim Startversuch von Flugplatz Hmeimim ein Bomber Su-24M über die Start- und Landebahn hinaus. Die Piloten kamen ums Leben.

    Der russische Flugzeugverband erlitt weitere Verluste: Im November 2016 wurde ein Bomber Su-24M von einem türkischen Flugzeug F-15 abgeschossen. Der Pilot Oleg Peschkow kam ums Leben. Am 3. Februar 2018 wurde ein Erdkampfflugzeug Su-25 von Extremisten in Idlib mit einem mobilen Flugabwehrkomplex abgeschossen. Der Flieger Roman Filippow rettete sich zunächst per Schleudersitz, kam aber auf dem Boden beim Kampf gegen Extremisten heldenhaft ums Leben, indem er sich mit einer Granate in die Luft sprengte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Pentagon beschwert sich über E-Waffen gegen US-Flugzeuge in Syrien
    US-Flugzeugträger erwägt Kurswechsel wegen Russen in Syrien
    Tödlicher Flugzeug-Absturz in Syrien: Mögliche Ursache bekannt
    27 russische Offiziere bei Flugzeugabsturz in Syrien getötet
    Tags:
    Experten, Grund, Absturz, Kampfjet, Su-30SM, F-15, Su-24M, Su-27, Hmeimim, Türkei, Syrien, Russland