18:03 21 August 2018
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    Medizin während des Zweiten Weltkrieges (Symbolbild)

    Spenderblut trotz Hungersnot: Wie das belagerte Leningrad Soldatenleben rettete

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    Während des Zweiten Weltkrieges lieferte das von den Hitler-Truppen belagerte Leningrad trotz der Hungersnot intensiv Spenderblut und Blutersatzmittel an die sowjetischen Soldaten.

    Dmitri Karalis, Drehbuchautor eines russischen Dokumentarfilms zum Thema, sagte der Zeitung „Argumenty i Fakty“, die ersten Blut-Mengen für die Front seien in Leningrad bereits am ersten Kriegstag gegen Nazi-Deutschland vorbereitet worden.

    „Täglich kamen 300 bis 3.000 Blutspender ins Leningrader Institut für Bluttransfusion (LIPK). Dieses Institut war eine einzigartige Forschungsanstalt. Seine Fachleute arbeiteten vom ersten bis zum letzten Tag der Blockade“, so Karalis.

    Er führt ein Beispiel aus der Blockadezeit an: „Am 15. September 1941 dauerte ein Luftalarm in der Stadt mehr als 18 Stunden. Wegen der Bombenangriffe kam niemand zur Blutspende-Station. Dann spendeten 150 Mitarbeiter des Instituts selbst Blut und verhinderten eine Unterbrechung der Blut-Lieferungen an die Frontlinie.“

    Im Winter 1941 seien die Menschen in der belagerten Stadt aber angesichts des drastischen Nachschub-Mangels schon völlig entkräftet gewesen. Die Blutspenden seien lebensgefährlich für die Spender selbst geworden. Dann habe der zuständige Militärrat eine für jene Verhältnisse beispiellose Entscheidung getroffen: Die Spender seien zusätzlich mit Nahrungsmitteln aus den Armee-Vorräten vorsorgt worden, wenn auch nun vorübergehend, für jeweils zehn Tage während der Zeit der Blutabgabe. Jener Zusatz habe unter anderem 200 Gramm Weißbrot und 40 Gramm Fleisch täglich vorgesehen, hieß es.

    Es mangelte aber trotzdem an Spenderblut, deshalb erfand der Leningrader Forscher Ioakim Petrow laut Karalis eine spezielle Flüssigkeit als Blutersatzmittel: „Sie enthielt eine Reihe von Salzen und nur zehn Prozent Blut. Das Ergebnis war erstaunlich, das LIPK fing mit einer Massenproduktion dieser Substanz an.“

    „Das Institut meisterte außerdem schnell die Herstellung von Petrow-Tabletten. Diese wurden in jeweils 100 Gramm Sterilwasser aufgelöst – mit Zusatz von zehn Prozent Blut“, so Karalis weiter.

    Diese Flüssigkeit habe Wunder bewirkt, indem sie Soldaten vor dem Tod gerettet habe: „Die Nazis jagten intensiv danach, konnten die Formel aber nicht enträtseln.“

    >>Mehr zum Thema: Erinnerung an schreckliche Tage: Durchbruch der Leningrader Blockade vor 75 Jahren

    Wie Karalis erläutert, wurde Spenderblut aus dem Institut damals in wetterfesten Behältern zu den Truppen transportiert – mit Lkws oder mit Schlitten: „Die Soldaten glaubten, dass Blut aus unserer Stadt eine verstärkte Energie hat, und nannten es unbesiegbar. Alle Bestellungen von der Front wurden tadellos erfüllt.“

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    Tags:
    Heldentum, Nazi-Deutschland, Blut, Medizin, Zweiter Weltkrieg, Leningrad, Russland
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